Die letzte Staffel «How to Sell Drugs Online (Fast)» startet
07.04.2025 - 12:00:34 | dpa.deAls Moritz endlich das GefĂ€ngnis verlassen darf, hĂ€lt er sich immer noch fĂŒr einen Star. Also fragt er seine Familie, ob wĂ€hrend der Zeit hinter Gittern Medienanfragen fĂŒr ihn eingetrudelt seien. Die Antwort ist jedoch ernĂŒchternd. «Da kam nur so eine Anfrage von Netflix», erklĂ€rt ihm seine Schwester. «Die wollten dein Leben verfilmen. Denen fĂ€llt offenbar gar nix mehr ein. Hab ich gelöscht.» Zu sehen ist dieser Dialog in der neuen Staffel von «How to Sell Drugs Online (Fast)». Auf: Netflix.
Es sind Szenen wie diese, die die Serie von vielen anderen Produktionen unterscheidet. «How to Sell Drugs Online (Fast)» ist ironisch, rasant, detailverliebt und immer fĂŒr einen Meta-Witz gut. Nur dort wird in einer fiktionalen Netflix-Serie, die das Leben eines jugendlichen DrogenhĂ€ndlers verfilmt, ein Witz ĂŒber Netflix gemacht, das angeblich das Leben eines jugendlichen DrogenhĂ€ndlers verfilmen will.
Moritz kommt aus dem GefÀngnis
Fans solcher verzwirbelten SpĂ€Ăe dĂŒrften sich ĂŒber den Nachschub freuen, den der Streaming-Dienst von Dienstag (8. April) an bereitstellt. Sechs neue Folgen hat die vierte Staffel. Die schlechte Nachricht fĂŒr AnhĂ€nger der Drogen-Saga aus dem schnarchigen Dorf Rinseln im Niemandsland von Nordrhein-Westfalen lautet zugleich: Es sollen die letzte sein. Netflix bewirbt sie als die «finale Staffel».
Im Mittelpunkt steht wieder Moritz (Maximilian Mundt). Er hat als SchĂŒler ein Start-up aufgebaut und gefĂ€llt sich in der Rolle des weitsichtigen Wirtschaftsvordenkers Ă la Silicon-Valley-MillionĂ€r. Blöd nur, dass sein GeschĂ€ftsmodell einen Haken hatte: Er handelte mit Drogen.
Die neue Staffel erzĂ€hlt nun, wie Moritz nach vier Jahren aus dem GefĂ€ngnis kommt. FĂŒr Drehbuch-Connaisseure sei gesagt: Auch dabei kreuzen sich erfundene Serien-Zeit und die Zeit in der echten Welt. Die Veröffentlichung der vorangegangenen Staffel liegt ebenfalls vier Jahre zurĂŒck.
Rache, Gier, Eifersucht, Verrat - und viele Tote
Aus Sicht von Moritz hat sich die Welt blöderweise auch ohne ihn weitergedreht. Sein bester Kumpel (Danilo Kamperidis) arbeitet inzwischen fĂŒr Dan (Damian Hardung). Und Dan, den Moritz wenig schĂ€tzt, lebt genau das Leben, das sich Moritz ausgemalt hat: Er ist der schillernde Chef eines Start-ups, das nicht einmal Drogen verkaufen muss, sondern mit Supplements handelt, was ganz herrlich nach neuer GeschĂ€ftswelt klingt. Moritz fĂ€llt es sehr schwer, das mitanzusehen.
Rache, Gier, Eifersucht, Verrat - es sind sehr archaische Motive, die fortan verhandelt werden. Vielleicht lĂ€sst sich die Serie ihren Figuren auch deshalb etwas mehr Zeit. «How to Sell Drugs Online (Fast)» ist immer noch deutlich schneller als viele andere Produktionen - aber auch nicht mehr ganz so atemlos wie frĂŒher. Es fĂŒhlt sich so an, als sei die Smartphone-Generation Z, deren Zeitgeist sie einfangen will, erwachsen geworden.
Ebenso kann man die Serie auch wieder als eine ganz grundsÀtzliche Kritik an der sogenannten Start-up-Kultur lesen, in der mitunter selbst ernannte «Entrepreneurs» zweifelhafte GeschÀftsmodelle mit Selbstdarstellung kaschieren. Gerade dieses Motiv macht sie im Jahr 2025 allerdings sehr gegenwÀrtig. Der Silicon-Valley-Kapitalismus ist in Verruf geraten.
Der Hauptdarsteller musste «doll losheulen»
All das steuert - garniert mit den ĂŒblichen AbsurditĂ€ten im «How to Sell Drugs Online (Fast)»-Kosmos - auf einen groĂen Knall zu. «Es geht wieder sehr, sehr kriminell zu und viele Menschen werden sterben», sagt Hauptdarsteller Maximilian Mundt der Deutschen Presse-Agentur. «Es gibt EntfĂŒhrungen und Verfolgungsjagden.» Und trotzdem bleibe es natĂŒrlich witzig.
Auch fĂŒr den 28-JĂ€hrigen schlieĂt sich mit der finalen Staffel ein Kapitel, wie er sagt. «Tja, was soll ich sagen? Es ist wie das Ende einer Ăra, eines Lebensabschnitts», sagt Mundt. FĂŒr ihn fĂŒhle es sich so an, als sei er mit der Serie, die 2019 anlief, erwachsen geworden. «Ich weiĂ noch, dass ich beim Abschlussfest dieser Staffel eine Rede halten wollte», erzĂ€hlt er. «Aber ich musste ganz doll losheulen.»
Vielleicht auch deshalb will Mundt seinen Moritz noch nicht ganz loslassen. «Ich glaube, man könnte das schon noch weitertreiben und in zehn Jahren noch mal eine Staffel machen», sagte er. «Mein Wunsch wĂ€re schon, dass die Serie und das Finale dieser Staffel wie so ein Geist in den Netflix-BĂŒros herumschwirrt und man sich in ein paar Jahren sagt: "Ach komm, lasst uns die Charaktere noch einmal aufwecken."» Es habe einfach so viel SpaĂ gemacht.
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