Warum Japans Prinzessin Aiko der Thron verwehrt bleibt
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 07:00 Uhr, dpa.deJapan sorgt sich um die Zukunft des Kaiserhauses. Der Erbmonarchie des Inselreichs, der Ă€ltesten der Welt, geht nĂ€mlich allmĂ€hlich der Nachwuchs aus. Nur mĂ€nnliche Nachfahren der mĂ€nnlichen Familienlinie dĂŒrfen auf den Thron. Die weiblichen Mitglieder der Familie von Kaiser Naruhito haben darauf keinen Anspruch. Auch nicht seine Tochter.Â
Dabei wĂŒnschen sich viele BĂŒrgerinnen und BĂŒrger Prinzessin Aiko (24) - das einzige Kind des Tennos und seiner Frau Masako - als kĂŒnftige Kaiserin. FĂŒr Japans erzkonservative Eliten ist jedoch die Vorstellung einer Frau auf dem Chrysanthementhron ein Graus.Â
Die Regierung von MinisterprĂ€sidentin Sanae Takaichi - der ersten Frau in diesem Amt - meint, die kaiserliche Nachfolgefrage auch ohne Frauen lösen zu können. Mit einer Revision des Kaiserhausgesetzes will sie den Weg dafĂŒr ebnen, mĂ€nnliche Mitglieder ehemaliger Seitenlinien - die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Status verloren hatten und zu Privatpersonen geworden waren - in die Kaiserfamilie aufzunehmen.Â
Wer von ihnen mindestens 15 Jahre alt und unverheiratet ist, könnte adoptiert werden. Diese Kandidaten könnten dann zwar selbst keine Kaiser werden. Aber ihre Nachkommen. Sofern mÀnnlich.
Derzeit stehen als Nachfolger fĂŒr Kaiser Naruhito (66) theoretisch nur drei Kandidaten parat: Der Bruder des Tenno, Kronprinz Akishino (60), dessen 19 Jahre alter Sohn Prinz Hisahito und Naruhitos Onkel Prinz Hitachi - der allerdings bereits 90 Jahre alt ist. Sollte Hisahito als einziger verbliebener Prinz in der jĂŒngsten Generation der Kaiserfamilie fĂŒr kein mĂ€nnliches Kind sorgen, könnte ein mĂ€nnlicher Nachkomme eines adoptierten Familienmitglieds den Chrysanthementhron besteigen. So weit die Vorstellung der Regierung.
Experten zweifeln an RegierungsplÀnen
Aber klappt das auch so? «Aus den ehemaligen Zweigfamilien kamen bisher nur - prĂ€ventive - Absagen», erklĂ€rt Sven Saaler, Professor fĂŒr moderne japanische Geschichte an der Sophia University in Tokio, der Nachrichtenagentur dpa. «Mehrere Mitglieder der infrage kommenden Familien erklĂ€rten, sie stĂŒnden fĂŒr eine Adoption nicht zur VerfĂŒgung.» Dieser Teil der GesetzesĂ€nderung, die die Regierung vor Ende der laufenden Parlamentssitzung am Freitag (17.7.) in Kraft setzen will, werde damit wohl nicht zum erhofften Ergebnis fĂŒhren.
So sieht das auch der Kaiserhaus-Experte Ernst Lokowandt. Die fĂŒr eine Adoption ins Kaiserhaus infrage kommenden Mitglieder der ehemaligen Seitenlinien seien schlieĂlich als Privatpersonen geboren und aufgewachsen. «Die reinzuholen, ist sehr, sehr schwierig», sagt der Experte. SchlieĂlich mĂŒssten sie bereit sein, ihre Freiheit gegen das von uralten Traditionen geprĂ€gte und streng geregelte Leben hinter den Palastmauern zu tauschen.Â
Auch Atsushi Nito, emeritierter Professor am Nationalmuseum fĂŒr japanische Geschichte hat da seine Zweifel. Es sei zudem fraglich, ob die Ăffentlichkeit dies akzeptieren wĂŒrde, sagte er der Zeitung «Mainichi Shimbun». Um die Thronfolge realistisch betrachtet zu sichern, sollte seiner Ansicht nach der erste Schritt sein, Frauen aus der mĂ€nnlichen Linie die Thronfolge zu ermöglichen. Ein Blick in Japans Geschichte zeigt ohnehin, dass es bereits acht Kaiserinnen in Japan gab. Die bisher letzte war Go-Sakuramachi, die 1762 den Thron bestieg.
Geht Japans Kaiserhaus unter?
Die Zeit drĂ€ngt, denn das japanische Kaiserhaus zĂ€hlt heute nur noch 16 Mitglieder. Auch Experte Lokowandt sieht keine andere Lösung, als Frauen auf den Thron zu lassen. «Sonst geht das Kaiserhaus unter».Â
Doch ausgerechnet die Regierung Takaichi, der ersten MinisterprĂ€sidentin Japans, sieht das anders. «Die beispiellose historische Tatsache, dass die kaiserliche Linie seit 126 Generationen ĂŒber die mĂ€nnliche Linie fortbesteht, ist die Grundlage fĂŒr die AutoritĂ€t und LegitimitĂ€t des Kaisers», wurde Takaichi erst kĂŒrzlich zitiert.Â
«Wie ein Gesetz, das die BeschĂ€digung der Landesflagge unter Strafe stellt, ist das Tenno-Gesetz ein Ausdruck des unter Takaichi gewachsenen Einflusses der Erzkonservativen im Land», erklĂ€rt Axel Klein, Professor fĂŒr Politikwissenschaft an der UniversitĂ€t Duisburg-Essen, der dpa in Tokio.Â
Die Revision des Kaiserhausgesetzes zeige, «dass Geschlechtergleichberechtigung nicht zu den PrioritĂ€ten» der MinisterprĂ€sidentin gehöre, sagt Sven Saaler von der Sophia University in Tokio und kommt zu dem Schluss: «Eine Frau auf dem Kaiserthron ist mit der GesetzesĂ€nderung in noch weitere Ferne gerĂŒckt.»
