Christinnen und Christen fĂŒr Europa
13.02.2026 - 10:00:15"Es ist schön, Pilger der Hoffnung zu werden. Und es ist schön, dies weiterhin gemeinsam zu sein!" Dies ist die Einladung, die Papst Leo XIV. zum Abschluss des JubilÀums der Hoffnung an uns als ganze Kirche richtet, damit "die Zeit, die sich öffnet, eine Morgenröte der Hoffnung ist".
Als Vorsitzende mehrerer europĂ€ischer Bischofskonferenzen fĂŒhlen wir uns verantwortlich, die Einladung des Papstes aufzugreifen und sie zu teilen. Wir leben in einer Welt, die von Kriegen und Gewalt zerrissen und polarisiert ist. Viele unserer MitbĂŒrger sind verĂ€ngstigt und orientierungslos. Die internationale Ordnung wird untergraben. In dieser Situation muss Europa seine Seele wiederfinden, um der Welt seinen unverzichtbaren Beitrag zum "Gemeinwohl" anzubieten. Wir können dies erreichen, indem wir uns darauf besinnen, was zur GrĂŒndung Europas beigetragen hat.
Historisch gesehen war das Christentum nach den hellenistischen und römischen Zivilisationen eine der wichtigsten Grundlagen unseres Kontinents. Es hat zu einem groĂen Teil das Gesicht eines humanistischen, solidarischen und weltoffenen Europas geprĂ€gt.
Heute leben wir in einem pluralistischen Europa, das von Sprachenvielfalt, regionalen kulturellen Unterschieden und zahlreichen religiösen und spirituellen Strömungen geprĂ€gt ist. Zwar sind die Christen weniger zahlreich, doch das hindert sie nicht daran, sich mit Mut und Ausdauer auf das zu besinnen, was ihre Hoffnung begrĂŒndet.
Nach dem Ende eines verheerenden Krieges, in dem Millionen Menschen aus rassistischen, religiösen und GrĂŒnden der eigenen Persönlichkeit ausgelöscht wurden, ist die Dringlichkeit, eine neue Welt aufzubauen, immer offensichtlicher geworden. Viele katholische Laien sahen Europa entschlossen als gemeinsames Haus an und setzten sich fĂŒr die Entwicklung einer neuen internationalen Ordnung ein, insbesondere durch die GrĂŒndung der Vereinten Nationen. Das Ziel war die Verwirklichung einer versöhnten Gesellschaft, die als Konvergenzpunkt und als Garantie fĂŒr die gegenseitige Achtung der jeweiligen Besonderheiten, als Bollwerk der Freiheit, Gleichheit und des Friedens verstanden wurde.
In der ErklĂ€rung, die zur GrĂŒndung der EGKS (EuropĂ€ische Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl), dem ersten Schritt auf dem Weg zur EuropĂ€ische Union, gefĂŒhrt hat, stellten deren Verfasser vorausschauend fest: "Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa zur Zivilisation leisten kann, ist fĂŒr die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen unerlĂ€sslich. Europa kann nicht auf einmal geschaffen werden, und es wird auch nicht auf einmal aufgebaut werden; es wird aus konkreten Errungenschaften hervorgehen, die zunĂ€chst eine SolidaritĂ€t der Tat schaffen." Die GrĂŒndervĂ€ter Europas, Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi, wurden von ihrem christlichen Glauben inspiriert und waren keine naiven TrĂ€umer, sondern die Architekten eines groĂartigen, aber zerbrechlichen GebĂ€udes. Papst Johannes Paul II. sagte mehrfach, wenn er an die Rolle der Christen beim Aufbau Europas erinnerte: "Weil sie Christus liebten, liebten sie auch die Menschen und waren bestrebt, sie zu vereinen."
Konrad Adenauer erklĂ€rte am 25. MĂ€rz 1957 in seiner Rede anlĂ€sslich der VertrĂ€ge zur GrĂŒndung der EWG (EuropĂ€ische Wirtschaftsgemeinschaft) und der EAG (EuropĂ€ische Atomgemeinschaft): "Noch vor Kurzem gab es viele, die das Abkommen, das wir heute offiziell festschreiben, fĂŒr undurchfĂŒhrbar hielten [...]. Wir wissen, wie ernst unsere Lage ist, die nur durch die Einigung Europas behoben werden kann; wir wissen auch, dass unsere PlĂ€ne nicht eigennĂŒtzig sind, sondern dem Wohl der ganzen Welt dienen sollen. Die EuropĂ€ische Gemeinschaft verfolgt ausschlieĂlich friedliche Ziele und richtet sich gegen niemanden [...]. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen fĂŒr den Fortschritt in Frieden zu arbeiten."
Die mörderische Tragödie des Zweiten Weltkriegs warnte die GrĂŒndergeneration Europas vor der Versuchung totalitĂ€rer Regime, die sich auf den Nationalismus stĂŒtzen, um Hegemonieziele zu verfolgen, und deren Ergebnis nur Krieg sein kann. "Der ĂŒbersteigerte Nationalismus ist eine Form der Vergötterung: Er setzt die Nation an die Stelle Gottes und gegen den Menschen", sagte Alcide De Gasperi und fĂŒgte hinzu: "Ein vereintes Europa wird nicht gegen die HeimatlĂ€nder geboren, sondern gegen die Nationalismen, die sie zerstört haben."
Europa darf sich nicht allein auf einen Wirtschafts- und Finanzmarkt reduzieren, da sonst die ursprĂŒngliche Intuition der GrĂŒndervĂ€ter verfehlt wĂŒrde. Unter Achtung der Rechtsstaatlichkeit und unter Ablehnung der ausschlieĂlichen Logik von RĂŒckzug und Gewalt wird es sich fĂŒr eine supranationale Lösung von Konflikten entscheiden, indem es geeignete Mechanismen und Allianzen wĂ€hlt. Es muss immer bereit sein, den Dialog auch im Konfliktfall wieder aufzunehmen und Versöhnung und Frieden anstreben. Europa ist aufgerufen, nach BĂŒndnissen zu suchen, die die Voraussetzungen fĂŒr eine echte SolidaritĂ€t zwischen den Völkern schaffen.
Trotz der vielen europaskeptischen Bewegungen in den einzelnen europĂ€ischen LĂ€ndern haben die EuropĂ€er gerade mit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine stĂ€rker zueinander gefunden. Ein internationaler Rahmen stirbt und ein neuer ist noch nicht geboren. Papst Franziskus war sich bewusst, dass wir uns in einem Epochenwechsel befinden und definierte ihn wie folgt: "Im vergangenen Jahrhundert hat es der Menschheit bewiesen, dass ein neuer Anfang möglich war: Nach Jahren tragischer Auseinandersetzungen, die im furchtbarsten Krieg, an den man sich erinnert, gipfelten, entstand mit der Gnade Gottes etwas in der Geschichte noch nie dagewesenes Neues [...]. Nach vielen Teilungen fand Europa endlich sich selbst und begann sein Haus zu bauen [...]. Am WiederaufblĂŒhen eines zwar mĂŒden, aber immer noch an Energien und KapazitĂ€ten reichen Europas kann und soll die Kirche mitwirken. Ihre Aufgabe fĂ€llt mit ihrer Mission zusammen, der VerkĂŒndigung des Evangeliums. Diese zeigt sich heute mehr denn je vor allem dahin, dass wir dem Menschen mit seinen Verletzungen entgegenkommen, indem wir ihm die starke und zugleich schlichte Gegenwart Christi bringen, seine tröstende und ermutigende Barmherzigkeit." (Rede anlĂ€sslich der Verleihung des Karlspreises, 6. Mai 2016)
Die Welt braucht Europa. Das ist die Dringlichkeit, die die Christen verinnerlichen mĂŒssen, um sich dort, wo sie stehen, entschlossen fĂŒr seine Zukunft einsetzen zu können, mit demselben klaren Bewusstsein, das die GrĂŒndervĂ€ter hatten. "Wenn Politik als uneigennĂŒtziges Engagement im Dienst der Stadt, im Dienst des Menschen gelebt wird, kann sie zu einem Engagement der Liebe gegenĂŒber dem Mitmenschen werden", erklĂ€rte Robert Schuman. Im Namen ihres Glaubens sind die Christen eingeladen, mit allen Bewohnern des europĂ€ischen Kontinents ihre Hoffnung auf eine universelle BrĂŒderlichkeit zu teilen.
Paris, Rom, Warschau, Bonn am 13. Februar 2026
Kardinal Jean-Marc Aveline, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz
Kardinal Matteo Maria Zuppi, Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz
Erzbischof Tadeusz Wojda, Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz
Bischof Dr. Georg BĂ€tzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
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