Spanien mit B-Elf nicht zu schlagen - DFB-Lager stöhnt
25.06.2024 - 13:28:34Wer wollte, der konnte die Worte von Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente nach der perfekten EM-Vorrunde als Drohung an die Konkurrenz und den möglichen Viertelfinalgegner Deutschland verstehen. Das Selbstvertrauen beim dreimaligen Europameister jedenfalls wÀchst und wÀchst.
«Ich weiĂ, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir werden von Tag zu Tag immer besser», sagte de la Fuente nach dem 1:0 im letzten Vorrundenspiel in DĂŒsseldorf gegen Albanien.
Drei Spiele, drei Siege, null Gegentore - der Weg zum Titel scheint nur ĂŒber La Furia Roja zu fĂŒhren. FĂŒr Deutschland sowieso. Im Viertelfinale trĂ€fe die Auswahl des Deutschen FuĂball-Bundes am 5. Juli in Stuttgart auf die bislang stĂ€rkste Mannschaft des Turniers. Und das löst im DFB-Lager schon jetzt Stöhnen aus. «Das ist wirklich eine gute Truppe - puh», sagte DFB-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Andreas Rettig bereits vor dem letzten spanischen Gruppenspiel, das die Iberer selbst mit einer B-Elf und einer XXL-Rotation mit zehn Wechseln in der Startelf souverĂ€n gewannen. «Ich bin natĂŒrlich beeindruckt von den Spaniern», sagte Rettig.
Egal, wer spielt - Spanien dominiert
Nicht nur er. Die VariabilitÀt und Tiefe im Kader Spaniens ist beeindruckend. 25 der 26 Spieler im Aufgebot kamen in der Vorrunde bereits zum Einsatz. Nur Alex Remiro als dritter Keeper hat noch keine EM-Minute gespielt. «Spanien gewinnt sogar im Schlafanzug», kommentierte die spanische Sport-Tageszeitung «Marca».
«Wir wollten bewusst so viele Spieler wie möglich einsetzen, das haben wir geschafft», sagte de la Fuente, der damit nicht nur die KrĂ€fte seiner gröĂten Stars schonte. Jeder Spieler bekommt so das GefĂŒhl, wichtig zu sein und ist im Zweifel in den entscheidenden K.-o.-Spielen bereit fĂŒr den Ernstfall.
Olmo glÀnzt und muss womöglich wieder auf die Bank
So wie gegen Albanien beispielsweise Dani Olmo. Der Leipziger kam zu seinem ersten Startelf-Einsatz, war bester Mann auf dem Platz und bereitete den Siegtreffer durch FerrĂĄn Torres (13. Minute) mit einem Traumpass vor. «Ein fantastischer FuĂballer», schwĂ€rmte de la Fuente, deutete aber an, dass im Achtelfinale am Sonntag die BĂŒhne wieder den anderen KĂŒnstlern Lamine Yamal, Nico Williams und Rodri gehören wird. «In einer Mannschaft hat jeder seine Rolle und er ist ein absoluter Teamplayer. Er denkt an das groĂe Ganze und an die Mannschaft», sagte der 63 Jahre alte spanische Coach ĂŒber Olmo.
Trotz der vielen Wechsel gegen Albanien ging auch die StabilitÀt der bislang makellosen Defensive nicht verloren. «Wir haben einfach eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive», meinte de la Fuente. «Das ist eine Leistung des Kollektivs.»
Bei vielen Experten ist der Europameister von 1964, 2008 und 2012 lĂ€ngst Top-Favorit auf den Titel. «Wir dĂŒrfen alle trĂ€umen. Wir sind ja auch die Ersten, die trĂ€umen», sagte de la Fuente, der bereits die U19 (2015) und die U21 Spaniens (2019) zu Europameistern machte, seine Spieler aber bislang noch auf dem Boden hĂ€lt. «Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wir schauen jetzt von Spiel zu Spiel», sagte StĂŒrmer Torres vom FC Barcelona.
Nicht immer holten dominierende Vorrundenteams auch den Titel
TatsĂ€chlich gibt es auch noch Hoffnung fĂŒr die Konkurrenz. Denn bei aller spielerischen Klasse und Ăberlegenheit bislang gewann La Furia Roja gegen Italien und Albanien jeweils nur 1:0, obwohl höhere Siege ohne weiteres drin gewesen wĂ€ren. Mit der EffektivitĂ€t hat Spanien nach wie vor Probleme. Zudem scheiterten bei den vergangenen Turnieren immer wieder Teams, die in der Vorrunde noch brilliert hatten, frĂŒher oder spĂ€ter in der K.-o.-Runde: Kroatien und die Niederlanden 2008 jeweils im Viertelfinale, Deutschland 2012 im Halbfinale und 2021 erneut die NiederlĂ€nder im Achtelfinale und Belgien im Viertelfinale.
Es gibt allerdings auch Gegenbeispiele, an die selbst de la Fuente bisher nicht dachte. Denn auch wenn der Nationalcoach die makellose Vorrunden-Bilanz seines Teams von neun Punkten und 5:0 Toren fĂŒr einzigartig in der Turnierhistorie pries, ist sie das natĂŒrlich nicht. Vor drei Jahren beendete Italien die Vorrunde mit drei Siegen und sogar 7:0 Toren und wurde am Ende Europameister. Und auch 2008 holte ein souverĂ€ner Gruppenerster mit drei Vorrundensiegen am Ende den Titel: Spanien. «Ich war damals acht Jahre. Das war eine tolle Euro», sagte Torres spitzbĂŒbisch. Seine Augen funkelten dabei.


