«The Crown» geht in die letzte Staffel
17.11.2023 - 09:22:10 | dpa.deAusgerechnet als Lady Diana fĂŒr ihr Hilfsprojekt in Bosnien durch ein Landminen-Feld geht, platzt in London die Bombe: Paparazzi-Fotos zeigen 1997 die Princess of Wales beim Flirt mit dem Kaufhaus-Erben Dodi Al-Fayed, sie tauschen ZĂ€rtlichkeiten und KĂŒsse aus auf einer Yacht vor der CĂŽte d'Azur. Die nichtsahnende Di muss die Pressekonferenz zu Minenopfern abbrechen. Alle wollen nur wissen, ob der Liebhaber gut kĂŒsst und was William und Harry von ihm halten.
Die sechste und letzte Staffel der epischen Netflix-Serie «The Crown» zeigt zu Beginn, wie die «Persona non grata» mit der blonden Kurzhaarfrisur mehr als je zuvor in die MĂŒhlen der internationalen Boulevardpresse gerĂ€t. «Man könnte mit ihr Mitleid haben, wenn man nicht so wĂŒtend wĂ€re», seufzt Queen Elizabeth II.. Das allzu bekannte Ende von Diana, Königin der Herzen, schwebt von den ersten Minuten an wie ein Damoklesschwert ĂŒber der Geschichte.
Das «Annus horribilis» 1992
Begonnen hatte die seit 2016 ausgestrahlte Serie mit der Hochzeit von Elizabeth und ihrem Prinzen Philip im Jahr 1947. Es folgten der frĂŒhe Tod ihres Vaters, Georg VI., der sie zur blutjungen Monarchin machte, die SkandĂ€lchen um ihre Schwester Margaret, die Thatcher-Jahre, der Falkland-Krieg, das «Annus horribilis» 1992. Kurz: Ereignisse, die fĂŒr einen GroĂteil des Netflix-Publikums von heute eher historisch sind, nicht unbedingt ein Teil ihrer eigenen Lebenswelt.
Das Ă€ndert sich spĂ€testens jetzt: Denn mit der finalen Staffel kommt die Serie ums britische Königshaus unter Elizabeth II. endgĂŒltig in einer Zeit an, die zumindest alle jenseits der 35 noch gut im GedĂ€chtnis haben sollten. Im Zentrum dĂŒrfte eins der gröĂten medialen Ereignisse der vergangenen 30 Jahre stehen: Der Tod von Prinzessin Diana in einem Pariser Autotunnel auf der Flucht vor Paparazzi.
Die tagelange, öffentliche Trauer (nicht nur) der Briten vor Palastmauern. Die erschĂŒtterten jungen Prinzen William und Harry, die bei den groĂen Trauerfeierlichkeiten hinter dem Sarg ihrer Mutter marschierten. All das ist sehr vielen Menschen nicht in erster Linie aus Geschichts-Dokumentationen bekannt, sondern aus stundenlangen Live-Ăbertragungen im Fernsehen, Sonderausgaben von Boulevard-Titeln - und nicht zuletzt auch aus Harrys schlagzeilentrĂ€chtiger Biografie «Spare», die Anfang des Jahres einige Aufregung ausgelöst hat.
Imelda Staunton spielt erneut die Queen
Eine deutlich jĂŒngere Version von Harry wird in der neuen Staffel, deren erste vier Folgen am 16. November starten sollen, gespielt von Fflyn Edwards. Seinen Bruder William spielt erst Rufus Kampa und im zweiten Teil der Staffel, der dann ab dem 14. Dezember zu sehen sein soll, Ed McVey. Dass auch Williams heutige Frau Kate Middleton (Meg Bellamy) und ihre Schwester Pippa vorkommen, zeigt, wie sehr sich die Serie nun dem popkulturellen GedĂ€chtnis nĂ€hert.
Inhaltlich soll die Staffel die Jahre 1997 bis 2005 umfassen und damit nicht nur den tödlichen Unfall von Diana und den Umgang der Königsfamilie damit, sondern auch Elizabeths Goldenes ThronjubilÀum 2002 und die Hochzeit von Charles und Camilla drei Jahre spÀter.
Diana wird auch in Staffel sechs der preisgekrönten Serie, die mehrere Emmys und Golden Globes bekam, wieder gespielt von Elizabeth Debicki, die den typisch-verhuschten Seitenblick der frĂŒheren Princess of Wales perfektioniert hat. Ihr Partner Dodi Al-Fayed, an dessen Seite sie starb, wird gespielt von Khalid Abdalla.
Die alternde Queen spielt erneut die als fiese Schulleiterin Umbridge aus den Harry-Potter-Filmen bekannte Imelda Staunton. Dominic West (passenderweise bekannt aus der Serie «The Affair») spielt wieder Charles und Olivia Williams dessen zweite Frau Camilla Parker Bowles.
Auf das Ende des Windsor-Epos darf man gespannt sein. Serien-Autor Peter Morgan sagte dazu im Interview der Zeitschrift «Variety», er habe mit Blick auf die Queen fĂŒr die letzte Folge «einen Weg gesucht, ihren Tod anklingen zu lassen, obwohl sie zum Zeitpunkt der Handlung noch nicht tot ist». Schon zu Beginn der Staffel sagt ein treu royalistischer Hoffotograf in bangen Worten ĂŒber das Staatsoberhaupt: «Wenn sie eines Tages nicht mehr leben wird, wird sie uns fehlen.»
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