Hochpreis-Mythen in der Beauty-Branche: Warum viele Studios an unrealistischen Preisversprechen scheitern
26.11.2025 - 14:24:18Was auf PrĂ€sentationen und in VerkaufsgesprĂ€chen beeindruckend wirkt, hĂ€lt in der RealitĂ€t oft nicht stand. Viele der gĂ€ngigen Hochpreis-Versprechen basieren auf idealisierten Annahmen, die mit dem tatsĂ€chlichen Markt nur wenig zu tun haben. Dieser Beitrag zeigt deshalb, warum diese Mythen so ĂŒberzeugend klingen und weshalb Studios, die sich darauf verlassen, schnell an ihre Grenzen stoĂen.
Warum schöne Kalkulationen selten stimmen
Viele Hochpreis-Versprechen beginnen mit perfekten Rechenbeispielen. Auf Folien sieht man dann Szenarien, in denen jedes neue GerĂ€t sofort zusĂ€tzliche UmsĂ€tze bringt, jede zehnte Interessentin ohne Zögern eine hochpreisige Behandlung bucht und der Markt scheinbar nur darauf wartet, dass man das neue Angebot startet. Diese Beispiele wirken logisch. Sie vermitteln das GefĂŒhl, dass Erfolg vor allem eine Frage der richtigen Technik sei.
In der Praxis zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild. Der erste Schwung an Buchungen kommt fast immer aus der bestehenden Stammkundschaft. Diese Kundinnen sind neugierig, vertrauen bereits dem Studio und probieren neue Behandlungen gern aus. Genau dieser anfĂ€ngliche Erfolg verstĂ€rkt schnell den Eindruck, dass die Herstellerprognosen stimmen könnten. Doch dieser Effekt ist trĂŒgerisch. Er funktioniert nur innerhalb der warmen Zielgruppe â also bei Menschen, die das Studio bereits kennen. Sobald man ĂŒber diesen Kreis hinausgeht und versucht, neue Kundinnen zu erreichen, treffen die idealisierten Theorien auf die RealitĂ€t. Und genau an dieser Stelle wird oft sichtbar, wie groĂ die LĂŒcke zwischen Wunschvorstellung und tatsĂ€chlichem Markt ist.
Warum hohe Erstpreise neue Kundinnen abschrecken
Der gröĂte Hochpreis-Mythos entsteht dort, wo Studios davon ausgehen, dass Neukundinnen Ă€hnlich entscheiden wie ihre Stammkundschaft. In der RealitĂ€t könnten beide Gruppen jedoch kaum unterschiedlicher sein. Stammkundinnen kennen das Studio, sie haben bereits gute Erfahrungen gemacht und wissen, was sie erwartet. FĂŒr sie fĂŒhlt sich ein höherer Preis oft nachvollziehbar oder zumindest gerechtfertigt an, weil Vertrauen die Unsicherheit ĂŒberdeckt.
Neukundinnen dagegen stehen an einem völlig anderen Punkt. Sie sehen das Studio zum ersten Mal, vielleicht in einer Anzeige, vielleicht in einem schnellen Social-Media-Scroll. Innerhalb weniger Sekunden bilden sie sich einen ersten Eindruck â nicht auf Basis von QualitĂ€t, sondern ausschlieĂlich anhand von Bildern, Texten, AtmosphĂ€re und Preis. Fachliche Kompetenz lĂ€sst sich in so kurzer Zeit kaum erkennen. Der Preis hingegen springt sofort ins Auge und wirkt direkt auf die Frage: âWie groĂ ist das Risiko fĂŒr mich?â
Ein hoher Einstiegspreis verstĂ€rkt dieses Risikoempfinden deutlich. Die Kundin weiĂ nicht, wie gut die Behandlung wirklich ist, ob das Ergebnis ihren Erwartungen entspricht oder ob sie am Ende enttĂ€uscht herausgeht. Ohne Erfahrungswerte oder vertrauensbildende Anhaltspunkte fĂŒhlt sich ein hoher Preis wie ein Wagnis an. Psychologisch bedeutet das: Je kĂ€lter die Zielgruppe, desto gröĂer das innere Risiko. Ein hoher Erstpreis signalisiert in diesem Moment nicht automatisch âPremiumâ, sondern hĂ€ufig schlicht Unsicherheit. Erst wenn Vertrauen entstanden ist, durch ein erstes gutes Erlebnis, sichtbare Ergebnisse oder eine Empfehlung, steigt die Bereitschaft, mehr zu investieren.
Was in GroĂstĂ€dten funktioniert und warum es woanders oft scheitert
Ein weiterer Mythos entsteht, weil viele Preisempfehlungen aus völlig anderen Marktumfeldern stammen als denen, in denen die meisten Studios tatsĂ€chlich arbeiten. In PrĂ€sentationen werden gern Erfolgsbeispiele aus GroĂstĂ€dten gezeigt: Orte mit hoher Kaufkraft, dichter Bevölkerung und einer Zielgruppe, die es gewohnt ist, mehr Geld fĂŒr Beauty-Behandlungen auszugeben. ĂbertrĂ€gt man diese Zahlen jedoch auf kleinere StĂ€dte, Vororte oder lĂ€ndliche Regionen, verliert die Kalkulation schnell den Bezug zur RealitĂ€t.
Studios in solchen Gebieten haben meist ein klar begrenztes Einzugsgebiet. Die Zahl der potenziellen Kundinnen ist kleiner, und viele entscheiden sich aus ganz pragmatischen GrĂŒnden fĂŒr Angebote in ihrer direkten Umgebung. Gleichzeitig gibt es oft mehrere Studios, die Ă€hnliche Leistungen anbieten und das zu Preisen, die fĂŒr diese Regionen ĂŒblich sind. In diesem Umfeld reichen ein neues GerĂ€t oder gute Technik allein nicht aus, um dauerhaft höhere Preise durchzusetzen.
AuĂenauftritt und Preis: Was Kundinnen wirklich sehen
Viele Studios wirken nach auĂen zudem austauschbar. Nicht, weil sie fachlich schlecht wĂ€ren, sondern weil ihr Auftritt â Fotos, Social Media, Website â sich kaum von den lokalen Mitbewerbern unterscheidet. Wenn Kundinnen keinen klaren Unterschied erkennen können, orientieren sie sich am sichtbarsten Faktor: dem Preis. Die innere Ăberzeugung âIch bin mehr wertâ reicht in solchen Momenten nicht aus, wenn der Markt diesen Mehrwert nicht erkennt.
Genau hier entsteht die Diskrepanz zwischen Hochglanzlogik und tatsĂ€chlicher regionaler Kaufkraft. Preisempfehlungen, die in Berlin, Wien oder ZĂŒrich funktionieren mögen, werden in kleineren Regionen nicht automatisch akzeptiert. Wer die eigene Marktsituation nicht berĂŒcksichtigt, lĂ€uft Gefahr, Erwartungen aufzubauen, die das Umfeld nicht tragen kann.
Warum die Mythen so hartnÀckig bleiben
Hochpreis-Mythen halten sich so lange, weil sie eine einfache Lösung versprechen. Sie klingen nach wenig Aufwand, schnellen Ergebnissen und einer Amortisation, die fast von selbst passiert. Diese Vorstellungen sind verfĂŒhrerisch, denn sie verknĂŒpfen Hoffnung mit der eigenen Investition und niemand möchte glauben, dass sich ein teures GerĂ€t oder eine groĂe Schulung nicht wie erwartet auszahlt.
Was einen hohen Preis tatsÀchlich rechtfertigt
Was dabei oft ĂŒbersehen wird, sind die Marktmechanismen, die tatsĂ€chlich darĂŒber entscheiden, ob ein Preis akzeptiert wird oder nicht. Hohe Preise funktionieren nur in zwei Situationen: Entweder das Studio verfĂŒgt ĂŒber eine starke, sichtbare Marke, die sofort Vertrauen aufbaut und sich klar von anderen absetzt. Oder es gibt eine stabile Nachfrage, die durch gute Ergebnisse, positive Erfahrungen und echte Weiterempfehlungen entsteht. Fehlen diese Grundlagen, geraten Studios mit hohen Einstiegspreisen schnell unter Druck.
Die hartnĂ€ckigste TĂ€uschung besteht darin zu glauben, ein hoher Preis sei automatisch ein Ausdruck von Wert. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Ein Preis wird nur dann akzeptiert, wenn die Kundin den Wert klar erkennen kann, nicht, wenn sie ihn nur erahnen soll. Genau an diesem Punkt scheitern viele der glĂ€nzenden Versprechen, die zuvor so ĂŒberzeugend wirkten.
Ein realistischer Blick auf diese ZusammenhĂ€nge schĂŒtzt Studios vor Fehlentscheidungen und bewahrt davor, dass groĂe Erwartungen zu finanziellen Belastungen werden. Preise mĂŒssen zur Nachfrage, zum Vertrauen in die Marke und zu den tatsĂ€chlichen Marktbedingungen passen. Wer das versteht, durchschaut Hochpreis-Mythen als das, was sie sind: vereinfachte Modelle, die in der RealitĂ€t nur selten funktionieren.
Ăber Banu Suntharalingam:
Banu Suntharalingam ist GrĂŒnderin und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Beautyholic. Gemeinsam mit ihrem Team hilft sie selbststĂ€ndigen Kosmetikerinnen und Inhaberinnen von Kosmetikstudios zum geschĂ€ftlichen Erfolg. Dabei hat sie sich auf die Kundengewinnung spezialisiert. Weitere Informationen unter: https://beautyholic.de/
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