Schweres, Thema

Schweres Thema, leichter Film: AlmodĂłvar gewinnt in Venedig

08.09.2024 - 06:58:35 | dpa.de

Julianne Moore und Tilda Swinton sind die Stars des Gewinnerfilms «The Room Next Door». Neben Pedro Almodóvar machen in Venedig weitere PreistrÀger schwere Themen auf persönlicher Ebene erlebbar.

Dea Kulumbegashvili erzĂ€hlt in ihrem Film von heimlich durchgefĂŒhrten Abtreibungen. - Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa
Dea Kulumbegashvili erzĂ€hlt in ihrem Film von heimlich durchgefĂŒhrten Abtreibungen. - Foto: Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa

 

 

Venedig (dpa) - Es gehört einiges an Kunst dazu, so leichtfĂŒĂŸig vom Tod zu erzĂ€hlen wie Pedro AlmodĂłvar. Mit einem ebenso mutigen wie poetischen PlĂ€doyer fĂŒr Sterbehilfe hat der spanische Star-Regisseur den Goldenen Löwen in Venedig gewonnen. Sein Drama «The Room Next Door» erzĂ€hlt von einer todkranken Frau, die ihrem Leben selbst ein Ende setzen will - und dabei UnterstĂŒtzung von ihrer Freundin bekommt.

Tilda Swinton und Julianne Moore spielen die Hauptrollen - und seien großartig darin, urteilt Jury-PrĂ€sidentin Isabelle Huppert. Über AlmodĂłvar sagt sie: «Er bringt uns zum Nachdenken darĂŒber, was es bedeutet, am Leben zu sein und was es bedeutet, sein Leben zu beenden.» 

Nicht nur «The Room Next Door», auch die weiteren Gewinnerfilme der diesjĂ€hrigen Filmfestspiele machen schwere Themen auf persönlicher Ebene erlebbar. «Was viele Filme vereint, die wir mochten, war, dass große menschliche, soziale und auch politische Fragen anhand von Einzelschicksalen oder von Familienkonstellationen erzĂ€hlt wurden», sagte Regisseurin und Jury-Mitglied Julia von Heinz der Deutschen Presse-Agentur.

AlmodĂłvars Gewinnerfilm

Wie Zuschauer es von den Filmen AlmodĂłvars gewohnt sind, hat «The Room Next Door» außerdem eine besondere Optik – mit leuchtenden Farben und Bildkompositionen, die wie GemĂ€lde gerahmt sind. Das Drama ist zudem leichtfĂŒĂŸig, hat einige lustige Momente. 

«Der Film ist seltsamerweise nie wirklich sentimental», beschrieb es Huppert. «Der Humor zog sich durch», sagte von Heinz. Almodóvar erzÀhlt von weiblicher Freundschaft - ein Thema, das in Filmen nicht besonders hÀufig behandelt wird, wie Julianne Moore in Venedig feststellte.

Weil sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, hat Martha (Swinton) sich im Darknet eine Pille besorgt, die sie umbringen wird. Sie blickt ihrem Tod recht aufgerĂ€umt ins Auge, will aber in diesem Moment nicht allein sein. Daher bittet sie Ingrid (Moore), sie zum Sterben in ein gemietetes Haus auf dem Land zu begleiten – und im Zimmer nebenan zu sein, im «room next door», wenn sie die Pille nimmt.

In der aparten Luxusvilla angekommen, verbringen Martha und Ingrid ihre Tage damit, ĂŒber BĂŒcher und Beziehungen zu sprechen, Filme zu schauen - oder es sich auf Sonnenliegen bequem zu machen, die die beiden Frauen aussehen lassen wie ein GemĂ€lde Edward Hoppers. Von ihm hĂ€ngt ein Kunstdruck im Mietshaus. 

Almodóvars Film bleibt vor allem wegen dieser stilsicheren Inszenierung in Erinnerung - und weil er sich auf zwei grandios harmonierende Schauspielerinnen verlÀsst. Die politische Botschaft ist dem 74-JÀhrigen aber wichtig. «Der Mensch muss die Freiheit haben, zu leben und zu sterben», sagt er bei der Preisverleihung.

Filme darĂŒber, was der Krieg mit den Menschen macht

Zu den weiteren Gewinnern zĂ€hlt die italienische Regisseurin Maura Delpero, die fĂŒr ihren Film «Vermiglio» den Großen Preis der Jury erhielt. Das Historiendrama erzĂ€hlt vom Leben einer Familie in einem italienischen Bergdorf wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs. 

Der Film fokussiert sich vor allem auf die weiblichen Figuren und ihr vom Katholizismus und patriarchalen Strukturen geprĂ€gtes Leben. Sie dĂŒrfen nicht selbst ĂŒber ihr Leben bestimmen, werden vom strengen Familienvater und gesellschaftlichen Konventionen in ihre Rollen gepresst.

Den Silbernen Löwen fĂŒr die beste Regie gewann der US-Amerikaner Brady Corbet fĂŒr «The Brutalist». Das Historiendrama erzĂ€hlt von einem jĂŒdischen Architekten, der nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA ein neues Leben beginnen will. Hauptdarsteller des dreieinhalbstĂŒndigen Epos ist Adrien Brody. «Der Film handelt von einer Figur, die vor dem Faschismus flieht und dann auf den Kapitalismus trifft», beschrieb Corbet das Werk.

Einen Spezialpreis der Jury erhielt die georgische Filmemacherin Dea Kulumbegashvili fĂŒr «April». Das Drama handelt von einer FrauenĂ€rztin, die im lĂ€ndlichen Georgien illegal SchwangerschaftsabbrĂŒche durchfĂŒhrt. 

Nicole Kidman wegen Trauerfalls abwesend

Trotz dieser schweren Themen ist keiner der ausgezeichneten Filme belehrend. Stattdessen zeichnen sich alle durch eine besondere Bildgewalt aus, sie bringen dem Publikum drĂ€ngende Themen auf kunstfertige Weise nahe. «Wir brauchen das Kino, um große menschliche und soziale Fragen zu adressieren», beschreibt Julia von Heinz ihr ResĂŒmee nach elf Tagen Festival.

Und manchmal dringt wiederum das echte Leben ins Kino ein. Zu den weiteren PreistrĂ€gern zĂ€hlen Nicole Kidman und Vincent Lindon, die die Schauspiel-Auszeichnungen erhielten - doch anders als geplant konnte Kidman nicht zur Gala erscheinen. Kurz, nachdem sie in Venedig angekommen war, habe Kidman die Nachricht erhalten, dass ihre Mutter Janelle Ann gestorben ist, las die Regisseurin Halina Reijn im Namen der PreistrĂ€gerin auf der BĂŒhne vor. «Ich stehe unter Schock und muss zu meiner Familie, aber dieser Preis ist fĂŒr sie.»

 

 

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