Serienhit, Jahres

Warum dies der erste Serienhit des noch jungen Jahres ist

28.01.2025 - 16:29:39

Ein US-PrÀsident wird ermordet und sein LeibwÀchter ist der HauptverdÀchtige. Die Ausgangslage der Serie «Paradise» ist dank kluger Autoren und exzellenter Schauspieler hochspannende Unterhaltung.

Es dauert nur wenige Minuten, dann ist der US-PrĂ€sident tot. Er liegt reglos auf dem schweren Teppich, eine dunkelrote Blutlache schimmert um seinen Kopf herum. Eigentlich wollte ihn sein wichtigster Security-Mitarbeiter abholen – doch von nun an gilt er als MordverdĂ€chtiger.

So beginnt «Paradise», eine neue US-Politserie mit exzellentem Ensemble und vielen ĂŒberraschenden Wendungen - zu sehen beim Streamingdienst Disney+.

Erdacht wurde die Thriller-Serie von Dan Fogelman, der schon bei der Familienserie «This is Us» eine gelungene Mischung aus Emotion und schneller Handlung schuf. Fogelman wirft schon in den ersten beiden Folgen viele BĂ€lle in die Luft, doch die Serie wirkt nie ĂŒberladen. 

Secret-Service-Agent wird beschuldigt

Das Familienleben von Sicherheitsmann Xavier Collins (Sterling K. Brown), der seine beiden Kinder alleine großzieht, ist ein genauso wichtiges Thema wie die Jugend von PrĂ€sident Cal Bradford (James Marsden) und die GeschĂ€ftswelt der mĂ€chtigen Unternehmerin Samantha Redmond (Julianne Nicholson).

Es ist sicher den Schauspielern zu verdanken, dass man den Figuren in «Paradise» von den ersten Minuten an gerne folgt und sich gut mehrere Staffeln vorstellen kann. 

Brown spielt den Sicherheitsmann wie auch schon Randall Pearson in «This is US» mit großer IntensitĂ€t, sodass der Vergleich «der Denzel Washington seiner Generation» fĂŒr den Emmy-Gewinner und Oscar-Nominierten gerechtfertigt scheint. Marsden als PrĂ€sident könnte mit seinem Aussehen ohnehin Nachfahre der Kennedys sein.

Viele relevante Themen ohne Parteilichkeit

Vielschichtig gerÀt auch Unternehmerin Samantha Redmond, gespielt von Julianne Nicholson. Sie betont im GesprÀch mit der Nachrichtenagentur dpa, dass ihr der Schwerpunkt auf Klimathemen wichtig gewesen sei. 

TatsĂ€chlich werden sogar mehrere wichtige gesellschaftliche Themen ĂŒberzeugend verhandelt. Trotzdem bezieht «Paradise» keine konkrete Stellung, selbst die Parteizugehörigkeit von PrĂ€sident Bradford bleibt unklar. 

Einzig in den Dialogen gibt es manche SchwĂ€che, die Fogelman auch schon in «This is Us» zeigte: Immer wieder mal lĂ€sst er seine Charaktere zu hĂŒbsch ausgeschmĂŒckte und nett formulierte Geschichten und Metaphern erzĂ€hlen. So schrammt die Handlung manchmal nur knapp am Seichten vorbei.

Doch das sind Kleinigkeiten. Angesichts der aktuellen politischen Weltlage und der zweiten Amtszeit von Donald Trump lĂ€sst sich «Paradise» kaum schauen, ohne ĂŒber die Symbolkraft einer Politserie nachzudenken. 

Immer wieder politische Zeitgeist-Serien

US-PrĂ€sidentschaften begleitet schließlich hĂ€ufig eine Serie: Die Comedy-Reihe «Modern Family» zeichnete zu Barack Obamas erster Amtszeit das Bild eines neuen Amerikas, «House of Cards» handelte wĂ€hrend seiner zweiten Amtszeit von den Intrigen hinter den Kulissen Washingtons. 

«The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd» entwarf zu Beginn von Donald Trumps erster Amtszeit eine dĂŒstere Zukunft in einem Religionsstaat und «Succession» beschrieb, dass unter dem gutmĂŒtig erscheinenden Joe Biden lĂ€ngst nicht alles ruhig bleiben wĂŒrde. 

«Paradise» hat große Chancen, jene Serie zu werden, ĂŒber die wĂ€hrend der zweiten Trump-PrĂ€sidentschaft alle sprechen – trotz aller Thriller-Elemente hat sie eine Menge darĂŒber zu sagen, was unsere Gesellschaft im Inneren zusammenhĂ€lt.

@ dpa.de