Ich wollte mein Leben zurĂŒck! / Pressedossier Handamputation: Erfahrungsbericht Sebastian Fenske zur OTWorld 2024
04.03.2024 - 11:05:00Vor diese Wahl gestellt, entschied sich der heute 40-JĂ€hrige fĂŒr die Amputation. "Ich wollte mein Leben zurĂŒck", erklĂ€rt Fenske. "Um fĂŒr meine Söhne da zu sein, mit ihnen zu spielen, meinem Sport nachzugehen oder meinen Beruf als Mitarbeiter im technischen Vertrieb auszuĂŒben. FĂŒr all das brauche ich zwei funktionierende HĂ€nde. Deshalb habe ich mich schnell entschlossen, auf eine gute Prothesenversorgung zu setzen."
Weitgehende Handfunktion
"Die richtige Entscheidung", wie Fenske heute betont. Inzwischen trĂ€gt er eine myoelektrische, wasserdichte Prothese, hat einen zusĂ€tzlichen Adapter mit Greifer fĂŒr grobe Arbeiten sowie zwei Adapter fĂŒr seine Hobbys Fahrrad- und Quadfahren. Damit verfĂŒge er gefĂŒhlt ĂŒber 90 bis 95 Prozent der Funktionen seiner natĂŒrlichen Hand, sagt Fenske. "Ich bin zufrieden und dankbar, dass ich heute alles ausleben kann, was mir wichtig ist. Bei den wenigen EinschrĂ€nkungen, die ĂŒbrig bleiben, frage ich entweder um Hilfe oder verzichte, weil es mir nicht wirklich wichtig ist."
"Blindes Verstehen"
FĂŒr Sebastian Fenske muss seine Prothese inklusive Akku robust, pflegeleicht und verlĂ€sslich von morgens 6:00 bis abends 21:00 Uhr funktionieren. "Mit meinem OrthopĂ€dietechniker verstehe ich mich blind. Er geht auf meine WĂŒnsche ein und weiĂ genau, was ich will. Entsprechend passgenau sind seine VorschlĂ€ge fĂŒr die Prothesenversorgung", berichtet der Familienvater. "Er zeigt mir jeweils, was in meinem individuellen Fall möglich wĂ€re. Ich wĂ€hle aus und gemeinsam erarbeiten wir uns eine passgenaue Versorgung, die mir möglichst viel Handlungsspielraum ermöglicht. Denn der Umgang mit jeder Prothese will gelernt sein." Bereits in der Rehabilitation direkt nach der Amputation, im Rehaklinikum Moritz Klinik in Bad Klosterlausnitz, habe er erlebt, wie vielfĂ€ltig Prothesen sein können und wie unterschiedlich Menschen damit umgehen. Einer meiner Mitpatienten konnte schon nach drei Wochen mit der Prothese gehen, andere konnten bis zum Schluss nicht mit der Prothese umgehen. Ich habe fĂŒr mich festgestellt, dass der erfolgreiche Umgang mit einer Prothese oft Kopfsache ist. Wer die Prothese fĂŒr sich nicht annimmt, kann auch mit der besten und teuersten Versorgung nichts anfangen", so Fenskes EinschĂ€tzung.
Hohe Motivation
Das bestĂ€tigt OrthopĂ€dietechniker OelĂner vom Markleeberger Betrieb Orthovital. "Sebastian hat von Anfang an signalisiert, dass er technikaffin ist. Er zeigte den Willen, mit der Prothesenversorgung alles, was ihm wichtig war, wieder umsetzen zu können. Das sind zwei wesentliche Voraussetzungen fĂŒr eine erfolgreiche, moderne Prothesenversorgung", betont der Spezialist fĂŒr die Versorgung mit Hand- und Armprothesen. "Je klarer ein Patient seine Erwartungen an eine Prothese Ă€uĂert, desto besser können wir diese erfĂŒllen." Wenn er ab und an ein Video von Sebastian Fenskes QuadausflĂŒgen erhalte, zeige ihm das einmal mehr, wie wichtig sein Beruf ist und motiviere ihn besonders. Er versuche, das Beste fĂŒr jeden Patienten zu erreichen und das individuell passende im Rahmen des Hilfsmittelverzeichnisses des Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) zu realisieren.
Fenskes Fazit sieben Jahre nach dem Unfall: "Ich habe mein Leben zurĂŒck!" Auch wenn selbst seine Hightech-Prothese ihm die vielfĂ€ltigen natĂŒrlichen BewegungsablĂ€ufe seiner Hand nicht vollstĂ€ndig ersetzen kann. Deshalb freut er sich immer ĂŒber neue Entwicklungen aus Industrie und Handwerk.
Wie Patienten wie Sebastian Fenske in Zukunft weltweit versorgt werden können, zeigen Experten aus Medizin, OrthopÀdie-Technik und Physiotherapie sowie Hersteller zu Weltkongress und internationaler Fachmesse OTWorld vom 14. bis 17. Mai 2024 in Leipzig.
Sebastian Fenske steht wĂ€hrend und im Anschluss an den Presserundgang zur OTWorld am 14. Mai 2024 fĂŒr Fragen zur VerfĂŒgung.
Amputationen, Arm- und Beinprothesen - Zahlen und Fakten
Ăber das DRG-VergĂŒtungssystem, das die VergĂŒtung im System der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) nach diagnosebezogen Fallpauschalen regelt, wurden in KrankenhĂ€usern in Deutschland im Jahr 2022 insgesamt knapp 73.000 Amputationen abgerechnet. Davon entfielen fast 51.000 auf die Exartikulation von FĂŒĂen, gut 16.000 auf die untere ExtremitĂ€t, rund 5.100 auf Handamputationen sowie 237 auf FĂ€lle von Exartikulation der oberen ExtremitĂ€t. Menschen nach Amputationen werden in der Regel mit individuellen Prothesen versorgt. Laut Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) bezahlten die gesetzlichen Krankenkassen 2022 knapp 1.700 Armprothesen und etwa 63.000 Beinprothesen.
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Kirsten Abel
Pressesprecherin des Bundesinnungsverband fĂŒr OrthopĂ€die-Technik
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