Wintersport, Ski alpin

Die Königin und ihr Knie: Vonn elektrisiert die Ski-Welt

03.02.2026 - 12:20:48 | dpa.de

US-Star Lindsey Vonn trÀumt vom glÀnzenden Karriereabschluss in Cortina d'Ampezzo. Trotz ihres Sturzes vor wenigen Tagen will sie um eine Medaille kÀmpfen - und das mit einem Kreuzbandriss.

  • Vor ihren fĂŒnften Olympischen Winterspielen: Lindsey Vonn. (Archivbild) - Foto: Gabriele Facciotti/AP/dpa
    Vor ihren fĂŒnften Olympischen Winterspielen: Lindsey Vonn. (Archivbild) - Foto: Gabriele Facciotti/AP/dpa
  • Sorgen ums Knie: Vonn stĂŒrzte vorigen Freitag in Crans-Montana. (Archivbild) - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
    Sorgen ums Knie: Vonn stĂŒrzte vorigen Freitag in Crans-Montana. (Archivbild) - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
  • Spannendes Duo: Aksel Lund Svindal (r.) gehört zu Vonns Trainerteam. (Archivbild) - Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa
    Spannendes Duo: Aksel Lund Svindal (r.) gehört zu Vonns Trainerteam. (Archivbild) - Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa
  • Bei den Winterspielen im Fokus: US-Skistar Lindsey Vonn. - Foto: Michael Kappeler/dpa
    Bei den Winterspielen im Fokus: US-Skistar Lindsey Vonn. - Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Sorgen ums Knie: Vonn stĂŒrzte vorigen Freitag in Crans-Montana. (Archivbild) - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
    Sorgen ums Knie: Vonn stĂŒrzte vorigen Freitag in Crans-Montana. (Archivbild) - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
  • Spannendes Duo: Aksel Lund Svindal (r.) gehört zu Vonns Trainerteam. (Archivbild) - Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa
    Spannendes Duo: Aksel Lund Svindal (r.) gehört zu Vonns Trainerteam. (Archivbild) - Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa
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Lindsey Vonn wĂ€re nicht Lindsey Vonn, hielte nicht auch die letzte Etappe ihrer bemerkenswerten Reise noch so manches Drama parat. Die Ski-Königin ist zurĂŒck an ihrem Sehnsuchtsort - und verkĂŒndete direkt aufsehenerregende Nachrichten: Sie hat nach eigenen Angaben einen Kreuzbandriss erlitten, will bei Olympia aber unbedingt starten. «Ich weiß, meine Chancen sind nicht mehr so groß wie vorher. Aber solange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen», sagte die sichtlich bewegte Vonn bei einem Pressetermin in Cortina d'Ampezzo.

Dort, wo sie so viele prĂ€gende Erlebnisse hatte und niemand so oft gewonnen hat wie sie, wollte die Amerikanerin ihre ohnehin schon schillernde Karriere endgĂŒltig veredeln. Die Gold-Aussichten wurden nun erheblich getrĂŒbt. Kann Vonn trotz des Handicaps der ganz große Star dieser Olympischen Winterspiele in Italien werden? Erste Voraussetzung ist, dass das Knie hĂ€lt.

Heftiger Sturz am vergangenen Freitag

Sie gebe ihr «Bestes» hatte die 41-JĂ€hrige nach ihrem Sturz im schweizerischen Crans-Montana zuletzt wissen lassen. Die Ski-Welt hatte den Atem angehalten, als die langjĂ€hrige Speed-Queen in der letzten Abfahrt vor den Spielen vom 6. bis 22. Februar zu Fall gekommen und in ein Fangnetz gerauscht war. Vonn war zwar noch auf Skiern ins Ziel gerutscht, anschließend aber per Helikopter abtransportiert worden. Sie sei am linken Knie verletzt, teilte sie daraufhin mit. 

Wie schwer, das verriet sie allerdings erst spÀter. Neben einem Kreuzbandriss habe sie auch Knochenprellungen erlitten, erklÀrte Vonn. Das Knie sei aber nicht geschwollen. Sie sei auch schon wieder etwas Ski gefahren und zuversichtlich. 

Genug Stoff fĂŒr die nĂ€chste mögliche Heldinnen-Story ist also vorhanden. Vonn, die KĂ€mpferin. SchlĂ€gt sie nach ihrem famosen Weltcup-Comeback nun ein weiteres Mal zurĂŒck? Auf der grĂ¶ĂŸten BĂŒhne des Weltsports. HĂ€lt das Knie, ist sie in der Olympia-Abfahrt am Sonntag (11.30 Uhr) zumindest eine Mitfavoritin. Auch Starts im Super-G und in der Team-Kombination schloss sie nicht aus.

Speed-Queen ĂŒberstrahlt sogar Shiffrin

Zwölf Siege hat Vonn in Cortina d'Ampezzo bereits gefeiert. Dass sie die Strecke so gut kenne, gebe ihr Selbstvertrauen, erklĂ€rte sie. Als sie sich im Januar 2002 zum ersten Mal im Weltcup die berĂŒhmte Piste Olimpia delle Tofane hinunterwagte, war so manche ihrer heutigen Konkurrentinnen wie die deutsche HoffnungstrĂ€gerin Emma Aicher (22) noch gar nicht geboren.

2004 raste Vonn als Drittplatzierte bei der Abfahrt in den Dolomiten erstmals auf das Podest. Ein einschneidendes Erlebnis, wie sie berichtete. Ab da sei sie wirklich ĂŒberzeugt gewesen, mit den Besten der Welt mitfahren zu können - und wurde fĂŒr lange Zeit selbst die Beste. Olympia-Gold 2010 in Kanada, zwei WM-Titel, vier Gesamtweltcup-Siege - Vonn, die Dominatorin.

Ihre bislang 84 Weltcup-Erfolge wurden von Landsfrau Mikaela Shiffrin (108) zwar ĂŒbertroffen. Ihre Strahlkraft aber nicht. Vonn, der Superstar. Mehr als 2,5 Millionen Follower bei Instagram, hoch dotierte WerbevertrĂ€ge, eine Titelgeschichte im «Time»-Magazin. Vonn elektrisiert. Und sie polarisiert.

Neureuther schwÀrmt von der «Göttin»

Als sie im Dezember 2024 nach fast sechs Jahren Pause in den Weltcup zurĂŒckkehrte, musste die Amerikanerin viel - und von so manchem Experten durchaus grenzwertige - Kritik einstecken. Belastend sei das gewesen, erklĂ€rte Vonn. Aber auch ein Ansporn. SpĂ€testens als sie im letzten Rennen der Vorsaison in Sun Valley Zweite wurde, war klar: Die Speed-Queen ist zurĂŒck.

Und wie. In diesem Winter prĂ€sentierte sich Vonn, zu deren Trainerstab auch der frĂŒhere norwegische Topfahrer Aksel Lund Svindal gehört, bislang in bestechender Form. In Abfahrt und Super-G raste sie zu zwei Siegen und fĂŒnf weiteren PodestplĂ€tzen. Sie sei eine «Göttin», entfuhr es dem begeisterten Ex-Skistar Felix Neureuther nach Vonns Triumphfahrt in St. Moritz Mitte Dezember.

FĂŒnfte Winterspiele fĂŒr Vonn

Nun, kurz vor der Eröffnung der Spiele am Freitag, also der RĂŒckschlag. Die in ihrer Karriere von vielen Verletzungen geplagte Vonn fĂ€hrt ja ohnehin schon mit einer Teilprothese im Knie. Dem rechten allerdings. Diesmal geht's ums linke. LĂ€sst es ihren Traum vom krönenden Karriereabschluss womöglich platzen?

Sie hĂ€tte ihr viel beachtetes Comeback wohl gar nicht gewagt, wenn die Spiele - es sind bereits ihre fĂŒnften - nicht in Cortina d'Ampezzo stattfinden wĂŒrden, ließ Vonn wissen. Dieser malerische Ort in den Dolomiten sei fĂŒr sie eben ganz speziell, erklĂ€rte die Ă€lteste Weltcup-Siegerin der Alpin-Historie. Irgendetwas ziehe sie immer dorthin zurĂŒck. In diesem Fall womöglich auch ein bisschen Genugtuung. Ganz sicher aber die Gier nach Gold. Und sei es mit kaputtem Knie.

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