Netanjahu, Gaza-Offensive

Netanjahu kĂŒndigt Gaza-Offensive «in kommenden Tagen» an

14.05.2025 - 03:46:06 | dpa.de

In Katar laufen Verhandlungen ĂŒber eine neue Waffenruhe im Gaza-Krieg. Sie sollen aber «unter Feuer» gefĂŒhrt werden, wie Israels Regierung betont. Der UN-Nothilfechef warnt vor einem «Völkermord».

  • Bei dem nĂ€chtlichen Angriff wurde das Nasser-Krankenhaus in Chan Junis beschĂ€digt. - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa
    Bei dem nÀchtlichen Angriff wurde das Nasser-Krankenhaus in Chan Junis beschÀdigt. - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa
  • Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu bleibt bei seiner harten Linie gegenĂŒber der Hamas. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Israeli Government Press Office/AP/dpa
    Israels MinisterprĂ€sident Netanjahu bleibt bei seiner harten Linie gegenĂŒber der Hamas. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Israeli Government Press Office/AP/dpa
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Die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen muss sich auf eine neue großangelegte Offensive Israels zur Zerschlagung der palĂ€stinensischen Terrororganisation Hamas einstellen. Der Einsatz solle «in den kommenden Tagen» beginnen, kĂŒndigte der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu gestern an. Ziel sei es, die Hamas vollstĂ€ndig zu besiegen und die verbliebenen Geiseln in ihrer Gewalt zu befreien. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher kritisierte Israels Umgang mit dem nach außen abgeriegelten KĂŒstengebiet scharf und warnte vor einem «Völkermord».

Eine neue MilitĂ€roffensive dĂŒrfte die Notlage der Menschen im dicht besiedelten und nach mehr als anderthalb Jahren Krieg großflĂ€chig zerstörten Gazastreifen weiter verschĂ€rfen. Schon jetzt seien 2,1 Millionen PalĂ€stinenser wegen zurĂŒckgehaltener humanitĂ€rer Hilfe vom Hungertod bedroht, mahnte Fletcher. «Israel schafft bewusst und schamlos unmenschliche Bedingungen fĂŒr die Zivilbevölkerung in den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten», sagte er vor dem UN-Sicherheitsrat bei einer Sitzung in New York.

«Welche Beweise brauchen Sie jetzt noch?», fragte Fletcher in die Runde des mÀchtigsten UN-Gremiums. «Werden Sie entschlossen handeln, um Völkermord zu verhindern und die Einhaltung des humanitÀren Völkerrechts zu gewÀhrleisten? Oder werden Sie stattdessen sagen: "Wir haben alles getan, was wir konnten"?»

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron ĂŒbte ebenfalls heftige Kritik. «Was die Regierung von Benjamin Netanjahu aktuell macht, ist inakzeptabel», sagte er im Sender TF1. HumanitĂ€re Hilfe aus Frankreich und anderen LĂ€ndern fĂŒr die Bevölkerung in Gaza werde von Israel blockiert. Die humanitĂ€re Krise sei verheerend, es gebe kein Wasser und keine Medikamente. Macron sprach von einer Schande.

Auch BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier betonte laut einer Sprecherin bei einem Treffen mit Netanjahu in Jerusalem die Dringlichkeit, «den Zugang der Bevölkerung in Gaza zu humanitÀren Hilfen wieder zu gewÀhrleisten».

Netanjahu: Wir gehen im Gaza-Krieg «bis zum Ende»

Netanjahu sagte bei einem Treffen mit verwundeten Reservisten, die Zerschlagung der Hamas und die Befreiung der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln gehörten untrennbar zusammen. «In den kommenden Tagen werden wir mit voller Kraft hineingehen, um die Kampagne zu vollenden», versprach er. Selbst wenn die Hamas anbiete, weitere Geiseln freizulassen, werde Israel den Krieg nicht beenden. Eine zeitlich begrenzte Waffenruhe sei möglich, nicht aber ein dauerhaftes Ende der KÀmpfe.

Die Armee hatte zuletzt mit der Mobilisierung zehntausender Reservisten begonnen. Israelische Medien berichteten aber, vor einer neuen Offensive solle noch das Ende des dreitÀgigen Besuchs von US-PrÀsident Donald Trump in der Golfregion abgewartet werden, der am Dienstag in Saudi-Arabien begann und weitere Stopps in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten vorsieht.

Er gehe davon aus, dass mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung den Gazastreifen verlassen wĂŒrde, wenn entsprechende Ausreisemöglichkeiten bestĂŒnden, sagte Netanjahu. Israel arbeite derzeit daran, Drittstaaten fĂŒr eine Aufnahme der Menschen zu gewinnen. Viele PalĂ€stinenser fĂŒrchten eine neue Welle der Flucht und Vertreibung aus dem Gazastreifen, Ă€hnlich wie wĂ€hrend des Kriegs im Zuge der israelischen StaatsgrĂŒndung 1948 und wĂ€hrend des Sechstagekriegs 1967. 

Weitere Gaza-Verhandlungen in Katar

Die von den USA, Ägypten und Katar vermittelten indirekten GesprĂ€che zwischen Israel und der Hamas gerieten vor einigen Monaten ins Stocken. Nun landete ein Team israelischer UnterhĂ€ndler Medienberichten zufolge in Katars Hauptstadt Doha zu einer neuen Verhandlungsrunde. Geplant ist demnach, dass auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Geisel-Beauftragter Adam Boehler an den GesprĂ€chen teilnehmen. 

Netanjahu hatte angekĂŒndigt, die Verhandlungen sollten «unter Feuer» gefĂŒhrt werden. Eine von Israel geforderte Entwaffnung der Hamas lehnt die Islamisten-Organisation ab. Sie fordert als Bedingung fĂŒr eine Freilassung der verbliebenen Geiseln ein vollstĂ€ndiges Ende des Gaza-Kriegs.

Luftangriffe auf Kliniken in Gaza

Derweil geht das Blutvergießen in Gaza weiter. In der Nacht meldeten palĂ€stinensische Quellen einen israelischen Luftangriff auf Dschabalija, bei dem es Dutzende Opfer gegeben haben soll. Zuvor hatten Luftangriffe auf zwei KrankenhĂ€user im SĂŒden des Gebiets nach Klinikangaben mindestens 19 Menschen getötet. Nach Angaben der israelischen Armee handelte es sich um einen gezielten Angriff auf Hamas-Terroristen - das MilitĂ€r wirft den Islamisten seit langem vor, KrankenhĂ€user fĂŒr Terrorzwecke zu missbrauchen. Ein Hamas-Sprecher wies diese Darstellung zurĂŒck. Die Angaben beider Seiten konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Besonders im Fokus stand ein mutmaßlicher Angriff auf Mohammed al-Sinwar, den jĂŒngeren Bruder des im Oktober 2024 getöteten Hamas-AnfĂŒhrers Jihia al-Sinwar. Ob er unter den Toten bei dem Angriff auf das EuropĂ€ische Krankenhaus in Chan Junis ist, blieb zunĂ€chst unklar. Nach der Tötung des Hamas-MilitĂ€rchefs Mohammed Deif im Juli vergangenen Jahres durch das israelische MilitĂ€r hatte Mohammed al-Sinwar die FĂŒhrung des bewaffneten Hamas-Arms, der Kassam-Brigaden, ĂŒbernommen. 

Sollte er nun tot sein, könnte das die VerstĂ€ndigung auf eine Waffenruhe und ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln erleichtern, sagte ein israelischer Regierungsvertreter der «Jerusalem Post». Al-Sinwar sei der extremste Akteur aufseiten der Hamas gewesen, was deren Verhandlungsposition angeht. «Wenn er nicht mehr dabei ist, dĂŒrfte das den BemĂŒhungen um ein Abkommen zutrĂ€glich sein.»

Auch die israelische Attacke auf das Nasser-Krankenhaus in Chan Junis in der Nacht zu Dienstag galt laut Darstellung des MilitÀrs Hamas-Terroristen. Dabei wurden palÀstinensischen Angaben zufolge drei Menschen getötet. Die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa sprach von einem «gezielten Angriff» auf den palÀstinensischen Journalisten Hassan Eslaiah, der wegen Verletzungen in der Klinik behandelt worden sei. 

Eslaiah (andere Schreibweisen: Aslieh/Aslih) war bereits im vergangenen Monat bei einem Angriff in der NĂ€he des Nasser-Krankenhauses schwer verletzt worden. Israels Armee sagte damals, der PalĂ€stinenser habe sich am 7. Oktober 2023 am Hamas-Massaker in Israel beteiligt. Er sei dabei auf israelisches Gebiet vorgedrungen und habe auch Aufnahmen von Morden, Brandstiftungen und PlĂŒnderungen angefertigt und in sozialen Medien veröffentlicht. Als freier Journalist lieferte er unter anderem der Nachrichtenagentur AP Fotos, von denen einige wenige im Oktober 2023 dann auch in den dpa-Bildfunk einliefen.

Neue Raketenangriffe auf Israel

Erstmals seit lĂ€ngerer Zeit wurden aus dem Gazastreifen auch wieder Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Zwei Geschosse wurden nach MilitĂ€rangaben abgefangen, ein drittes schlug in offenem GelĂ€nde ein. Außerdem fing die israelische Armee nach eigenen Angaben erneut eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete ab. Die mit der Hamas verbĂŒndeten Islamisten der Huthi-Miliz teilten mit, Ziel ihrer Attacke sei der Flughafen der KĂŒstenmetropole Tel Aviv gewesen. 

Der Angriff ereignete sich wĂ€hrend des Besuchs von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier in Israel. Steinmeier, seine Frau Elke BĂŒdenbender und Teile der Delegation wurden in den Luftschutzraum ihres Hotels gebracht. Dort verbrachten sie etwa 15 Minuten. Zum Zeitpunkt der Attacke hatten die GĂ€ste aus Deutschland gerade zum Abendessen in die Residenz von Israels PrĂ€sident Izchak Herzog aufbrechen wollen, was sie dann verspĂ€tet taten.

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