Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Gestrandeter Buckelwal hat Wasser in der Lunge

13.04.2026 - 18:45:43 | dpa.de

Das Schicksal des vor Poel gestrandeten Buckelwals beschÀftigt viele Menschen. Gesundheitlich ist der MeeressÀuger in schlechtem Zustand, atmet aber noch. Auch ein Gericht befasst sich mit dem Thema.

  • FĂŒr den Wal scheint es keine Hoffnung mehr zu geben. - Foto: Bodo Marks/dpa
  • Der Zustand des gestrandeten Wals vor der Insel Poel ist unverĂ€ndert. (Archivbild) - Foto: Marcus Golejewski/dpa
FĂŒr den Wal scheint es keine Hoffnung mehr zu geben. - Foto: Bodo Marks/dpa Der Zustand des gestrandeten Wals vor der Insel Poel ist unverĂ€ndert. (Archivbild) - Foto: Marcus Golejewski/dpa

Dem vor der Ostsee-Insel Poel gestrandeten Wal geht es nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium zusehends schlechter. «Inzwischen gehen unsere wissenschaftlichen Berater davon aus, dass sich Wasser in der Lunge des Wals sammelt», teilte Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit. Dies sei ein Hinweis, dass seine Organe schwer geschĂ€digt seien. «Dies mitansehen zu mĂŒssen, fĂ€llt allen Beteiligten schwer.» Bereits vor einigen Tagen war laut Backhaus festgestellt worden, dass sich die Atmung des Tieres verĂ€ndert hatte.

Am Wochenende hatte es einen erneuten Rettungsversuch gegeben, der erfolglos blieb. Es wurde versucht, den Wal zu ermutigen, sich selbst zu befreien, indem die eigenen WalgesÀnge des Tiers unter Wasser abgespielt wurden. Hintergrund war, dass der Wal in den NÀchten zuvor starke WalgesÀnge von sich gegeben hatte.

Der kranke und geschwÀchte Buckelwal liegt bereits seit dem 31. MÀrz in der Wismarbucht. Die letzten Rettungsversuche wurden am 1. April aufgrund des Gesundheitszustandes des Tiers eingestellt, um den Wal in Frieden gehen zu lassen, wie der Minister mitteilte.

Eilverfahren am Vewaltungsgericht

Private Initiativen zu möglichen Rettungsmaßnahmen fĂŒr den Wal scheiterten bislang vor dem Schweriner Verwaltungsgericht. Drei Eilverfahren waren nach Angaben des Gerichts am Montagnachmittag noch offen.

Der Antrag einer Organisation, der darauf abzielte, unverzĂŒglich alle geeigneten und erforderlichen Maßnahmen einzuleiten, um den Wal zu retten, wurde mit Beschluss vom vergangenen Freitag (10. April) abgelehnt, so eine Gerichtssprecherin. FĂŒr die Organisation komme die Erhebung einer tierschutzrechtlichen Verbandsklage mangels gesetzlicher Grundlage nicht in Betracht.

Es habe zudem bis zum vergangenen Freitag sieben weitere den Wal betreffende Verfahren von Privatpersonen gegeben, die abgelehnt wurden. BegrĂŒndet wurde die jeweilige Ablehnung mit der UnzulĂ€ssigkeit des Antrags mangels Antragsbefugnis. Das heißt, dass dem Antragsteller kein Anspruch auf die begehrte behördliche Maßnahme zusteht.

Minister: Keine Pflicht alles zu tun, um Wal zu retten

Backhaus beklagte «wĂŒste Verschwörungstheorien» im Internet. «In der ohnehin schon aufgeheizten Lage ist solche Stimmungsmache wenig hilfreich», erklĂ€rte er. «Wir haben daher eine Liste von juristischen Falschbehauptungen erarbeitet und die Aussagen richtiggestellt. Vielleicht hilft das, damit die Menschen nicht aufgrund von Fakenews Strafanzeigen stellen, die keine Aussicht auf Erfolg haben und nur die Behörden behindern.»

So sei es nicht richtig, dass das Land verpflichtet sei, alles zu tun, um den Wal zu retten. Eine solche Pflicht bestehe nicht. Das Grundgesetz verpflichte den Staat zwar zum Schutz der Tiere, dies sei aber eine Staatszielbestimmung und begrĂŒnde keine konkrete Handlungspflicht im Einzelfall. «Auch aus Tierschutz- und Artenschutzrecht gibt es keine Handlungspflicht bei Wildtieren in der Wildnis.»

Auch sei nicht richtig, dass es ein Verstoß gegen den Tierschutz sei, wenn nichts unternommen werde. Backhaus: «Es ist verboten, einem Tier ohne vernĂŒnftigen Grund Schmerzen, Leiden oder SchĂ€den zuzufĂŒgen. Das bedeutet: Ein Eingreifen ist nur zulĂ€ssig, wenn es dem Tier tatsĂ€chlich hilft.» Maßnahmen ohne Erfolgsaussicht, die zusĂ€tzliches Leid verursachten, seien rechtswidrig.

Steinmeier interessiert sich fĂŒr gestrandeten Wal

Auch das deutsche Staatsoberhaupt will sich ĂŒber den gestrandeten Buckelwal informieren. Im Rahmen eines ohnehin geplanten Besuchs des Ozeaneums in Stralsund plant BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag einen Austausch mit Experten ĂŒber den Wal, wie das BundesprĂ€sidialamt mitteilte.

Steinmeier fĂŒhrt seine AmtsgeschĂ€fte diese Woche drei Tage lang von Stralsund aus als 18. Station der Reihe Ortszeit Deutschland, mit der der BundesprĂ€sident EindrĂŒcke abseits der Metropolen sammeln will.

Dazu sind in und um Stralsund GesprĂ€che und Besuche verschiedener Einrichtungen geplant. Zum Abschluss soll Steinmeier am letzten Tag nach einem Rundgang durch das Ozeaneum dort engagierten BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern aus Mecklenburg-Vorpommern den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verleihen. Das Ozeaneum ist eines der Museumsstandorte der Stiftung Deutsches Meeresmuseum, deren Experten eng in die Bewertung der Lage des gestrandeten Wals eingebunden sind.

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