VorstoĂ aus IOC fĂŒr lĂ€ngere Bach-Regentschaft
15.10.2023 - 12:18:52Thomas Bach sagte nicht Nein. Mit einem LĂ€cheln dankte der PrĂ€sident des Internationalen Olympischen Komitees den drei IOC-Mitgliedern, die gleich zu Beginn der Generalversammlung in Mumbai nach einer SatzungsĂ€nderung fĂŒr eine weitere Amtszeit des Deutschen riefen.
«Ich bin sehr berĂŒhrt von ihrer UnterstĂŒtzung und ihrer Freundschaft», beteuerte Bach. 2025 wĂ€re gemÀà der Olympischen Charta eigentlich Schluss fĂŒr den WĂŒrzburger als Chef der Weltregierung des Sports. Doch mit dem VorstoĂ aus den Reihen des IOC könnte sich die TĂŒr fĂŒr eine weitere Amtszeit Bachs öffnen.
Mustapha Berraf als PrĂ€sident der Vereinigung der afrikanischen Nationalen Olympischen Komitees, Luis Mejia Oviedo aus der Dominikanischen Republik und Aicha Garad Ali aus Dschibuti setzten sich fĂŒr eine Reform der IOC-Statuten ein. Dies wĂŒrde dem Ringe-Zirkel erlauben, «diese Zeit der Qualen mit einem PrĂ€sidenten durchzustehen, der seinen Mut bewiesen hat», sagte der Algerier Berraf im Namen der afrikanischen IOC-Mitglieder.
Amtszeit eigentlich begrenzt
Geschmeichelt verwies Bach in seiner Antwort auf seine Treue zur IOC-Charta, die eigentlich die Amtszeit eines PrĂ€sidenten auf maximal zwölf Jahre begrenzt. Kurz zuvor allerdings hatte IOC-VizeprĂ€sident John Coates, ein enger Vertrauter von Bach, dargelegt, dass eine Ănderung der Regeln durchaus möglich wĂ€re. Nötig ist dafĂŒr ein schriftlicher Vorschlag 30 Tage vor einer IOC-Session, der zuvor noch von der von Bach gefĂŒhrten Exekutive geprĂŒft werden muss.
Wie sich das Regelwerk im Sinne des Chefs anpassen lĂ€sst, hatte unlĂ€ngst das IOC-Mitglied Gianni Infantino gezeigt. Weil seine ersten knapp dreieinhalb Jahre als PrĂ€sident des FuĂball-Weltverbands kurzerhand nicht angerechnet werden, kann der Schweizer sich 2027 statutengemÀà noch in eine weitere Amtszeit wĂ€hlen lassen. «Ich danke Ihnen fĂŒr ihre FĂŒhrung», huldigte Infantino in Mumbai dem IOC-Boss.
Die Amtszeitbegrenzung hatten die IOC-Mitglieder 1999 unter groĂem Druck in einer der schwersten Krisen beschlossen. Damals brachte der Bestechungsskandal um die Vergabe der Winterspiele 2002 in Salt Lake City den Dachverband in Verruf. FĂŒr den damaligen IOC-VizeprĂ€sidenten Bach war das Limit fĂŒr die Amtsperioden «ein wichtiger Schritt vorwĂ€rts fĂŒr das IOC», wie er seinerzeit der Zeitung «Die Welt» sagte.
Seit zehn Jahren an der Spitze
2013 rĂŒckte der Fecht-Olympiasieger von 1976 dann selbst an die IOC-Spitze. 2021 wurde er fĂŒr weitere vier Jahre im Amt bestĂ€tigt. GeprĂ€gt wurde Bachs Amtszeit vom Skandal um Russlands Staatsdoping, KorruptionsaffĂ€ren um die Spiele in Rio und Tokio und den Nöten des Sports in der Coronakrise. Seit Monaten spaltet die Frage des Umgangs mit den russischen Sportlern inmitten des Angriffskriegs in der Ukraine die Sportwelt.
Erst vor wenigen Wochen sagte Bach scherzhaft zu seinen PlĂ€nen fĂŒr die Zeit nach dem Abschied vom IOC-Spitzenposten, er werde «weder Trainer noch Sportdirektor noch Fernsehexperte». Aber womöglich ist diese Zeit so bald noch gar nicht gekommen, auch wenn Turn-Weltverbandschef Morinari Watanabe verklausuliert vor einem VerstoĂ gegen die Prinzipien «guter RegierungsfĂŒhrung» warnte. Der Japaner beeilte sich aber auch, Bach zu versichern: «Ich liebe Sie.»
Ende der Hoffnungen fĂŒr mögliche Thronerben?
Schon bei der nĂ€chsten Session kurz vor den Sommerspielen in Paris 2024 könnte die Ănderung der Charta auf die Tagesordnung kommen. 2025 in Athen, wenn eigentlich Bach fĂŒr einen neuen IOC-Chef Platz machen soll, könnte die Session stattdessen zu einer weiteren Krönungsmesse fĂŒr den 69-JĂ€hrigen werden.
Das wĂ€re dann auch das Ende der Hoffnungen fĂŒr mögliche Thronerben wie Sebastian Coe, den PrĂ€sidenten des Leichtathletik-Weltverbands, und IOC-VizeprĂ€sident Juan Antonio Samaranch junior. Der Vater von Samaranch gilt als Wegbereiter Bachs in der Ringe-Organisation und regierte das IOC fĂŒr 21 Jahre.


