Küsschen für die Königin: Curaçao-Torwart Held von Kansas
21.06.2026 - 07:40:31 | dpa.deNach seiner historischen Leistung mit 15 WM-Paraden gab Curaçaos herausragender Torhüter Eloy Room im Überschwang der Gefühle sogar der niederländischen Königin Máxima ein Küsschen. «Máxima hat mich geküsst», sagte Room nach dem 0:0 gegen Ecuador, um sofort von seinem Trainer Dick Advocaat korrigiert zu werden. «Nein, du hast sie geküsst», sagte der Niederländer lachend. «Hoffentlich ist meine Frau nicht hier», antwortete Room mit einem Grinsen.
Den ersten WM-Punkt ihrer Geschichte feierten die Karibik-Kicker erst überschwänglich mit ihren Fans im Stadion und danach ausgelassen mit dem niederländischen Königspaar in der Kabine. König Willem-Alexander und Königin Máxima hatten am Samstag (Ortszeit) zunächst das 5:1 des Oranje-Teams gegen Schweden in Houston bejubelt und waren dann schnell nach Kansas City geflogen. Als König der Niederlande ist Willem-Alexander zugleich Staatsoberhaupt aller Länder des Königreichs - und Curaçao gehört dazu.
«Wir haben in der Kabine getanzt, es war einfach wunderbar», sagte Room und selbst der Trainer-Veteran Advocaat, mit 78 ältester Coach der WM, zeigte sich gerührt. «Zu sehen, wie sie in unsere Kabine gepasst haben, das war unglaublich. Sie haben gelächelt und getanzt. Ihnen war nichts zu viel. Es war einfach wunderbar, das zu sehen», sagte Advocaat.
Room mit Rekord
Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand Room. Was die Ecuadorianer auch versuchten, am 37 Jahre alten Curaçao-Torwart vom US-Zweitligisten Miami FC gab es einfach kein Vorbeikommen. «Ich denke, das war das beste Spiel meiner Karriere», sagte Room, der mit 15 Paraden einen neuen WM-Rekord für Spiele über 90 Minuten aufstellte. Die WM-Bestmarke insgesamt hält der frühere US-Torwart Tim Howard, der bei der WM 2014 beim 1:2 nach Verlängerung 16 Bälle parierte.
«Ich denke, er hat zu Hause auf der Couch gesessen und geschwitzt, als er meine Paraden gesehen hat», sagte Room mit Blick auf Howard. Bereits in der dritten Minute brachte er Ecuadors Torjäger Enner Valencia mit einer ersten Parade zur Verzweiflung. «Der erste gehaltene Ball hat mir und dem Team Selbstvertrauen gegeben», sagte Room, der sich danach von Minute zu Minute weiter steigerte und am Ende schier unüberwindbar war. «Für mich als Torwart war es fast das perfekte Spiel. Ich denke, ich verdiene jetzt eine Statue in Curaçao.»
Wenn man sich die Bilder auf der kleinen Karibik-Insel mit nur etwas mehr als 150.000 Einwohnern nach dem historischen Punktgewinn anschaute, dürfte das nicht ausgeschlossen sein. In der Hauptstadt Willemstad tanzten die Menschen ausgelassen auf den Straßen, bei Instagram explodierte die Follower-Zahl des neuen Nationalhelden. Um Mitternacht Ortszeit waren es bereits 746.000 Menschen, die Room bei Instagram folgten. Während des Spiels waren es noch knapp über 90.000 gewesen.
Room hatte sich vor elf Jahren entschieden, statt für die Niederlande für Curaçao zu spielen. «Viele haben mich damals für verrückt erklärt, aber jetzt stehe ich hier», sagte der Torwart. Schon nach dem 1:7 im ersten Spiel gegen Deutschland hatte sich ein Traum von Room erfüllt, als er sich das Trikot von Manuel Neuer sicherte. In der Vergangenheit hatte er schon einmal das Shirt mit Lionel Messi getauscht. «Jetzt habe ich das Messi-Trikot und das Neuer-Trikot. Mehr kann ich nicht erreichen», sagte die neue Torwart-Ikone.
Vielleicht geht aber sogar noch mehr für Room und The Blue Wave, wie der WM-Neuling wegen seiner blauen Trikots genannt wird. Mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste könnte sogar noch der Sprung in die K.o.-Runde gelingen. Spätestens dann würden sie Room und seinen Teamkollegen ein Denkmal setzen.
