Schleswig-Holstein, Notfall

Mutter bringt Baby auf Standstreifen von Autobahn zur Welt

09.04.2026 - 11:04:40 | dpa.de

Dieses Baby hatte es eilig: Auf der A23 in der NÀhe von Hamburg wird ein Kind geboren. Die Feuerwehr spricht von einem sehr schönen Einsatz. Hebammen warnen dagegen vor einer Zunahme von Autogeburten.

Feuerwehrleute wurden zu einer Geburt in einem Auto auf dem Standstreifen der Autobahn gerufen. (Symbolbild) - Foto: Soeren Stache/dpa

Eine Frau hat ihr Baby in einem Auto auf dem Standstreifen einer Autobahn in der NÀhe von Hamburg zur Welt gebracht. RettungskrÀfte seien am Mittwochabend «zu einem besonderen Einsatz» auf der A23 gerufen worden, sagte ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr. Das Auto parkte demnach in der NÀhe der Anschlussstelle Halstenbek-Krupunder im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Als die Feuerwehr eintraf, waren dem Sprecher zufolge Rettungsdienst und Polizei bereits vor Ort. 

«Wir waren eine bis zwei Minuten nach der Geburt da und haben mit den großen Feuerwehrautos den Standstreifen abgesperrt», sagte der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Rund 24 Feuerwehrleute sicherten demnach das geparkte Auto ab und unterstĂŒtzten den Rettungsdienst bei der Versorgung von Mutter und Neugeborenem auf der Autobahn. Sie seien etwa eine Stunde im Einsatz gewesen. Anschließend wurden Mutter und Kind in ein Krankenhaus gebracht.

Dem Sprecher zufolge war es fĂŒr die Feuerwehr «ein außergewöhnlicher und zugleich sehr schöner Einsatz, der den Beteiligten sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird».

Verband: Geburten im Auto im Norden nehmen zu

Der Fall bei Halstenbek ist kein Einzelfall im nördlichsten Bundesland. Die Zahl der Geburten im Auto oder Rettungswagen nehme in Schleswig-Holstein immer mehr zu, «weil die Wege immer weiter und die KrankenhÀuser weniger werden», sagte Anke Bertram, Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein, der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar habe es schon immer Situationen gegeben, in denen Babys zum Beispiel vor dem Krankenhaus im Auto geboren wurden – sie selbst habe unter anderem schon eine Geburt im Fahrstuhl erlebt. «Aber die ZwischenfĂ€lle, die aufgrund der Zentralisierung der Kliniken passieren, hĂ€ufen sich und kommen nicht an die Öffentlichkeit», meinte sie. «Es macht mich so wĂŒtend.»

Autogeburten nicht statistisch erfasst

Laut Bertram gibt es keine Statistik zu Autogeburten. «Einzelschicksale werden nicht angeguckt und nicht statistisch erfasst und evaluiert. Wir haben keine Meldestelle fĂŒr diese FĂ€lle», sagte sie. Ein Polizeisprecher in Kiel bestĂ€tigte, dass Geburten im Auto oder Rettungswagen nicht gesondert erfasst wĂŒrden.

Der Hebammenverband kritisierte, dass es aufgrund der fehlenden Daten keine BemĂŒhungen gĂ€be, um die VorfĂ€lle einzudĂ€mmen. Von den Autogeburten erfahre die Hebamme meist nur von Kolleginnen, nicht von den KrankenhĂ€usern, in welche die MĂŒtter und Neugeborenen kommen. Die Eltern sind laut Bertram nach solchen Geburten unterwegs hĂ€ufig traumatisiert und reden nicht darĂŒber.

Erst zu Beginn des Jahres hatte eine Frau aus Schleswig-Holstein ihre Tochter in Hamburg in einem Auto zur Welt gebracht. Mit Hilfe der Rettungsleitstelle, die wÀhrend der Geburt telefonisch Anweisungen gab, wurde das Baby sicher geboren.

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