Minister: Bergung von Buckelwal möglichst bis zum Abend
28.04.2026 - 11:14:22 | dpa.deDer Bergungsversuch des gestrandeten Buckelwals in der Ostsee ist angelaufen. Helfer haben am Vormittag im Hafen von Kirchdorf auf Poel Boote bestiegen und sind zum Wal hinausgefahren, der seit vier Wochen in einer flachen Bucht der Insel vor Wismar feststeckt. Sie begannen, dem Tier Gurte anzulegen, um ihn durch eine ausgebaggerte Rinne zu einem bereitliegenden Lastkahn zu fĂŒhren, wie in Livestreams zu erkennen war. Der Wal lieĂ die Prozedur zunĂ€chst ruhig ĂŒber sich ergehen.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gab sich optimistisch. «Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben», sagte er in Kirchdorf. Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: «Wir wollen heute fertig werden.»
GrĂŒnes Licht fĂŒr Gurte
Die Behörden gaben Backhaus zufolge grĂŒnes Licht, den rund zwölf Tonnen schweren MeeressĂ€uger mit Hilfe von Gurten durch eine rund 100 Meter lange, in den letzten Tagen ausgebaggerte Rinne zu dem mit Wasser gefĂŒllten Lastkahn zu fĂŒhren. Wenn das gelingt, soll der Buckelwal auf der Barge wie in einem riesigen Aquarium in die Nordsee gebracht werden. Auf Bargen werden sonst unter anderem Schiffe transportiert.
Es sei der «Tag der Entscheidung», hatte Backhaus zuvor betont. «Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute GlĂŒck.» Mit Blick auf einen möglichen Erfolg fĂŒgte er hinzu: «FĂŒr mich wĂ€re es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.»
Backhaus gab jedoch zu bedenken, das es sich bei dem Wal um ein Wildtier handele, dessen Reaktion etwa auf das Anlegen des Gurtsystems nicht absehbar sei. Die TierĂ€rzte der privaten Initiative sehen den Buckelwal als transportfĂ€hig an, wie der Minister erklĂ€rte. Der Gesundheitszustand sei der EinschĂ€tzung zufolge gut, die Atmung tief und ohne GerĂ€usche.Â
UnabhÀngige Experten raten ab
Wal-Experten kommen hingegen zu einem anderen Schluss und raten von der Aktion ab: Das Deutsche Meeresmuseum teilte mit, das Tier sollte vielmehr gröĂtmögliche Ruhe erhalten und ausschlieĂlich palliativ versorgt werden. «Von weiteren Manipulationen am Wal» sei abzusehen. «Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert» und die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Sie «ist zudem mit enormen Verletzungsrisiken fĂŒr den Wal verbunden», erklĂ€rten die Forscher und verwiesen auf Ă€hnliche EinschĂ€tzungen etwa der International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue.Â
Wal seit vier Wochen in der Bucht
Der rund zwölf Meter lange MeeressĂ€uger steckt seit dem 31. MĂ€rz in der Bucht fest. Schon zuvor hatte das Tier sich mehrmals in flachem Wasser nahe der KĂŒste festgesetzt, sich zwischenzeitlich aber wieder freischwimmen können.Â
Bereits Anfang MĂ€rz war der Buckelwal nach Angaben der Behörden in KĂŒstennĂ€he aufgetaucht, zunĂ€chst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. MĂ€rz strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser ĂŒber eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.
SchlieĂlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden spĂ€ter am Ausgang der Bucht wieder fest.
Vorheriges Konzept verworfen
Backhaus hatte Mitte April trotz aller Warnungen aus der Wissenschaft entschieden, die Versuche der privaten Initiative zu dulden. Sie wird neben der Unternehmerin Karin Walter-Mommert vom Mediamarkt-GrĂŒnder Walter Gunz finanziert. Die Initiative hat den Lastkahn, eine sogenannte Barge, herangeschafft, um den Wal damit in die Nordsee zu bringen. Ein vorheriges Konzept der Gruppe gelang nicht und wurde verworfen.
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