Demokratische Republik Kongo: Eskalation der Gewalt fĂŒhrt zu Hunger und Flucht / Neun Organisationen fordern schnelles Handeln, um die Not von Millionen Menschen im Osten der DR Kongo zu lindern
25.04.2024 - 11:28:24In Zeiten sinkender Budgets fĂŒr humanitĂ€re Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit sowie weniger Aufmerksamkeit fĂŒr vergessene Krisen fordern die Organisationen action medeor, Aktion gegen den Hunger, CARE, Handicap International, Help - Hilfe zur Selbsthilfe, die Johanniter-Auslandshilfe, Malteser International, Welthungerhilfe und World Vision ein schnelles Handeln der internationalen Gemeinschaft. Der Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz muss fĂŒr die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo sichergestellt sein, die Ausweitung der gewalttĂ€tigen Konflikte auf NachbarlĂ€nder verhindert werden. HierfĂŒr sind ein Waffenstillstand, ein sicherer humanitĂ€rer Zugang zu den Notleidenden und eine Entmilitarisierung der Vertriebenengebiete, essentiell. Ebenso wichtig ist die kurzfristige Aufstockung finanzieller Mittel, um die humanitĂ€ren Bedarfe decken zu können. Denn neben der akuten Bedrohung erleben die Menschen seit Jahren eine der gröĂten Hungerkrisen der Welt. Diese Krise könnte sich in Nord-Kivu weiter zuspitzen, warnen die Organisationen.
UnterernÀhrung und Durchfallerkrankungen breiten sich bedrohlich aus
"Die Lage im Kongo ist dramatisch: Allein in der GroĂstadt Goma verzeichnen wir derzeit ĂŒber eine Million FlĂŒchtlinge," sagt Christoph van Edig, Programmkoordinator fĂŒr den Kongo bei Help. Die Menschen leben in provisorischen Camps mit oft mangelnder Infrastruktur. So gibt es deutlich zu wenig sauberes Wasser und sanitĂ€re Anlagen, wodurch sich Durchfallerkrankungen, Cholera und MangelernĂ€hrung ausbreiten. Die Organisationen Help und action medeor sind hier tĂ€tig und helfen mit Desinfektionsmitteln, Hygiene-Kits, Durchfallmedikamenten und dem Bau von sanitĂ€ren Anlagen dabei, Krankheiten wie Cholera zu verhindern oder einzudĂ€mmen.
Auch die Johanniter sind in den Camps mit mobilen Kliniken im Einsatz, um Verletzte und Kranke zu versorgen. "Unser Partner berichtet von Patientinnen und Patienten mit schweren Verletzungen, die hauptsĂ€chlich durch GewehrschĂŒsse und Bomben verursacht wurden", sagt Anthonin Ngarukiye, Johanniter-LĂ€nderbĂŒroleiter.
World Vision und CARE haben vor allem Frauen und Kinder im Blick. Denn rund 1,1 Millionen Kinder unter fĂŒnf Jahren und 605.000 schwangere und stillende Frauen sind akut unterernĂ€hrt. "Die Anzahl der aufgenommenen, stark mangelernĂ€hrten Kinder unter fĂŒnf Jahren hat sich in unseren Zentren seit November 2023 vervierfacht. Im Februar verzeichneten wir bis zu 10 neue FĂ€lle von Kindern mit schwerer akuter MangelernĂ€hrung pro Tag", berichtet auch Florian Monnerie, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger.
Hinzu kommt, dass Frauen und MĂ€dchen auf der Flucht oftmals dem Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sind. "Das Trauma, mit dem die gefĂ€hrdeten Kinder und Familien konfrontiert sind, erfordert MaĂnahmen und gröĂere UnterstĂŒtzung", berichtet David Munkley, BĂŒrochef von World Vision in Goma. World Vision und CARE leisten hier lebenswichtige Hilfe, trotz der anhaltenden FragilitĂ€t, der Gewalt und der Schwierigkeiten beim Zugang.
Gefahr eines FlĂ€chenbrandes fĂŒr die Region
Zugang zu den Menschen auĂerhalb Gomas ist seit dem erneuten Aufflammen der Gewalt nur eingeschrĂ€nkt möglich. Wichtige StraĂen sind regelmĂ€Ăig durch die KĂ€mpfe zwischen bewaffneten Gruppen blockiert, wodurch auch humanitĂ€re Hilfslieferungen nicht möglich sind. "Wir fordern, dass die Durchreise und der ungehinderte Zugang fĂŒr das humanitĂ€re Personal gewĂ€hrleistet und der zivile Status der Gebiete, wo GeflĂŒchtete leben, respektiert werden," sagt Dr. Inez Kipfer-Didavi, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Handicap International Deutschland (HI). HI transportiert lebenswichtige GĂŒter fĂŒr insgesamt 12 Hilfsorganisationen, die in der DR Kongo tĂ€tig sind.
Hier setzt auch die Welthungerhilfe an, die nicht nur BinnenflĂŒchtlinge in Goma, sondern auch die unzĂ€hligen lĂ€ndlichen Gastfamilien und -gemeinden unterstĂŒtzt. Der Landesdirektor der Welthungerhilfe, Manfred Bischofberger, sagt dazu, "gerade die Gastfamilien und -gemeinden haben eine SchlĂŒsselrolle bei der Aufnahme der Vertriebenen. Sie brauchen unsere gröĂte Aufmerksamkeit und UnterstĂŒtzung, sonst setzt sich die humanitĂ€re Krise wie ein FlĂ€chenbrand in den Gebieten fort, die Schutz bieten können".
So wird beispielsweise die Situation in der benachbarten Provinz Ituri zunehmend schwieriger. Seit Beginn des Jahres wurden bereits mehr als 200 gewalttĂ€tige Ăbergriffe gemeldet. Allein in Ituri leben derzeit rund 1,6 Millionen Menschen auf der Flucht. "Wir haben an die GeflĂŒchteten Bargeld, Matratzen und Decken verteilt, stĂ€rken derzeit vor allem die medizinische Versorgung und werden ab Mai mangelernĂ€hrte Kinder unter anderem mit Notfallnahrungsmitteln versorgt", sagt Johannes Schildknecht, Referent fĂŒr die DR Kongo bei Malteser International.
Hinweis an Redaktionen:
Mitarbeitende der Hilfsorganisationen in der DR Kongo stehen fĂŒr Interviews zur VerfĂŒgung. Foto- und Videomaterial kann zur VerfĂŒgung gestellt werden.
Pressekontakt:
AnsprechpartnerInnen fĂŒr die Redaktionen:
action medeor: Dr. Markus Bremers, Pressesprecher, [email protected], Tel +02156-9788178
Aktion gegen den Hunger: Vassilios Saroglou, Leitung Presse und Kommunikation, [email protected], 030 279 099 776
CARE: Kerstin Bandsom, Leitung Kommunikation, [email protected], Tel.: +49 170 7448 600
Handicap International e.V.: Huberta von Roedern, Leiterin Presse- und Ăffentlichkeitsarbeit, [email protected], Tel: 0151 - 73 02 32 06
Help - Hilfe zur Selbsthilfe: Sandra Schiller, Pressesprecherin, [email protected], Tel.: 0173 - 2790 438
Johanniter-Auslandshilfe: Sandra Lorenz, Leitung Kommunikation, [email protected], Tel.: 0172 - 563 87 40
Malteser International: Katharina Kiecol, Pressereferentin, [email protected], 0221-98227 181
Welthungerhilfe: Simone Pott, Leiterin der Kommunikationsabteilung
[email protected], Tel: 0178-3700129
World Vision: Dirk Bathe, Pressesprecher, [email protected], Tel: 0175 - 187 95 25
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