Auszeichnung, Podcast

Kurt-Magnus-Preis 2026: Junge Audiotalente der ARD ausgezeichnet

30.04.2026 - 15:07:39 | presseportal.de

Frankfurt am Main - Von gesellschaftlichen Debatten ĂŒber persönliche Schicksale bis hin zu internationaler Berichterstattung: Die Themen, mit denen sich Selin "Selly" Kahya, Rebecca Barth, Mia von Hirsch, Luisa Meyer und Sophie Anggawi - die PreistrĂ€gerinnen des Kurt-Magnus-Preises der ARD - beschĂ€ftigen, sind so vielfĂ€ltig wie der Audiojournalismus selbst. Ihre Arbeiten reichen von Formaten fĂŒr ein junges Publikum ĂŒber investigative BeitrĂ€ge bis hin zu eindringlichen Reportagen aus Krisengebieten, sensiblen PortrĂ€ts und ungewöhnlichen Perspektiven auf Glauben und Gesellschaft.

Kurt-Magnus-Preis 2026: Junge Audiotalente der ARD ausgezeichnet - Foto: presseportal.de
Kurt-Magnus-Preis 2026: Junge Audiotalente der ARD ausgezeichnet - Foto: presseportal.de

Erster Preis: Selin "Selly" Kahya (rbb)

Jugendsprache und Witze in der Morningshow und ein Politik-Podcast ĂŒber die Einblicke in die Arbeit der Bundesregierung - passt das zusammen? Wenn Selin "Selly" Kahya dahintersteckt, dann ja: Die rbb-Journalistin verbindet zugĂ€ngliche Moderation mit inhaltlicher Tiefe. In der "Fritz FrĂŒhschicht" erreicht sie ein junges Publikum und verknĂŒpft Alltags-, Kultur- und Politikthemen; im Politikformat "Berlin Code" bereitet sie als Vertretung fĂŒr Linda Zervakis bundespolitische Fragestellungen verstĂ€ndlich auf. In Kommentaren, etwa zum Jahrestag des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau, bringt sie persönliche Perspektiven als Migrantin ein und macht so gesellschaftliche Relevanz hörbar. "Selly versteht ihr journalistisches Handwerk, und sie weiß es einzusetzen - genauso gut verspielt wie seriös", sagt Jury-Mitglied und Radio Bremen--Programmdirektor Jan Weyrauch in seiner Laudatio. Kahyas Arbeit zeige, wie Audiojournalismus junge Zielgruppen erreiche, Debatten anschiebe und unterschiedliche LebensrealitĂ€ten in die öffentliche Diskussion einbringe. Selin "Selly" Kahya: "Als Frau mit Migrationshintergrund ist es mir besonders wichtig, junge Menschen zu erreichen, und wenn nur ein MĂ€dchen oder ein Junge mit Migra-Background sagt: 'Hey, die Frau da im Radio oder im Podcast hat einen auslĂ€ndischen Namen und wenn sie das kann, dann kann ich das auch', oder durch mich als eine von vielen, die das öffentlich-rechtliche Programm reprĂ€sentiert, versteht, dass wir Programm fĂŒr alle machen, dann hab ich schon viel von dem erreicht, was ich erreichen wollte. Das macht mich stolz, glĂŒcklich und dankbar."

Zweiter Preis: Rebecca Barth (WDR)

Rebecca Barth berichtet seit Juni 2022 aus Kiew fĂŒr den ARD-Hörfunk unter anspruchsvollen politischen und sicherheitsrelevanten Bedingungen. Ihre BeitrĂ€ge ordnen die Entwicklungen des Krieges differenziert ein. Dabei verknĂŒpfen sie aktuelle politische und militĂ€rische Ereignisse mit langfristigen Folgen fĂŒr die Gesellschaft. Mit prĂ€ziser Recherche, klarer Sprache und einer respektvollen AnnĂ€herung an sensible Themen macht sie die LebensrealitĂ€t in einem Land im Dauerzustand des Krieges hörbar und nachvollziehbar. "Deine StĂ€rke liegt dabei in einer seltenen Balance zwischen analytischer Distanz und menschlicher NĂ€he. Du hörst zu, ohne zu vereinnahmen. Du ordnest ein, ohne zu belehren. Du schaffst Empathie, ohne Emotionen zu instrumentalisieren", sagt hr-Programmdirektorin Julia Krittian in ihrer Laudatio. Rebecca Barth wahrt analytische Distanz, ohne die menschliche Perspektive aus dem Blick zu verlieren, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum VerstĂ€ndnis der Lage in der Ukraine. Rebecca Barth: "Ich möchte mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Dokumentation des grĂ¶ĂŸten Krieges in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg leisten."

Dritter Preis: Luisa Meyer (DLR)

Wie kann Gott zulassen, dass im Gazastreifen Kinder sterben, warum hat die evangelische Kirche eine unerledigte Machtfrage und wieso ist Papst Leo XIV. aus politischer Sicht eine bemerkenswerte Wahl? Themen, die im jungen Journalismus oft weniger im Fokus stehen - und genau die, denen sich Luisa Meyer widmet. Seit Februar 2024 ist Luisa Meyer Redakteurin des Religionsmagazins "Tag fĂŒr Tag" und des Features "Aus Religion und Gesellschaft" im Deutschlandfunk. Sie moderiert und plant die Sendungen, sie recherchiert und ist selbst Autorin. "Wir wĂŒrdigen hier heute als Jury eine junge Frau, die sich bewusst gegen den einfachen Weg entscheidet - und zeigt, wie wertvoll es ist, wenn junge Journalistinnen den Anspruch haben, schwierige Themen nicht zu vermeiden, sondern sie klug, kritisch und fundiert zu erzĂ€hlen", sagt sr-Programmdirektorin Sonja von Struve in ihrer Laudatio. Sie erfasst die Bedeutung von Religion in der modernen Gesellschaft und deren Auswirkung auf aktuelle politische Ereignisse mit erstaunlich klarem Blick und schaut genau dann hin, wenn das öffentliche Interesse nachlĂ€sst. Luisa Meyer: "In meiner Arbeit als Religionsredakteurin finde ich immer wieder inspirierend, dass wir in unseren Formaten Geschichten von Menschen erzĂ€hlen, die auf religiöser Suche sind, die von Religion erfĂŒllt sind und daraus Kraft schöpfen. In meiner Arbeit geht es mir aber auch darum, zu recherchieren, wie Religion missbraucht werden kann."

Dritter Preis: Mia von Hirsch (hr)

Audiojournalismus kann individuelle Erfahrungen erlebbar machen und gleichzeitig gesellschaftliche Fragen verstĂ€ndlich einordnen - dafĂŒr steht die Arbeit von Mia von Hirsch. Sie ist Teil der Kultur-Unit des hr und des crossmedialen Reporterteams X-Lab im Programmbereich Hesseninformation. Damit bewegt sie sich mitten in der aktuellen hessischen Landesberichterstattung. Gleichzeitig berichtet sie regelmĂ€ĂŸig fĂŒr die ARD aus und ĂŒber die USA und verbindet regionale Perspektiven mit internationalen Themen. Mit Menschenkenntnis und Empathie erzĂ€hlt sie Perspektiven von Pfandsammlern und Brandopfern, SchlagerkĂŒnstlern und DrogenabhĂ€ngigen so, dass sie gleichermaßen bewegen und informieren. "Man merkt in ihren Interviews, dass sie die FĂ€higkeit hat, nah an die Menschen heranzukommen, sodass sie das Mikrofon gar nicht mehr wahrnehmen und offen und ungeschönt erzĂ€hlen, was sie beschĂ€ftigt und wer sie sind", sagt Sonja von Struve in ihrer Laudatio. Sie gewinnt das Vertrauen unterschiedlichster GesprĂ€chspartnerinnen und -partner und macht deren Perspektiven fĂŒr ein breites Publikum hörbar. Mia von Hirsch: "Von Barrierefreiheit, ĂŒber eine Sekte, den KI-Einsatz in der Strafverfolgung bis hin zu gefĂ€hrdeten Wildbienen - ich durfte schon zu den unterschiedlichsten Themen recherchieren. Immer mit dem Ziel, relevante Geschichten zu den Menschen zu bringen, ob linear im Radio und Fernsehen oder digital auf Social-Media-Plattformen."

Vierter Preis: Sophie Anggawi (Radio Bremen)

Hörfunk als Chance statt als Auslaufmodell - diese Überzeugung vertritt die Radiomoderatorin, Social-Media-Host fĂŒr Bremen Zwei und Cosmo, crossmediale Reporterin und Podcast-Moderatorin Sophie Anggawi. Eine Chance, Menschen wirklich zu erreichen: die, mit denen sie spricht, und die, die sie erreichen will. "Sie macht Journalismus nicht zugĂ€nglich, indem sie ihn vereinfacht. Sie macht ihn zugĂ€nglich, indem sie Verbindungen herstellt", sagt Antonia Ansari aus der hr-Programmdirektion in ihrer Laudatio. Sie fĂŒhrt GesprĂ€che authentisch und radikal ehrlich und begibt sich dafĂŒr selbst auf die Suche. Sie lĂ€sst sich in einer Buchhandlung einschließen, bewegt sich auf der Suche nach der Geschichte des Einwanderungslands Deutschland "unter Almans", strickt im Kino und schaut dabei ganz genau hin. Zugewandt, nah, ehrlich. Sophia Anggawi: "Radio kann so viel - allen voran, nahbar sein. In meiner Arbeit als Radio-Moderatorin, -Reporterin und -Redakteurin empfinde ich es als große Freude und Verantwortung, fĂŒr unsere Hörer*innen gut recherchierte Themen sauber, spannend und gleichzeitig menschlich aufzuarbeiten. Gerade in Zeiten von KI braucht es Radioprogramme, die diese menschliche NĂ€he vermitteln."

Zum Kurt-Magnus-Preis

Mit dem Kurt-Magnus-Preis zeichnet die ARD junge Journalistinnen und Journalisten aus, die im Audiobereich arbeiten. Die Auszeichnung wird seit 1962 verliehen und gehört zu den renommiertesten Preisen fĂŒr Hörfunk und Audiojournalismus in Deutschland. Unter der FederfĂŒhrung des Hessischen Rundfunks wĂŒrdigt eine ARD-weite Jury medienĂŒbergreifende Arbeiten und unterstĂŒtzt gezielt die Förderung des journalistischen Nachwuchses. Die Jury fĂŒr den Kurt-Magnus-Preis bilden Sonja von Struve (SR), Jan Weyrauch (rb) und Jury-Vorsitzende Julia Krittian (hr). Der erste Preis geht in diesem Jahr an Selin "Selly" Kahya vom rbb (Dotierung: 7.000 Euro), der zweite Preis an Rebecca Barth vom WDR (Dotierung: 5.000 Euro), der dritte Preis an Mia von Hirsch vom hr und an Luisa Meyer vom Deutschlandradio (Dotierung: je 4.000 Euro), der vierte Preis geht an Sophie Anggawi von Radio Bremen (Dotierung: 3.000 Euro).

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