DSV, Wintersport

Olympia-Gold und Tournee-Scheitern: Horngacher hört auf

25.03.2026 - 11:03:04 | dpa.de

Sieben Jahre prĂ€gt Stefan Horngacher das deutsche Skispringen als Bundestrainer. Am Wochenende verabschiedet er sich. Der 56-JĂ€hrige spricht ĂŒber ZukunftsplĂ€ne und einen Makel.

  • Am Wochenende verabschiedet sich Stefan Horngacher als Bundestrainer. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
    Am Wochenende verabschiedet sich Stefan Horngacher als Bundestrainer. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Horngachers VerhĂ€ltnis zu Philipp Raimund (l) war mal schwierig. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
    Horngachers VerhÀltnis zu Philipp Raimund (l) war mal schwierig. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Der Olympiasieg von Philipp Raimund war der Höhepunkt des Winters. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
    Der Olympiasieg von Philipp Raimund war der Höhepunkt des Winters. (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Findet Andreas Wellinger nochmal zurĂŒck zu alter StĂ€rke? (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
    Findet Andreas Wellinger nochmal zurĂŒck zu alter StĂ€rke? (Archivbild) - Foto: Daniel Karmann/dpa
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Ob auf dem Rad oder in Wanderschuhen: Stefan Horngacher wird man im Schwarzwald bald hĂ€ufiger treffen. Der Outdoor-Fan und Hobby-Pilzsammler hat demnĂ€chst mehr Zeit. An diesem Wochenende endet seine siebenjĂ€hrige Ära als Chefcoach der deutschen Skispringer. «Das letzte Mal als Bundestrainer die Fahne zu schwingen, ist noch einmal eine große Ehre. Darauf freue ich mich sehr», sagt der 56-JĂ€hrige der Deutschen Presse-Agentur.

Raimunds Olympiasieg als Höhepunkt der Saison

Horngacher, der mit seiner Familie in Titisee-Neustadt lebt, blickt auf einen komplizierten letzten Winter im Amt zurĂŒck. Bei der Vierschanzentournee und der Skiflug-WM in Oberstdorf musste seine Mannschaft EnttĂ€uschungen verkraften. Auch im Weltcup hielten seine Springer mit den Allerbesten oft nicht mit. Olympia-Gold von Philipp Raimund im Einzel von der Normalschanze war der große Höhepunkt der Saison, die nun mit dem Skifliegen von Planica zu Ende geht.

Als «ein bisschen komisch» beschreibt Horngacher sein GefĂŒhl vor der letzten Dienstreise nach Slowenien. Im RĂŒckblick eine Rangliste besonderer Ereignisse, einzelner Medaillen bei Weltmeisterschaften oder Winterspielen zu erstellen, fĂ€llt ihm schwer.

«Der Olympiasieg vom Philipp Raimund ist fĂŒr mich genauso wichtig wie die Bronzemedaille vom Karl Geiger damals in Peking oder Karls Titel bei der Skiflug-WM 2020», sagt er. «Das sind alles bleibende Momente, die herausragend waren.» Statt einzelner Erfolge hebt Horngacher die Zusammenarbeit mit dem Team hervor.

Mann klarer Worte, aber kein Lautsprecher

Der Österreicher hatte den Job 2019 von seinem Landsmann Werner Schuster ĂŒbernommen. Horngacher trat introvertierter auf als sein beliebter VorgĂ€nger. Seine ruhige, analytische und gleichzeitig offene Art kam aber ebenfalls gut an. Er Ă€ußerte auch mal öffentlich Kritik, wenn er nach einzelnen Springern gefragt wurde. Konflikten ging Horngacher nicht aus dem Weg.

Mit Olympiasieger Raimund gab es vor der vergangenen WM Streit. «Es hat wirklich gekracht vor der WM in Trondheim, danach hat man sich ausgesprochen», erklÀrte Raimund bei den Winterspielen in Italien. Das habe gutgetan.

Auf dem Weg zur Entwicklung des 25-JĂ€hrigen zum deutschen Vorzeigespringer war auch das ein Puzzleteil. Bei Horngacher wusste immer jeder, woran er bei ihm war. Nach Raimunds Sieg jubelte der Coach so ausgelassen wie selten.

Ein Makel bleibt

Bei einer großen Mission scheiterte aber auch der erfahrene Fachmann: Den Vierschanzentournee-Fluch besiegte auch Horngacher mit seinen Springern nicht. «Das war schon immer unser Hauptfokus. Das wird von allen erwartet», sagt er. «Leider konnten wir die Erwartungen nicht erfĂŒllen.»

Seit dem Triumph von Sven Hannawald 2002 warten die Adler des Deutschen Skiverbandes (DSV) auf einen Sieg beim Traditionsevent rund um den Jahreswechsel. «Ich hoffe, dass es mein Nachfolger schafft», sagt Horngacher. «Das wĂŒrde ich ihm echt wĂŒnschen.»

Wer seine Athleten in der kommenden Saison betreut, hat der DSV noch nicht bekanntgegeben. Spekulationen gibt es viele. In den kommenden Wochen soll eine Entscheidung verkĂŒndet werden.

Nachfolger muss richtige Mischung finden

Trotz der insgesamt sehr durchwachsenen Saison sieht Horngacher Deutschland in seiner Disziplin gut aufgestellt. «Das deutsche Team wird auch nĂ€chstes Jahr sehr stark sein. Davon bin ich ĂŒberzeugt», sagt er.

FĂŒr den neuen Bundestrainer wird es darum gehen, die Ă€lteren Springer wie Andreas Wellinger (30), Geiger (33) oder Pius Paschke (35) wieder in Topform zu bringen. Zudem mĂŒssen junge Athleten nach und nach ins Team eingebaut und darauf vorbereitet werden, die Arrivierten irgendwann abzulösen. «Noch sind die jĂŒngeren Sportler nicht in der Lage, ganz vorn mitzuspringen», sagte Horngacher.

Horngacher will seiner Sportart treu bleiben

Wie es fĂŒr ihn selbst genau weitergeht, weiß er nach eigenen Angaben noch nicht. Eins ist jedoch klar: «Ich werde definitiv im Skispringen bleiben.» In welcher Rolle genau, da gebe es mehrere Möglichkeiten. Wichtig ist fĂŒr ihn, hĂ€ufiger zu Hause zu sein.

Weniger reisen, mehr Zeit fĂŒr Unternehmungen mit seiner Frau an der frischen Luft und dazu ein erfĂŒllender Job in der Sportart, fĂŒr die er brennt. So stellt sich Horngacher seine Zukunft vor. Ein Problem wird der Mann, der im Skisprung-Zirkus auch als Rock-Fan und Gitarrist bekannt ist, aber wohl trotzdem nur bedingt lösen: «Leider habe ich zu viele Hobbys, die ich sehr gerne mache, aber zu wenig Zeit.»

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