Bischof BÀtzing beendet SolidaritÀtsbesuch im Heiligen Land
30.12.2025 - 14:30:00Der 7. Oktober 2023 sei ein fundamentaler Einschnitt fĂŒr Israel und den gesamten Nahen Osten gewesen. "Nach wie vor ist das israelische Kollektiv zutiefst erschĂŒttert und die palĂ€stinensische Seite - gerade in Gaza angesichts des dort existenten Elends - verbittert. Ich habe bei meiner Reise eine Region erlebt, deren Gesellschaften traumatisiert, ja innerlich verwĂŒstet sind. Beide haben ihre Empathie-FĂ€higkeit fĂŒr den jeweils anderen massiv eingebĂŒĂt", so Bischof BĂ€tzing. Die meisten Israelis seien von dem Leid, das die Massaker der Hamas verursacht haben, ganz und gar ĂŒberwĂ€ltigt. Viele PalĂ€stinenser wiederum stĂŒnden unter dem Eindruck des brutalen Gaza-Kriegs und der Gewalttaten extremistischer Siedler, die die Bewohner des besetzten Westjordanlandes erlebten.
"Die Zwei-Staaten-Lösung ist zwar immer wieder als Perspektive genannt worden, wonach hier zwei Völker existieren, die einen Weg zu- und miteinander finden mĂŒssen. Es braucht zur Realisierung aber eine internationale UnterstĂŒtzung - insbesondere aus Europa, das von einem Teil meiner GesprĂ€chspartner als sehr schwach eingeschĂ€tzt wurde", so Bischof BĂ€tzing. Er fĂŒgte hinzu: "Was bringt eine Zwei-Staaten-Lösung, wenn zwei Völker weiter gegeneinander kĂ€mpfen? Frieden kann nur gewonnen werden, wenn er in den Herzen und Köpfen der Menschen Wurzeln geschlagen hat. Was mich hoffnungsfroh stimmt: Der Schrei nach Frieden ist im Heiligen Land unĂŒberhörbar. Und die TrĂ€nen derer, die unter der aktuellen Situation leiden, unĂŒbersehbar. Deshalb muss die Verpflichtung zum Frieden unumkehrbar sein. DafĂŒr wollen wir uns auch als Kirche weiterhin einsetzen."
WĂ€hrend seiner Reise traf Bischof BĂ€tzing unter anderem mit den diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland in Israel und den PalĂ€stinensischen Autonomiegebieten zusammen. Im FlĂŒchtlingscamp Dheihseh bei Bethlehem machte er sich ein Bild von der aktuellen Situation der palĂ€stinensischen Bevölkerung. Beim Besuch auf dem Nova-Festival-GelĂ€nde, wo eines der Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 stattfand, gewann der Bischof einen Eindruck von der individuellen und gesellschaftlichen Trauerkultur in Israel, die ihn angesichts der AusmaĂe und der KaltblĂŒtigkeit des Terrors erneut erschĂŒtterte. Beim Austausch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen wie "Rabbis for Human Rights", dem "Rossing Centre for Education and Dialogue" sowie der "Alliance for Middle East Peace" konnten die Konfliktlinien und innergesellschaftlichen Frustrationen auf beiden Seiten beleuchtet werden.
Bereits am ersten Tag des Aufenthaltes war Bischof BĂ€tzing in Yad Vashem zu Gast und hatte dort der Opfer des Holocaust gedacht. Im GesprĂ€ch mit dem Oberrabbiner der jĂŒdischen HeiligtĂŒmer von Jerusalem, Shmuel Rabinovitch, und dem Leiter der muslimischen Waqf-Behörde, Scheich Azzam Khatib, sowie christlichen ReprĂ€sentanten war ĂŒbereinstimmend das positive Potenzial von Religionen in der Region unterstrichen worden: "Dabei haben mir alle deutlich gemacht, dass sich die Religionen gegen politische Instrumentalisierung des Glaubens wehren mĂŒssen. FĂŒr jede Religion muss gelten, dass sie den Namen Gottes nicht zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht." WĂ€hrend des Besuchs auf dem muslimischen Heiligtum des Haram ash-Sharif und des Felsendoms konnte sich Bischof BĂ€tzing von der langen islamischen Tradition in Jerusalem ein Bild machen, beim Besuch der Westmauer (Klagemauer) von der ĂŒber dreitausendjĂ€hrigen Geschichte des Judentums. "FĂŒr mich sind Religionen BrĂŒckenbauer des Friedens. Jede Religion kann dabei aus ihrer eigenen Theologie, Geschichte und Erfahrung argumentieren. Am Ende geht es aber darum, Gott zu erkennen und sich als Religion zum Wohl der Menschheit - und zwar der gesamten Menschheit und aller Völker - einzusetzen", so Bischof BĂ€tzing. Die dicht beieinander liegenden HeiligtĂŒmer der drei groĂen monotheistischen Religionen in Jerusalem unterstreichen deren Friedensverpflichtung: "Wir mĂŒssen uns als Verantwortliche in den Religionen dafĂŒr einsetzen, dass weder Extremismus noch das Aberkennen der Existenz des anderen gerechtfertigt ist. Deshalb ist jede Form der Gewalt oder VerĂ€chtlichmachung gegen eine Religion entschieden abzulehnen - im Heiligen Land und auch bei uns in Deutschland."
Ein wesentlicher Aspekt der Reise war die SolidaritĂ€t mit den christlichen Konfessionen im Heiligen Land. Bei GesprĂ€chen unter anderem mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Adolfo Tito Yllana, und dem evangelischen Propst, Joachim Lenz, wurde eine aktuelle Bestandsaufnahme der tĂ€glichen Herausforderungen christlicher Existenz unternommen, die sich immer wieder Anfeindungen ausgesetzt sieht. Dazu trug auch das Treffen mit Studierenden des ökumenischen Theologischen Studienjahres an der Dormitio-Abtei bei, in dem Abt Dr. Nikodemus Schnabel OSB Perspektiven der friedlichen interreligiösen Koexistenz aufzeigte. Beim Besuch im katholischen Waisenhaus der CrĂšche in Bethlehem wurde das auĂerordentliche Engagement der Kirche fĂŒr die palĂ€stinensische Gesellschaft deutlich. Hier werden jeweils 50 elternlose Kinder mehrere Jahre betreut, die oft zufĂ€llig von den Ordensschwestern gefunden werden. So wird den Waisen wenigstens fĂŒr die Jahre in der CrĂšche eine Perspektive der Hoffnung aus christlicher Sicht vermittelt. "Dieses Engagement der Christen ist fĂŒr die PalĂ€stinenser - und zwar weit ĂŒber jede Religionsgrenze hinaus - unverzichtbar, obwohl die palĂ€stinensische Verwaltung die Ordensschwestern finanziell nicht unterstĂŒtzt", betonte Bischof BĂ€tzing.
Das Miteinander der Christen in einem muslimischen Umfeld hob auch der BĂŒrgermeister von Bethlehem, Maher Nicola Canawati, hervor. Er berichtete, dass 70 Prozent der Teilnehmer an den jĂŒngsten Weihnachtsfeierlichkeiten Muslime gewesen seien. "So wird deutlich, dass das Christentum, trotz seiner extremen Minderheit von unter zwei Prozent der Bevölkerung, in der Gesellschaft verankert ist und Anerkennung findet. Die Christen, die ich getroffen habe, machten mir klar, dass sie im Land bleiben wollen, um ihren Beitrag fĂŒr die Zivilgesellschaft zu leisten", so Bischof BĂ€tzing. Er wĂŒrdigte auĂerdem die Arbeit christlicher Hilfsorganisationen im Heiligen Land, ohne die die Aufbauarbeit - besonders im schulischen Bereich und fĂŒr FlĂŒchtlinge - undenkbar wĂ€re.
Zum Abschluss der Reise betonte Bischof BĂ€tzing: "Wir haben Menschen, gerade im christlichen Umfeld, kennengelernt, die mit tiefer Ăberzeugung der belastenden Situation standhalten. So gelingt es ihnen, dass sie - trotz aller Widrigkeiten - ein Beispiel der Hoffnung fĂŒr andere sind. Auch viele Kinder, deren Horizont noch nicht durch Ă€uĂere VerwĂŒstung und innere Traumatisierung gĂ€nzlich verdunkelt ist, zeigen fĂŒr Erwachsene Wege aus der sprichwörtlichen Ausweglosigkeit auf. Um wie viel Ă€rmer wĂ€re die Welt im Nahen Osten, wenn es diese Menschen - ĂŒber Generationen hinweg - nicht gĂ€be? Trotz aller Beklemmung fahre ich mit einem GefĂŒhl nach Hause, dass es eine Hoffnung wider alle Hoffnungslosigkeit gibt."
Hinweise:
Kostenfreies Fotomaterial der Reise ist in der DBK-Mediendatenbank unter Angabe des Copyrights © Deutsche Bischofskonferenz/Matthias Kopp verfĂŒgbar.
Weitere Informationen zur Reise sowie die Auftakt-Pressemeldung insbesondere zum Besuch in Yad Vashem finden Sie unter www.dbk.de auf der Themenseite Bischof BĂ€tzing im Heiligen Land.
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Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
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