«Mister Filmfestival»: Ex-Berlinale-Chef de Hadeln gestorben
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 12:31 Uhr, dpa.deSelbst im hohen Alter besuchte er noch die Filmfestspiele. Mit einem Stock ging Moritz de Hadeln dann über den roten Teppich in Berlin. Der Schweizer war lange Berlinale-Chef und leitete im Laufe seiner Karriere auch die Filmfestivals in Locarno und Venedig. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben, wie sein Biograf Christian Jungen - Chef des Zurich Film Festivals - bestätigte. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.
De Hadelns Zeit bei der Berlinale liegt schon eine Weile zurück, aber sie war prägend. Geboren wurde er im englischen Exeter. Zunächst arbeitete er als Filmemacher, dann leitete er das Festival in Locarno. 1979 wechselte er dann nach Berlin. Und blieb dort bis 2001 Direktor.
Sie trauerten um eine der einflussreichsten Personen der internationalen Filmkultur, teilten die Filmfestspiele in Berlin nun auf Instagram mit. Die Berlinale würdigte ihn dort als leidenschaftlichen Verfechter des Kinos.
In einer Zeit tiefgreifender politischer Veränderungen habe de Hadeln den Dialog über Grenzen hinweg gefördert, das internationale Profil des Festivals gestärkt und eine Schlüsselrolle bei der Etablierung des Branchenmarktes European Film Market gespielt, schrieb die Berlinale.
Berlin war damals noch eine geteilte Stadt
Die Berlinale ist eines der großen Filmfestivals der Welt. Als de Hadeln das Festival übernahm, war Berlin noch eine geteilte Stadt. In seine Amtszeit fielen wichtige Umbrüche. Der Fall der Berliner Mauer etwa. Oder der Umzug vom Zoo Palast zum Potsdamer Platz. Er lud die Großen der Filmwelt ein, von Regisseur Billy Wilder bis Schauspieler Leonardo DiCaprio.
Dass sich de Hadeln etwa für den chinesischen Film einsetzte, brachte ihm auch im Nachhinein Anerkennung ein. Als der Goldene Bär 1988 an Zhang Yimous Film «Rotes Kornfeld» ging, war das eine ziemliche Sensation.
Die Berlinale entwickelte er früh zur Ost-West-Drehscheibe. Mit dem deutschen Film tat er sich aber eher schwer. In den 1980ern gab es einen Aufstand deutscher Filmemacher gegen seine Auswahlpolitik. Kritiker warfen de Hadeln vor, zu viele amerikanische Filme zum Festival einzuladen. Mit den US-Filmen kamen aber auch internationale Stars, über die sich das Publikum freute.
Sein Nachfolger wurde Dieter Kosslick
Im Jahr 2000 dann die Nachricht: De Hadeln soll abgelöst werden. Seine Abberufung bewertete er als «absoluten Affront», wie er der Deutschen Presse-Agentur damals sagte. Er habe der Berlinale zu internationalem Ansehen verholfen, sowohl mit Hilfe der großen amerikanischen Studios als auch mit Hilfe der Entdeckung anderer Filmländer wie China. Nicht zuletzt habe die Berlinale die Öffnung nach Osteuropa vorausgenommen.
Sein Nachfolger wurde Dieter Kosslick, der die Berlinale ebenfalls rund zwei Jahrzehnte führte. Derzeit leitet die US-Amerikanerin Tricia Tuttle das Festival. Nach seinem Abschied aus Berlin übernahm de Hadeln das Festival in Venedig, aber nach zwei Jahren war Schluss. 2018 setzte er sich in einem Artikel für «Die Weltwoche» noch für den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein ein, der später wegen Sexualverbrechen verurteilt wurde.
Am Samstagmorgen sei de Hadeln im Spital im schweizerischen Nyon gestorben, teilte Jungen unter Berufung auf das persönliche Umfeld mit. Er hatte 2018 das Buch «Moritz de Hadeln - Mister Filmfestival» veröffentlicht. Bis zuletzt habe er mit ihm in Kontakt gestanden. Die Berlinale erinnerte bei Instagram an ihren langjährigen Chef: «Danke, Moritz de Hadeln».
