Der «gröĂte Deal»: Das bedeutet die Einigung im Zollstreit
27.07.2025 - 20:58:23Donald Trump und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen saĂen eintrĂ€chtig nebeneinander, als sie das Ende des monatelangen Zollstreits verkĂŒndeten. «Es ist ein riesiger Deal mit vielen LĂ€ndern», sagte Trump im groĂen Saal seines schottischen Golfresorts. «Ich glaube, das ist der gröĂte Deal, der jemals gemacht wurde.» Die Mitarbeiter beider Seiten applaudierten.
Das bedeutet die Einigung, die Europa und die USA laut Trump «nÀher zusammenbringen» wird:
Worauf haben sich die EU und die USA geeinigt?
Die zum 1. August angedrohten Zölle in Höhe von 30 Prozent auf die Einfuhr europĂ€ischer Produkte sind abgewendet. Stattdessen soll es einen Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent auf die meisten Produkte geben. Das gilt laut von der Leyen auch fĂŒr die Autos, Halbleiter und Pharmaprodukte. Die Einigung schaffe einen Rahmen fĂŒr die zukĂŒnftige Senkung der Zölle auf weitere Produkte.Â
Gab es weitere ZugestÀndnisse von EU-Seite?
Die EU sichert nach Angaben von Trump zu, Energie im Wert von 750?Milliarden US-Dollar zu kaufen und zusĂ€tzlich 600 Milliarden?US-Dollar in die USA zu investieren. Auch mehr RĂŒstungsgeschĂ€fte soll es geben. Laut von der Leyen soll es beidseitige Nullzölle fĂŒr eine Reihe strategischer Produkte geben, darunter unter anderem Flugzeuge und Flugzeugteile, bestimmte Chemikalien sowie bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Warum hat die EU den Deal akzeptiert?
WĂ€re es zu keiner Einigung gekommen, hĂ€tten weitere US-Zölle gedroht. Die EU wollte eine Eskalation verhindern, da dies den Handel und ArbeitsplĂ€tze bedroht hĂ€tte. Hinzu kam die Sorge, Trump könne im Fall eines verschĂ€rften Konflikts neue Drohkulissen aufbauen, beispielsweise indem er erneut die militĂ€rische Beistandspflicht innerhalb der Nato infrage stellt oder die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zurĂŒckfĂ€hrt - beides sind Ă€uĂerst sensible Themen angesichts der Bedrohungen durch Russland.
Wenn die EuropĂ€er im Bereich der Verteidigung nicht so abhĂ€ngig von den USA wĂ€ren, hĂ€tten sie den Deal vielleicht nicht akzeptiert. Wirtschaftlich ist die EU nĂ€mlich mit etwa 450 Millionen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern in 27 LĂ€ndern eine echte Marktmacht, die den Vereinigten Staaten in einem Handelskonflikt schwer zusetzen könnte.
Welche Zölle hatte Trump bereits verhÀngt?
Neben einem Basiszollsatz in Höhe von zehn Prozent hatte die US-Regierung unter Trump unter anderem auf den Import von Autos und Autoteilen Extrazölle in Höhe von 25 Prozent eingefĂŒhrt, sodass der Zollsatz zuletzt vor dem Deal bei 27,5 Prozent lag. Die jetzt gĂŒltigen 15 Prozent seien das Beste, das zu erreichen gewesen sei, sagte von der Leyen. Bei Stahl- und Aluminiumprodukten bleibt der Zollsatz laut Trump bei 50 Prozent. Nach Angaben aus EU-Kreisen sollen aber bestimmte Mengen ausgenommen werden, wie es bereits vor Trumps Amtsantritt der Fall gewesen war.Â
Was gewinnt Trump?
Dass Trump den Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent aufrechterhalten kann, dĂŒrfte Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe in die US-Staatskasse spĂŒlen. Nach EU-Angaben lag der durchschnittliche US-Zollsatz auf Importe aus der EU in der Praxis vor dem Amtsantritt Trumps bei lediglich etwa 1 Prozent und damit ebenso niedrig wie der Zollsatz der EU auf US-Importe - zumindest dann, wenn man nur den tatsĂ€chlichen Warenhandel zwischen der EU und den USA zugrunde legt.Â
Im Jahr 2023 erhoben die USA demnach Zölle in Höhe von rund sieben Milliarden Euro auf EU-Exporte, und die EU erhob Zölle in Höhe von rund drei Milliarden Euro auf US-Exporte.
Wie steht Deutschland zu dem Deal?
Deutschland drĂ€ngte frĂŒhzeitig auf eine Einigung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte zuletzt: «Hier geht es nicht um ein fein ziseliertes, in allen Details ausverhandeltes, umfassendes Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Hier geht es jetzt um die schnelle Beilegung eines Zollstreits.» Er verwies unter anderem auf die hohen Zölle, die Trump schon fĂŒr den Import von Autos und Autoteilen in die USA eingefĂŒhrt hatte.
Was bedeutet die Einigung fĂŒr die deutsche Wirtschaft und Verbraucher?
Das wird sich vermutlich erst in den nĂ€chsten Monaten genau zeigen. Gut ist, dass sich die Ungewissheit ein StĂŒck weit reduziert. Schlecht ist, dass ein Teil der US-Zölle aufrechterhalten bleibt. Zölle machen Produkte in der Regel teurer und bremsen damit den Handel. Denkbar ist deswegen weiterhin, dass deutsche Unternehmen GeschĂ€ft in den USA verlieren und ArbeitsplĂ€tze abbauen mĂŒssen.
Wie hÀtte die EU im Falle einer Eskalation reagiert?
Die EU-Kommission hatte mit VergeltungsmaĂnahmen gedroht. Dazu zĂ€hlten Zölle auf US-Produkte wie Flugzeuge, MotorrĂ€der, Rindfleisch, Whiskey und ZitrusfrĂŒchte. Zudem wurden ExportbeschrĂ€nkungen fĂŒr bestimmte GĂŒter wie Stahlschrott oder chemische Erzeugnisse sowie eine Umsatzabgabe fĂŒr US-Tech-Konzerne in ErwĂ€gung gezogen.
Wie rechtfertigte Trump seinen Zollkurs?
Trump argumentierte mit einem angeblichen Handelsungleichgewicht zwischen den USA und der EU. Zudem wollte er mit seinem Kurs unter dem Motto «America First» industrielle Produktion zurĂŒck in die USA holen. Die zusĂ€tzlichen Zolleinnahmen sollten auĂerdem helfen, seine umfangreichen Steuersenkungen gegenzufinanzieren.
Wie beurteilt die EU Trumps Zölle?
Die EuropĂ€ische Kommission hĂ€lt die neuen US-Zölle grundlegend fĂŒr ungerechtfertigt. Ihrer Ansicht nach verstoĂen sie auch klar und eklatant gegen grundlegende Regeln der Welthandelsorganisation (WTO).
Ist der Deal dauerhaft oder nur eine Ăbergangslösung?
Unmittelbar vor dem SpitzengesprĂ€ch hatte Trump gesagt, mit einem Deal wĂŒrde der Zollstreit beendet werden. Er gehe davon aus, dass es in einem solchen Fall mindestens einige Jahre dauern wĂŒrde, bevor wieder GesprĂ€che darĂŒber nötig seien.
Um was fĂŒr ein Handelsvolumen geht es?
Nach Angaben der EU haben die EuropĂ€ische Union und die Vereinigten Staaten die umfassendsten bilateralen Handels? und Investitionsbeziehungen der Welt und die am engsten miteinander verzahnten Volkswirtschaften. Zusammen machen sie demnach fast 30 Prozent des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen und 43 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus. Im Jahr 2024 belief sich der transatlantische Handel mit Waren und Dienstleistungen nach EU-Zahlen auf mehr als 1,68 Billionen Euro. Die EU und die USA waren jeweils fĂŒreinander der wichtigste Warenhandelspartner.
Haben die USA wirklich ein deutliches Handelsdefizit?
Im Warenhandel mit den USA verbuchte die EU 2024 nach jĂŒngsten Zahlen des Statistikamts Eurostat einen deutlichen Ăberschuss in Höhe von rund 198 Milliarden Euro. So wurden im Jahr 2024 Waren im Wert von etwa 533 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten ausgefĂŒhrt und nur Waren im Wert von rund 335 Milliarden Euro aus den USA importiert.Â
Im Dienstleistungsbereich hat die EU hingegen ein Handelsdefizit mit den Vereinigten Staaten, sodass die EU nach eigenen Angaben 2024 im Handel mit Waren und Dienstleistungen lediglich einen HandelsĂŒberschuss von 50 Milliarden Euro hatte. «Dies entsprach weniger als 3 Prozent des gesamten Handels zwischen der EU und den USA», wird in BrĂŒssel argumentiert.


