Traumatisierte, Einsatzveteranen

Traumatisierte Einsatzveteranen kÀmpfen um Anerkennung und EntschÀdigung durch Bundeswehr

15.05.2025 - 06:00:00

Hamburg - Hunderte traumatisierte Einsatzveteranen ringen mit der Bundeswehr um Anerkennung ihrer Erkrankung und EntschĂ€digung. Nach Recherchen des NDR lehnt die Bundeswehr 30 Prozent aller AntrĂ€ge auf Anerkennung einer WehrdienstbeschĂ€digung wegen psychischer Erkrankungen wie Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ab. Hunderte FĂ€lle sind in Widerspruchsverfahren oder auch vor Gerichten Gegenstand oft langjĂ€hriger Auseinandersetzungen. EinsatzgeschĂ€digte haben laut Bernhard Drescher, dem Vorsitzenden des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, einen „dritten Krieg“ zu bewĂ€ltigen, der sehr belastend sei: „Neben den Erfahrungen im Einsatz, neben ihrem Krieg im Kopf durch die Erkrankung jetzt auch den Verwaltungskrieg.“ Der PTBS-Beauftragte der Bundeswehr Peter Zimmermann hĂ€lt hingegen das System der Bundeswehr fĂŒr „eines der fĂŒrsorglichsten Systeme ĂŒberhaupt in der Welt. Wir haben immer mal wieder Menschen, die auch mal durchs Raster fallen, was aber ganz sicher kein böser Systemwille ist, sondern eine FehleinschĂ€tzung, sowas kann tatsĂ€chlich in jedem System passieren.“

Die Bundeswehr erreicht allerdings mit ihren Behandlungsangeboten selbst nach eigenen SchĂ€tzungen nur 10 bis 20 Prozent der PTBS-kranken EinsatzgeschĂ€digten. Damit könne man jedoch nicht zufrieden sein, rĂ€umt der PTBS-Beauftragte Zimmermann im Interview mit dem NDR ein, „denn eine psychische Erkrankung, die ĂŒber lĂ€ngere Zeit schwelt, ist zwar dann immer noch behandelbar, aber es wird nicht unbedingt leichter, weil viele Mechanismen chronifiziert sind.“ Bundeswehreinrichtungen registrierten nach Berechnungen des NDR seit 2011 knapp 2800 einsatzbedingte PTBS-Erkrankungen. Nach SchĂ€tzungen auf Basis einer Bundeswehrstudie dĂŒrften aber mindestens 13.000 Soldaten nach AuslandseinsĂ€tzen PTBS entwickelt haben. Oftmals wird die Diagnose jedoch erst nach Ende der Dienstzeit von zivilen Ärzten gestellt.

WehrdienstbeschĂ€digungsverfahren wegen psychischen Erkrankungen dauern deutlich lĂ€nger als Verfahren wegen körperlicher SchĂ€den. Durchschnittlich vergehen 22 Monate bis zum ersten Bescheid. Oft folgen WidersprĂŒche und Prozesse, die sich manchmal auch mehr als zehn Jahre hinziehen. Allein der bundesweit bei diesen Verfahren fĂŒhrende Wehrrechtler Arnd Steinmeyer hat nach eigenen Angaben mehrere hundert FĂ€lle jĂ€hrlich gezĂ€hlt. „Wir wollen auf der einen Seite Soldaten haben, die fĂŒr die Gesellschaft in EinsĂ€tze ziehen und das Land verteidigen“, so der LĂŒneburger Anwalt mit Blick auf die Nachwuchswerbung fĂŒr die Landes- und BĂŒndnisverteidigung. „Dann muss man sich auf der anderen Seite aber auch sehr großzĂŒgig um diese Soldaten kĂŒmmern und kann sie dann nicht in ganz kleinteilige Verfahren reinlaufen lassen und am langen Arm verhungern lassen.“

NDR Info lĂ€sst in dem Podcast „Killed in Action – Trauma Bundeswehr“ drei Traumatisierte sowie Fachleute und Bundeswehrvertreter zu Wort kommen. Die fĂŒnf Folgen werden ab dem 15. Mai als Sonderformat des NDR Info Podcasts „StreitkrĂ€fte und Strategien“ in der ARD Audiothek und auf weiteren Podcast-Plattformen veröffentlicht (http://ots.de/Enpqc6). Im Radioprogramm von NDR Info lĂ€uft die neue Staffel ab 18. Mai um 11.04 Uhr und in Wiederholung um 17.04 Uhr. Das ARD-Magazin „Panorama“ (NDR) berichtet heute um 21.45 Uhr im Ersten – im Fokus steht dort die einsatzgeschĂ€digte LuftlandesanitĂ€terin Annika Schröder.

In der ARD-Sendung „Mitreden! Deutschland diskutiert“ auf allen ARD-Infowellen und im YouTube-Kanal der tagesschau debattiert Nina Zimmermann ab 20.15 Uhr ĂŒber das Thema „Abwehrbereit oder ausgebrannt: MĂŒssen wir Soldat*innen mehr wertschĂ€tzen?“ mit dem EinsatzgeschĂ€digten Robert MĂŒller aus dem Podcast sowie NDR-Autor Christoph Heinzle und Bundeswehrvertretern. Beteiligen können sich Hörer*innen telefonisch unter 08000 44 17 77, per E-Mail-Formular und im YouTube-Chat. Weitere Infos dazu hier: https://ots.de/SB7QYQ

Der NDR Info Podcast „Killed in Action“ beschĂ€ftigt sich seit 2019 mit verschiedenen Aspekten des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan, jetzt in der vierten Staffel. Die ehemaligen ARD-SĂŒdasienkorrespondenten Christoph Heinzle und Kai KĂŒstner sind fĂŒr den Podcast 2020 mit dem Medienpreis des Reservistenverbandes „Goldener Igel“ ausgezeichnet worden. An „Trauma Bundeswehr“ haben auch SugĂĄrka Sielaff und Timo Robben mitgearbeitet.

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