Leslie Mandoki, Ungarnaufstand 1956

Leslie Mandoki erinnert mit Buch an Ungarnaufstand 1956

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 12:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Musiker erinnert mit Buch, Film und Konzerten an den Ungarnaufstand von 1956 und richtet sich dabei besonders an junge Menschen. Zugleich kritisiert der 73-Jährige die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und kündigt für 2027 eine Club-Tournee an.

Mandokis Weg von Budapest nach Deutschland

  • Mandoki floh 1975 mit zwei Freunden durch den Karawankentunnel nach Österreich.
  • 1979 wurde er mit Dschinghis Khan bekannt und arbeitete später als Produzent.
  • Ab Ende April 2027 plant er eine Club-Tournee mit Gesprächen auf Augenhöhe.
  • Leslie Mandoki will mit «Sehnsucht nach Freiheit» die junge Generation erreichen und zum Dialog anregen. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • In Leslie Mandokis Buch «Sehnsucht nach Freiheit» kommen auch Zeitzeugen und Weggefährten zu Wort. - Bild: -/Verlag Herder/dpa
  • Leslie Mandoki schrieb in seinen Asylantrag, dass er mit Ian Anderson und anderen Musikern spielen wolle. Sein Traum wurde wahr. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Leslie Mandoki will mit «Sehnsucht nach Freiheit» die junge Generation erreichen und zum Dialog anregen. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa In Leslie Mandokis Buch «Sehnsucht nach Freiheit» kommen auch Zeitzeugen und Weggefährten zu Wort. - Bild: -/Verlag Herder/dpa Leslie Mandoki schrieb in seinen Asylantrag, dass er mit Ian Anderson und anderen Musikern spielen wolle. Sein Traum wurde wahr. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Leslie Mandoki verbindet Fluchtgeschichte mit Freiheitsprojekt

Leslie Mandoki erinnert mit seinem Projekt „Sehnsucht nach Freiheit“ an den ungarischen Volksaufstand von 1956 und will damit besonders junge Menschen erreichen. Der 73-jährige Musiker kritisiert gesellschaftliche Spaltung, den Einfluss sozialer Medien und die Kriege in Europa.

Kindheit im Aufstand

Mandoki erlebte die Ereignisse als Dreijähriger in Budapest. Sein Vater schloss sich den Aufständischen an; in der Familienwohnung starben nach seinen Angaben angeschossene Studenten.

Die sowjetischen Truppen schlugen den Aufstand blutig nieder. Mandoki sieht in den Ereignissen von 1956 eine wichtige Voraussetzung für die friedliche Revolution von 1989 und schreibt in seinem nun erschienenen Buch: „Ohne 1956 hätte es 1989 nie gegeben.“

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Flucht und Neubeginn im Westen

1975 floh Mandoki mit zwei Freunden zu Fuß durch den Karawankentunnel nach Österreich. Als Asylbewerber kam er ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland und beschreibt diese Erfahrung als entscheidend für seine persönliche und künstlerische Entwicklung.

1979 wurde er mit Dschinghis Khan bekannt. Später arbeitete er als Produzent mit internationalen Musikern wie Phil Collins, Lionel Richie und Jennifer Rush. Anfang der 1990er Jahre gründete er die Mandoki Soulmates.

Kritik an Deutschland

Mandoki ist deutscher Staatsbürger und sagt, Integration sei eine Bringschuld der Eingewanderten. Zugleich fordert er gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen und warnt davor, Talente durch wachsende Regulierung zu verlieren.

Auch die Medienentwicklung sieht er kritisch. Mehr wirtschaftlicher Druck führe zu mehr Output bei weniger Recherche und könne eine Anpassung an die Aufmerksamkeitslogik sozialer Medien begünstigen.

Projekt für die junge Generation

In „Sehnsucht nach Freiheit“ kommen Zeitzeugen, Weggefährten und Freunde zu Wort, darunter Christian Wulff, Peter Maffay und Michail Gorbatschow. Ein Film und Konzerte sollen das Projekt ergänzen.

Mandoki richtet sich mit dem Song „The Torch“ an seine eigene Generation, der er Versagen vorwirft. Die heutigen 17-Jährigen würden von ihr ein „Labyrinth der Krisen ohne Kompass“ erben.

Konzerte ab April 2027

Ab Ende April 2027 will Mandoki in Clubs auftreten und den Dialog mit dem Publikum suchen. Er möchte auf Augenhöhe spielen und die Besucher fragen, was Freiheit für sie bedeutet.

Der ungarische Volksaufstand begann am 23. Oktober 1956 mit Studentenprotesten in Budapest. Die Demonstrierenden forderten unter anderem den Abzug sowjetischer Truppen, freie Wahlen und Meinungsfreiheit. Nach einem vorübergehenden Rückzug schlugen sowjetische Truppen die Erhebung ab dem 4. November militärisch nieder.

Die Erinnerung daran erhält im Herbst 2026 besondere Aktualität: Der 70. Jahrestag fällt in eine Zeit, in der Europa erneut von einem Krieg geprägt ist und Fragen nach Freiheit, Selbstbestimmung und internationaler Unterstützung neu diskutiert werden. Mandoki verbindet diese historische Erfahrung mit seiner eigenen Flucht 1975 und seiner späteren Karriere in Deutschland.

Historische Erinnerung und Gegenwart

Sein Buchprojekt richtet sich ausdrücklich auch an jüngere Menschen. Dabei setzt Mandoki nicht allein auf Rückblicke, sondern auf die Verbindung von Zeitgeschichte, persönlicher Biografie, Musik und Gesprächen. Die geplante Kombination aus Buch, Film und Konzerten soll den Freiheitsbegriff aus unterschiedlichen Perspektiven zugänglich machen.

Für die gesellschaftliche Debatte liegt die Bedeutung des Projekts in dieser generationenübergreifenden Vermittlung. Mandoki kritisiert zugleich politische und mediale Entwicklungen in Deutschland und warnt vor schwindenden Chancen für junge Talente. Seine Club-Tournee ab Ende April 2027 soll den direkten Austausch mit dem Publikum in den Mittelpunkt stellen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Buch von Leslie Mandoki: „Achtung Lebensgefahr!“ - Meine Flucht in die Freiheit“ (19.10.2026)

Der Beitrag stellt Mandokis persönliche Fluchtgeschichte und seine im Buch formulierte Freiheitsbotschaft in den Mittelpunkt. Damit ergänzt er das dpa-Interview vor allem um ausführliche biografische Erinnerungen an die Flucht durch den Karawankentunnel und die ersten Jahre in Deutschland.

FOCUS online: „Ungarns Revolution 1956 und ihre Lehren für die heutige Zeit“ (19.10.2026)

Der Gastbeitrag ordnet den Ungarnaufstand in die damalige internationale Machtpolitik ein und zieht daraus Lehren für Europa und die Ukraine. Anders als Mandoki, der den Zugang über Erinnerung, Jugend und Kultur wählt, setzt der Beitrag den Schwerpunkt auf Außenpolitik und militärische Verantwortung.

Gemeinsam ist beiden Beiträgen die Verbindung von 1956 mit aktuellen Freiheits- und Sicherheitsfragen. Unterschiedlich bleibt der Zugang: persönliche Lebensgeschichte und Kulturprojekt stehen einer politischen Analyse des historischen Ereignisses gegenüber.

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