13.000 Behandlungsfehler â und kaum jemand klagt: Rechtsanwalt verrĂ€t, was Betroffene ĂŒber ihre Rechte wissen mĂŒssen
07.07.2025 - 09:11:32Der Weg zur Anerkennung eines Behandlungsfehlers ist anspruchsvoll â aber keineswegs aussichtslos. Entscheidend ist, dass Betroffene ihre Rechte frĂŒhzeitig kennen und strukturiert vorgehen. Im folgenden Beitrag erfahren Sie, wie Patienten Behandlungsfehler erkennen und ihre AnsprĂŒche durchsetzen.
Ărztliche Behandlungsfehler: HĂ€ufigkeit und Unsichtbarkeit
ZuverlĂ€ssige Daten ĂŒber Ă€rztliche Behandlungsfehler in Deutschland sind rar. Dennoch geben die Zahlen des Medizinischen Dienstes aus dem Jahr 2023 einen ersten Einblick: Ăber 13.000 VerdachtsfĂ€lle wurden ĂŒberprĂŒft, in etwa jedem vierten bestĂ€tigte sich ein Fehler mit Gesundheitsschaden. Nur rund 2.700 dieser FĂ€lle wiesen eine klare KausalitĂ€t zwischen Fehler und Schaden auf â eine Grundvoraussetzung fĂŒr SchadensersatzansprĂŒche.
Als besonders gravierend gelten die rund 150 gemeldeten sogenannten âNever Eventsâ â schwerwiegende ZwischenfĂ€lle wie Eingriffe an der falschen Körperstelle. Doch auch diese Zahlen erfassen nur jenen Teil, der den Kassen gemeldet und damit dem Medizinischen Dienst bekannt wird. Fachleute gehen davon aus, dass bis zu ein Prozent aller stationĂ€ren Behandlungen fehlerhaft verlaufen â ein Teil davon mit schwerwiegenden Folgen.
Hemmnisse bei der Aufarbeitung
Die Frage, warum viele Betroffene keine rechtlichen Schritte einleiten, lĂ€sst sich nicht pauschal beantworten. HĂ€ufig fehlt das Wissen darĂŒber, was ĂŒberhaupt als Behandlungsfehler gilt. Komplikationen werden als schicksalhaft hingenommen, Rechte auf Einsicht oder AufklĂ€rung sind vielen nicht bewusst.
Zudem besteht eine starke emotionale Hemmschwelle. Die Verbindung zum behandelnden Personal ist oft durch Vertrauen geprĂ€gt. Kritik daran wirkt fĂŒr viele wie Verrat â insbesondere nach belastenden medizinischen Eingriffen. Auch der Aufwand und die Vorstellung eines langwierigen Verfahrens wirken abschreckend.
Rechtliche und psychische Belastung
Die Beweislast fĂŒr einen Fehler liegt zunĂ€chst bei den Patientinnen und Patienten â und sie ist anspruchsvoll. Wer gesundheitlich stark beeintrĂ€chtigt ist, bringt die Kraft fĂŒr eine Auseinandersetzung oft nicht auf. Die emotionale Belastung durch Gutachten, Aussagen oder Konfrontationen mit Behandelnden wiegt zusĂ€tzlich schwer.
Dazu kommen begrenzte Erfolgsaussichten. Selbst bei anerkannten Fehlern fallen EntschĂ€digungen hĂ€ufig gering aus. Viele verzichten daher auf juristische Schritte, obwohl strukturelle VersĂ€umnisse nur so sichtbar wĂŒrden.
Hinweise ernst nehmen â mit Ruhe prĂŒfen
Trotz aller HĂŒrden lohnt es sich, bestimmte Hinweise nicht vorschnell abzutun. Unerwartete Verschlechterungen, Diagnoseverzögerungen oder mangelnde AufklĂ€rung können Hinweise auf Behandlungsfehler sein. Auch LĂŒcken in der Dokumentation oder auffĂ€llige Reaktionen nachbehandelnder Fachpersonen sind ernst zu nehmen.
Wer einen Behandlungsfehler vermutet, sollte strukturiert vorgehen: GedÀchtnisprotokoll, Akteneinsicht, Zweitmeinung und anwaltliche Beratung bilden die Grundlage. Erste Orientierung bieten auch der Medizinische Dienst oder Patientenberatungsstellen.
Erste juristische EinschÀtzung und Rolle der Gutachten
Ob eine KlÀrung Aussicht auf Erfolg hat, lÀsst sich erst nach juristischer ErsteinschÀtzung durch eine spezialisierte Kanzlei beantworten. Dabei geht es um die Bewertung der Sachlage, mögliche Beweismittel und realistische Erfolgsaussichten. Auch Fragen zu Kosten oder Finanzierungsmöglichkeiten werden geklÀrt.
Besonders wichtig ist das medizinische Gutachten â entweder durch den Medizinischen Dienst, einen privaten SachverstĂ€ndigen oder eine Schlichtungsstelle. Es entscheidet maĂgeblich darĂŒber, ob ein Verfahren weitergefĂŒhrt werden kann oder nicht.
Vergleich oder Klage: AbwÀgen mit Fachbegleitung
Viele Verfahren enden auĂergerichtlich, etwa durch einen Vergleich oder eine EntschĂ€digungszahlung. Das spart Zeit, Kosten und emotionale Belastung â vorausgesetzt, die Beweislage ist solide. Etwa zwei Drittel aller FĂ€lle werden auf diesem Weg abgeschlossen, bei rund einem Drittel kommt es zu einer EntschĂ€digung.
Kommt eine Einigung nicht zustande oder lehnt die Gegenseite jede Verantwortung ab, kann eine Klage notwendig werden. Vor allem bei schwerwiegenden SchĂ€den oder bevorstehender VerjĂ€hrung ist der Gang vor Gericht unvermeidlich. Solche Verfahren sind meist langwierig; nur bei groben Fehlern oder schweren AufklĂ€rungsversĂ€umnissen erleichtert sich die Beweislage fĂŒr die Betroffenen.
Kompetente Begleitung durch FachanwÀlte
Ein Fachanwalt fĂŒr Medizinrecht erkennt wichtige Details in der medizinischen Dokumentation, fĂŒhrt auĂergerichtliche Verhandlungen und bereitet Gerichtsverfahren gezielt vor. Auch bei der Unterbrechung von VerjĂ€hrungsfristen oder bei der Beantragung von Gutachten bietet er rechtssichere UnterstĂŒtzung.
Durch professionelle Begleitung steigt nicht nur die Chance auf Erfolg â auch emotionale und organisatorische Belastungen lassen sich besser bewĂ€ltigen. So wird die Durchsetzung berechtigter AnsprĂŒche möglich, ohne den Betroffenen zusĂ€tzlich zu ĂŒberfordern.
Ăber den Autor
Lars Lanius ist Fachanwalt fĂŒr Medizinrecht mit Kanzleistandorten in LĂŒnen, Dortmund und MĂŒnster. Mit ĂŒber 20 Jahren Erfahrung und mehr als 5.000 FĂ€llen zĂ€hlt er zu den fĂŒhrenden Experten fĂŒr Arzthaftungsrecht. Seine Spezialisierung umfasst Medizinrecht und (Personen-)Schadensrecht. Er legt groĂen Wert auf persönliche, pragmatische und kosteneffiziente Beratung und vertritt nur die GeschĂ€digten. Weitere Informationen unter: https://www.lanius.nrw/
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