Toronto International Film Festival, Filmpreis Publikumsauszeichnung

Spanisches Drama La Bola Negra gewinnt wichtigsten Publikumspreis beim Filmfest Toronto

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 19:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Beim Toronto International Film Festival hat das spanische Drama «La Bola Negra» den wichtigsten Publikumspreis gewonnen, vor Filmen über Sylvester Stallone und die US-Aktivistin Judy Heumann. Die weiteren Auszeichnungen zeigen die große thematische Bandbreite des Festivals.

Javier Ambrossi (l) und Javier Calvo haben für ihren Film «La Bola Negra» den Publikumspreis beim Toronto International Film Festival gewonnen. Auf diesem Foto sieht man sie in Cannes. (Archivfoto) - Bild: Andreea Alexandru/Invision/AP/dpa
Javier Ambrossi (l) und Javier Calvo haben für ihren Film «La Bola Negra» den Publikumspreis beim Toronto International Film Festival gewonnen. Auf diesem Foto sieht man sie in Cannes. (Archivfoto) - Bild: Andreea Alexandru/Invision/AP/dpa

Das spanische Drama «La Bola Negra» hat beim 51. Toronto International Film Festival (TIFF) den wichtigsten Publikumspreis People’s Choice Award gewonnen.

Spanisches Drama überzeugt Festivalpublikum

Festivalchef Cameron Bailey gab die Entscheidung des Publikums bei einer Preisverleihung am Sonntag bekannt. Der Film der Regisseure Javier Calvo und Javier Ambrossi verwebt die Schicksale dreier Männer in unterschiedlichen Epochen Spaniens, die aufgrund ihrer Homosexualität mit gesellschaftlicher Unterdrückung konfrontiert sind.

Auf Platz zwei des People’s Choice Award kam Peter Farrellys Film «I Play Rocky» über den steinigen Weg Sylvester Stallones zum ersten «Rocky»-Film. Den dritten Platz belegte «Being Heumann» von Oscar-Preisträgerin Siân Heder, deren Film «CODA» bereits international ausgezeichnet wurde. Das Biopic erzählt vom Leben der US-Behindertenrechtsaktivistin Judy Heumann und hatte das Festival eröffnet.

Weitere Publikumspreise für Spielfilme und Dokus

Den International People’s Choice Award gewann «Elsinore» von Regisseur Simon Stone mit Andrew Scott in der Hauptrolle. In der Dokumentarfilm-Sektion erhielt «Darlene Love: I Know Where I’ve Been» von Barry Avrich den Publikumspreis. Die Dokumentation zeichnet die bewegte Karriere der lange unterschätzten Sängerin Darlene Love nach.

In der Midnight-Madness-Reihe zeichnete das Publikum «Ladies and Gentlemen, Brian Mulroney» von Matthew Rankin aus. Damit erhielten in Toronto gleich mehrere Produktionen mit starkem biografischem und politischem Hintergrund eine besondere Würdigung durch die Zuschauer.

Festival setzt auf Vielfalt und Publikumsabstimmung

Während der vergangenen elf Tage präsentierte das TIFF 294 Filme aus 72 Ländern. Anders als bei Festivals wie Cannes, Berlin oder Venedig werden in Toronto die Gewinner nicht von einer Jury bestimmt. Stattdessen stimmen die Festivalbesucherinnen und -besucher über ihre Lieblingsfilme ab und haben damit direkten Einfluss auf die Vergabe der wichtigsten Auszeichnungen.

Bedeutung des Publikumspreises in Toronto

Das Toronto International Film Festival gilt seit Jahrzehnten als eines der wichtigsten Publikumsfestivals weltweit. Der People’s Choice Award hat einen besonderen Ruf als Stimmungsbarometer für kommende Publikumserfolge und preisgekrönte Filme. Mehrfach wurden frühere Gewinner später auch bei großen internationalen Filmpreisen ausgezeichnet, was den Entscheidungen des Publikums zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft.

Starke Rolle gesellschaftlicher Themen

Die Auszeichnung von «La Bola Negra» unterstreicht die anhaltende Bedeutung von Filmen, die sich mit Menschenrechtsfragen und gesellschaftlicher Ausgrenzung auseinandersetzen. Das Drama über die Unterdrückung homosexueller Menschen in verschiedenen Epochen Spaniens knüpft an eine längere Tradition des europäischen Autorenkinos an, das historische Diskriminierung sichtbar macht und in den Kontext aktueller Debatten um Gleichberechtigung und Minderheitenschutz stellt. Auch das Biopic «Being Heumann» über die US-Behindertenrechtsaktivistin Judy Heumann verweist auf den Stellenwert politisch engagierter und inklusiver Erzählungen im Festivalprogramm.

Spannbreite zwischen Autorenkino und Popkultur

Mit dem Erfolg von «I Play Rocky» zeigt das Festival zugleich die Verknüpfung von gesellschaftlich relevanten Stoffen mit populären Figuren der Filmgeschichte. Die Geschichte hinter dem ersten «Rocky»-Film verbindet den Mythos Hollywoods mit Fragen nach Durchhaltewillen und sozialem Aufstieg. Insgesamt spiegelt die Auswahl der prämierten Filme die große Bandbreite des TIFF wider: vom historischen und politischen Drama über dokumentarische Porträts bis hin zu Filmen, die sich mit prägenden Persönlichkeiten der Popkultur beschäftigen. Für das internationale Kinopublikum und die Branche sind die Ergebnisse ein Hinweis darauf, welche Themen und Erzählweisen derzeit besonders Resonanz finden.

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