Bayern, Deutschland

Scharfsinniger Feingeist - Alexander Kluge ist tot

26.03.2026 - 13:34:13 | dpa.de

Er galt als hervorragender ErzÀhler, der exakt beobachtete. Jetzt ist der Filmemacher und Autor Alexander Kluge gestorben.

  • Alexander Kluge starb mit 94 Jahren in MĂŒnchen. (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa
    Alexander Kluge starb mit 94 Jahren in MĂŒnchen. (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa
  • Kluge war Filmemacher, Autor und Philosoph. (Archivbild) - Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa
    Kluge war Filmemacher, Autor und Philosoph. (Archivbild) - Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa
  • Er gehörte zu den bekanntesten Intellektuellen Deutschlands. (Archivbild) - Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa
    Er gehörte zu den bekanntesten Intellektuellen Deutschlands. (Archivbild) - Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa
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Als feinsinniger ErzĂ€hler hat Alexander Kluge die deutsche Kulturlandschaft geprĂ€gt - in Wort und im bewegten Bild. Mit Filmen, BĂŒchern und TV-Formaten lieferte der Regisseur, Autor und Jurist jahrzehntelang DenkanstĂ¶ĂŸe. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren in MĂŒnchen gestorben, wie der Suhrkamp-Verlag unter Berufung auf seine Familie mitteilte. 

Bis ins hohe Alter war Kluge schriftstellerisch und filmisch aktiv. So erschien etwa im Jahr 2024 die zusammen mit Anselm Kiefer verfasste Schrift «Klugheit ist die Kunst, unter verschiedenen UmstÀnden getreu zu bleiben». 

Kluge galt als einer der vielseitigsten Intellektuellen in Deutschland, war Filmemacher, Schriftsteller, Philosoph und Jurist. In den 1960er und 1970er Jahren wurde er als einer der einflussreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films bekannt.

Mitglied der «Gruppe 47»

Als Autor gehörte er zum Kreis der «Gruppe 47», die den Literaturbetrieb in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit prÀgte, und machte sich vor allem mit Kurzgeschichten einen Namen.

In einem Interview anlĂ€sslich seines 90. Geburtstages im Jahr 2022 blickte Kluge auf seine Kindheit zurĂŒck: Als 13-JĂ€hriger war er bei einem Bombenangriff in seiner Geburtsstadt Halberstadt verschĂŒttet worden. Nach einer Weile habe er einen Ausgang zum Nachbarhaus gefunden, und von da aus ging es zum nĂ€chsten und zum ĂŒbernĂ€chsten Haus, bis sich schließlich ein Weg nach draußen fand, erzĂ€hlte er. 

«Es gibt immer einen Ausweg», habe er daraus gelernt. «Um ihn zu finden, muss man locker lassen, oder man muss dafĂŒr sorgen, dass der Notausgang zu einem kommt. Man muss ihn zulassen.»

Jura, Geschichte - und Kirchenmusik

Kluge studierte Jura, Geschichte und Kirchenmusik. Er promovierte und arbeitete zunĂ€chst als Rechtsanwalt. 1958 volontierte er bei dem weltberĂŒhmten Regisseur Fritz Lang («Metropolis») und fing bald darauf an, selbst Regie zu fĂŒhren. 1962 war er einer der Filmemacher, die mit dem «Oberhausener Manifest» ein Kino der Autoren forderten. Kluge inszenierte Filme wie «Abschied von gestern», «Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos» und «In Gefahr und grĂ¶ĂŸter Not bringt der Mittelweg den Tod».

1987 war Kluge MitbegrĂŒnder der Produktionsfirma dctp, die private Fernsehsender wie Sat.1 oder RTL mit wissenschaftlichen und kulturellen BeitrĂ€gen versorgt. Das Magazin «Spiegel TV» stammt beispielsweise aus seinem Haus. 

FĂŒr seine BĂŒcher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Georg-BĂŒchner-Preis, den Heinrich-Heine-Preis sowie den Klopstock-Preis.

Mit dem fast gleichaltrigen Maler Gerhard Richter verbanden Kluge neben einem gemeinsamen Urlaubsziel in der Schweiz auch zwei BĂŒcher. Er steuerte zu Richters Fotos die Texte bei. «Was er kann, kann ich nicht, wir ergĂ€nzen uns», sagte er. Dabei sei der Maler gelegentlich recht radikal mit seinen Texten umgegangen, berichtet Kluge. «Er zerschnitt manchmal aus Ă€sthetischen GrĂŒnden meine Texte.» Umgekehrt wĂ€re das wohl eher nicht anzuraten: «Seine Werke sind generell etwas teurer.»

Auch im vorgerĂŒckten Alter war Alexander Kluges Begeisterung fĂŒr Ideen und Herausforderungen, Projekte und Kooperationen ungebremst, sein Tatendrang so imposant wie erstaunlich. «Ich arbeite viel mit jungen Menschen zusammen.» Beim Arbeiten spielten Befindlichkeiten und Alter keine Rolle. Behilflich sei beim kreativen Prozess, die «Ich-Schranke» zu senken, sagte Kluge.

«Alles, was einen von der eigentlichen Arbeit ablenkt, muss außen vor bleiben: der eigene Anspruch, die Erwartungshaltung und - natĂŒrlich auch - die Eitelkeit. Nur so kann es aus dem Bleistift fließen.»

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