Schande, Zahl

Es ist schlimm, aber keine Schande, als Mann betroffen zu sein. Zahl von hÀuslicher Gewalt betroffener MÀnner in Schutzeinrichtungen erneut gestiegen / Jeder 2. wegen Vollauslastung abgewiesen

13.11.2024 - 14:43:31

Dresden - Zum WeltmĂ€nnertag am 3. November veröffentlichte die Bundesfach- und Koordinierungsstelle MĂ€nnergewaltschutz (BFKM) die dritte Nutzungsstatistik der MĂ€nnerschutzeinrichtungen in Deutschland. Mehr als jeder zweite Mann, der sich meldete, musste demnach wegen Vollauslastung der Schutzeinrichtungen abgewiesen werden. Ein Ausbau des Hilfesystems fĂŒr MĂ€nner ist deshalb notwendiger denn je. Auch das Hilfesystem fĂŒr betroffene Frauen, die wesentlich mehr und hĂ€rter betroffen sind, gehört dringend besser unterstĂŒtzt. Zudem mĂŒssen PrĂ€vention und Sensibilisierung weiter verbessert werden.

Die nunmehr dritte Nutzungsstatistik der MĂ€nnerschutzeinrichtungen (MSE) in Deutschland enthĂ€lt Daten zu den Betroffenen und zu den Rahmenbedingungen der Arbeit in den MĂ€nnerschutzeinrichtungen im Jahr 2023, erstmals im Vergleich mit den beiden Vorjahren. Diese Auswertung bildet das Hellfeld der von hĂ€uslicher Gewalt betroffenen MĂ€nner ab, die Kontakt zu einer MĂ€nnerberatungsstelle aufgenommen haben. Viele der 523 MĂ€nner kommen fĂŒr eine Unterbringung in einer Schutzwohnung infrage - doch die Anzahl der PlĂ€tze bundesweit ist zu gering.

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Die GrĂŒnde fĂŒr den Nichteinzug in eine der MĂ€nnerschutzwohnungen waren verschieden. Mehr als jede zweite Ablehnung musste jedoch wegen Vollauslastung der betreffenden MSE erfolgen.

Die meisten Bewohner von MĂ€nnerschutzeinrichtungen im Berichtsjahr 2023 hatten ihren Wohnsitz im selben oder angrenzenden Landkreis. Die BFKM fordert deshalb den flĂ€chendeckenden Ausbau des MĂ€nnergewaltschutzsystems, denn es kann davon ausgegangen werden, dass eine große Anzahl an MĂ€nnern nicht erreicht wird. Das Hilfesystem fĂŒr MĂ€nner kann mit aktuell 15 Wohnungen mit 49 PlĂ€tzen in nur 5 von 16 BundeslĂ€ndern keinesfalls den Schutzanspruch fĂŒr alle betroffenen MĂ€nner einlösen.

Jana Peters, Fachreferentin Statistik der BFKM:

"Dass MĂ€nner am ehesten Hilfeangebote in ihrer NĂ€he in Anspruch nehmen wollen, ist logisch, denn die meisten der Betroffenen stehen beruflich und familiĂ€r mitten im Leben. Sie mĂŒssen zur Arbeit gehen und wollen - wenn vorhanden - meist ebenso wie ihre Partnerinnen fĂŒr gemeinsame Kinder sorgen. Doch nach wie vor haben wir in den meisten BundeslĂ€ndern keine PlĂ€tze in MĂ€nnerschutzwohnungen. Das ist eine erhebliche Unterversorgung, die zu erheblich mehr ungesehenem Leid fĂŒhrt. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung mĂŒssen bitte dringend deutlich mehr Verantwortung ĂŒbernehmen."

Der aktuelle Bestand von Schutzwohnungen ist keinesfalls bedarfsgerecht oder flĂ€chendeckend. Die BFKM empfiehlt in Anlehnung an die Kienbaum-Kostenstudie zum Hilfesystem fĂŒr Betroffene von hĂ€uslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt mindestens einen Familienplatz fĂŒr MĂ€nner und ihre Kinder pro 200.000 Einwohner*innen. Das entsprĂ€che bspw. fĂŒr Niedersachsen 40 PlĂ€tzen fĂŒr MĂ€nner und ihre Kinder, aktuell gibt es in dem Bundesland keinen einzigen geförderten Platz.

In nahezu allen FĂ€llen berichteten die Bewohner, psychische Gewalt erlebt zu haben. Sie wurde in der ĂŒberwiegenden Mehrheit der FĂ€lle im Kontext mit anderen Gewaltformen genannt. Das bedeutet, dass der Mehrheit der Betroffenen mehr als eine Gewaltform widerfuhr. Diese Zahlen entsprechen dem Trend der Vorjahre und vorhandenen Studienergebnissen. Sie verdeutlichen die Notwendigkeit von SchutzrĂ€umen und RĂŒckzugsmöglichkeiten fĂŒr betroffene MĂ€nner.

Frank Scheinert, GeschĂ€ftsfĂŒhrender Bildungsreferent der BFKM:

"HĂ€usliche Gewalt gegen MĂ€nner bleibt in Deutschland ein Tabu, dem mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Mit unserer zum dritten Mal erstellten Nutzungsstatistik tun wir genau das - erstmals im Zeitreihenvergleich. Dass die Zahl der betroffenen MĂ€nner, die sich Hilfe geholt haben, erneut gestiegen ist, ist fĂŒr Einzelne besonders schlimm - aber es spricht fĂŒr die langsam gelingende Sensibilisierung der Öffentlichkeit fĂŒr das wichtige Thema. Denn es ist schlimm, aber keine Schande, als Mann betroffen zu sein. Und nur, wer sich Hilfe holt, hat Aussicht auf Besserung. Außerdem setzt er auch ein Zeichen, dass MĂ€nner nicht immer nur stark, sondern auch verletzlich sein können."

Die BFKM geht mit erweitertenen Sensibilisierungsmaßnahmen unter dem Titel "Ohne Gewalt leben, Mann" an die Öffentlichkeit. Wir konnten vier weitere Personen gewinnen, die der Kampagne ihr Gesicht leihen. Die Motive werden u.a. auf Gratispostkarten, als In-App-Werbung sowie vermehrt auf unseren social media-KanĂ€len eingesetzt. Die Zielseite www.ohne-gewalt-leben.de, die unter anderem eine Kontaktlandkarte fĂŒr Hilfesuchende bietet, ist jetzt auch in englischer Sprache verfĂŒgbar.

Die Nutzungsstatistik steht hier zum Download zur VerfĂŒgung. Auf der Internetseite kann auch die gedruckte Version kostenfrei angefordert werden.

Der WeltmĂ€nnertag am 3. November wurde als Aktionstag zur MĂ€nnergesundheit erstmals im Jahr 2000 durch Andrologen der UniversitĂ€t Wien ausgerufen. Er soll genutzt werden, um das Bewusstsein fĂŒr gesundheitliche Themen bei MĂ€nnern zu stĂ€rken. Gewaltfreies Leben gehört unbedingt dazu.

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