JugendÀmter, WDR-Befragung

JugendĂ€mter: WDR-Befragung belegt Überlastung im Kinderschutz

08.01.2025 - 06:00:00

Köln - In Deutschland sind nicht nur immer mehr Kinder in Not, sondern oft auch die JugendĂ€mter, die ihnen helfen sollen. Der Mangel an erfahrenem Personal, Geld und UnterkĂŒnften fĂŒr Kinder in Not gefĂ€hrdet bei vielen deutschen JugendĂ€mtern den Kinderschutz. In einer WDR-Befragung gab mehr als die HĂ€lfte von 300 teilnehmenden Jugendamtsleitungen an, sie hĂ€tten das GefĂŒhl, unter den derzeitigen Bedingungen Kinderschutz nicht immer gut gewĂ€hrleisten zu können. In jedem zehnten Amt kam es durch Probleme wie Personal-, Geld- oder Platzmangel schon zur GefĂ€hrdung von Kindern oder Jugendlichen.

Mehr als die HĂ€lfte der antwortenden Amtsleitungen gab gegenĂŒber dem WDR an, dass ihre Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst hĂ€ufig ĂŒberlastet seien. Ein Hauptgrund dafĂŒr: ĂŒber 80 Prozent der JugendĂ€mter haben nicht genĂŒgend UnterkĂŒnfte fĂŒr Kinder in Not zur VerfĂŒgung. Die Platzsuche frisst so viel Zeit, dass Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst andere Aufgaben aufschieben mĂŒssen.

Bei 58 Prozent der antwortenden JugendĂ€mter blieben deshalb schon mal Kinder oder Jugendliche lĂ€nger als angebracht in ihren Familien. In mehreren Behörden kam es sogar vor, dass MinderjĂ€hrige in den RĂ€umen des Amts ĂŒbernachten mussten (12 Prozent).

“FĂŒr uns ist es einfach so, dass wir wirklich betteln mĂŒssen, dass diese Kinder dann nicht entweder im Hotel landen oder schlimmstenfalls wir die mit nach Hause nehmen mĂŒssen“, sagte eine Jugendamtsmitarbeiterin, die anonym bleiben will, gegenĂŒber dem WDR. Die ARD Story „JugendĂ€mter in Not: Kinder in Gefahr?“ gibt ihr und anderen Betroffenen eine Stimme und ist am 08. Januar im Ersten und in der ARD Mediathek zu sehen.

Jede vierte der 300 Jugendamtsleitungen, die an der WDR-Befragung teilgenommen haben, berichtete von großem Personalmangel im Allgemeinen Sozialen Dienst. Viele Amtsleitungen mĂŒssen dort deshalb Stellen gelegentlich mit noch unerfahrenen oder ungeeigneten Personen besetzen – und in vielen FĂ€llen ist die Zeit fĂŒr Einarbeitungen knapp.

Leidtragende dieser strukturellen Probleme der JugendĂ€mter sind hilfsbedĂŒrftige Kinder- und Jugendliche. Der Bedarf ist groß: Die Zahl der KindeswohlgefĂ€hrdungen erreichte laut Statistischem Bundesamt 2023 einen neuen Höchststand von 63.700 bestĂ€tigten FĂ€llen.

Die WDR-Befragung der JugendĂ€mter fand im Sommer 2024 statt. Angeschrieben wurden die Leitungen von insgesamt 580 deutschen JugendĂ€mtern. Den Teilnehmern wurde AnonymitĂ€t zugesichert. RĂŒckmeldungen erhielt der WDR aus allen BundeslĂ€ndern, insgesamt lag die Teilnahmequote bei 52 Prozent.

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