ZDF-Politbarometer, MĂ€rz

ZDF-Politbarometer MĂ€rz II 2025 / Knapp drei Viertel: Union und Merz haben WĂ€hler getĂ€uscht / Mehrheit fĂŒr Lockerung der Schuldenbremse bei Verteidigungsausgaben

21.03.2025 - 09:44:23

Mainz - Nachdem die CDU/CSU und Friedrich Merz vor der Bundestagswahl hohe zusĂ€tzliche Schulden abgelehnt und nach der Wahl dann ihre Meinung zu diesem Thema mit Verweis auf die aktuelle politische Lage geĂ€ndert haben, gibt es jetzt den Vorwurf der WĂ€hlertĂ€uschung. 73 Prozent der Befragten, darunter auch 44 Prozent der CDU/CSU-AnhĂ€nger, sind der Meinung, die Union und Merz hĂ€tten damit die WĂ€hler getĂ€uscht, 25 Prozent halten den Vorwurf fĂŒr nicht berechtigt (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils "weiß nicht").

Vorbehalte gegenĂŒber Friedrich Merz als Bundeskanzler

Die Entscheidung fĂŒr ein kreditfinanziertes Finanzpaket sowie der TĂ€uschungsvorwurf haben auch Auswirkungen auf die Einstellungen zu Friedrich Merz – die Zustimmung zu ihm als Bundeskanzler ist im Vergleich zu Anfang MĂ€rz zurĂŒckgegangen: Nur 37 Prozent (MĂ€rz I: 44 Prozent) fĂ€nden es gut und 53 Prozent (MĂ€rz I: 50 Prozent) schlecht, wenn Friedrich Merz Kanzler wird. Zudem gehen mit 45 Prozent (MĂ€rz I: 53 Prozent) jetzt weniger Befragte davon aus, dass Merz seine Arbeit als Regierungschef gut machen wĂŒrde, 44 Prozent (MĂ€rz I: 37 Prozent) rechnen mit einer schlechten Leistung.

Top Ten: Merz fĂ€llt deutlich zurĂŒck

Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung ("Was halten Sie von?") steht Verteidigungsminister Boris Pistorius weiterhin mit Abstand auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 2,0 (hier und im Folgenden Vergleichswert aus MĂ€rz I: 2,2) eingestuft. Auf den PlĂ€tzen zwei und drei liegen die beiden Wiedereinsteiger Gregor Gysi mit 1,1 und Lars Klingbeil mit 0,7. Es folgen Robert Habeck mit minus 0,2 (0,1), Annalena Baerbock mit minus 0,5 (minus 0,3), Friedrich Merz, der mit minus 0,5 (0,1) deutlich zurĂŒckfĂ€llt, und Markus Söder mit klar verschlechterten minus 0,6 (minus 0,1). Auf Platz acht ist Olaf Scholz mit minus 0,7 (minus 0,7), danach Sarah Wagenknecht mit minus 1,4 (minus 1,9) und Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,5 (minus 2,6).

Mehrheit erwartet Regierungsbildung in den nÀchsten Wochen

GegenwĂ€rtig finden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD statt. Dass diese zĂŒgig zum Abschluss kommen und bereits in den nĂ€chsten Wochen eine schwarz-rote Regierung gebildet wird, erwartet eine klare Mehrheit von 71 Prozent der Deutschen. Nach EinschĂ€tzung von 21 Prozent wird die Regierungsbildung noch lĂ€nger dauern, und 5 Prozent sagen, dass es gar nicht zu einer Regierung aus CDU/CSU und SPD kommen wird.

Mit Blick auf die laufenden GesprĂ€che glauben rund zwei Drittel (68 Prozent), dass sich die CDU/CSU in den Koalitionsverhandlungen stĂ€rker durchsetzen wird, darunter nicht nur 79 Prozent der Unions-AnhĂ€nger, sondern auch Mehrheiten in den AnhĂ€ngergruppen von SPD, GrĂŒnen, Linke, BSW und FDP. Insgesamt lediglich 24 Prozent prognostizieren eine stĂ€rkere Handschrift der SPD.

Differenzierter Blick auf Schuldenpaket von CDU/CSU und SPD

Der Bundestag stimmte diese Woche fĂŒr die von Union und SPD vorgeschlagene Lockerung der Schuldenbremse bei Verteidigungsausgaben. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten und Mehrheiten in den AnhĂ€ngerschaften von CDU/CSU, SPD, GrĂŒnen und FDP finden das richtig, 32 Prozent finden das nicht richtig. Zudem wurde beschlossen, dass in den nĂ€chsten zwölf Jahren bis zu 500 Milliarden Euro Schulden fĂŒr zusĂ€tzliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz aufgenommen werden dĂŒrfen. Hierzu ist das Echo geteilt: 50 Prozent der Befragten bewerten das als richtig so, fĂŒr 27 Prozent ist das zu viel, fĂŒr 4 Prozent zu wenig und 15 Prozent meinen, dass dafĂŒr gar keine Schulden aufgenommen werden dĂŒrften.

Projektion: Leichte Verschiebungen

Wenn am nĂ€chsten Sonntag bereits wieder Bundestagswahl wĂ€re, stĂŒnde die CDU/CSU bei 27 Prozent (minus 1) und die AfD bei 22 Prozent (plus 1). Die SPD kĂ€me auf 16 Prozent (plus 1) und die GrĂŒnen auf 12 Prozent (minus 1). Die Linke könnte mit 10 Prozent rechnen, das BSW mit 3 Prozent und die FDP mit 4 Prozent (alle unverĂ€ndert). Die anderen Parteien erhielten zusammen weiterhin 6 Prozent, darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen wĂŒrde. Mit diesem Ergebnis hĂ€tte ein BĂŒndnis aus Union und SPD keine Mehrheit.

Gut drei Viertel: Putin hat kein ernsthaftes Interesse an einer Waffenruhe

Zurzeit gibt es GesprĂ€che zwischen den USA und Russland ĂŒber eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg: Ein Großteil der Befragten (77 Prozent) bezweifelt jedoch, dass der russische PrĂ€sident Putin ernsthaftes Interesse an einer Waffenruhe hat, nur 17 Prozent glauben das. Dass die Ukraine auf von Russland besetzte Gebiete verzichten sollte, wenn dadurch der Krieg beendet werden kann, meinen 50 Prozent der Deutschen (Nov. II 2024: 45 Prozent), 37 Prozent (Nov. II 2024: 43 Prozent) sind dagegen der Ansicht, dass die Ukraine weiter fĂŒr die Befreiung dieser Gebiete kĂ€mpfen sollte. FĂŒr eine stĂ€rkere militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine durch die europĂ€ischen Staaten sprechen sich 36 Prozent aus (MĂ€rz I: 48 Prozent), fĂŒr 33 Prozent (MĂ€rz I: 27 Prozent) soll das Engagement so bleiben wie bisher und 26 Prozent (MĂ€rz I: 21 Prozent) wollen, dass die Ukraine weniger militĂ€rische UnterstĂŒtzung erhĂ€lt.

Wehrpflicht und allgemeine Dienstpflicht

Vor dem Hintergrund der aktuellen Weltpolitik rĂŒckt auch die Wehrpflicht wieder ins Blickfeld: FĂŒr deren WiedereinfĂŒhrung fĂŒr MĂ€nner votieren 18 Prozent der Befragten, weitere 45 Prozent sind fĂŒr eine Wehrpflicht fĂŒr MĂ€nner und Frauen und fĂŒr 32 Prozent sollte es gar keine Wehrpflicht geben. Die EinfĂŒhrung einer allgemeinen Dienstpflicht, wahlweise bei der Bundeswehr oder im sozialen Bereich, findet mit 79 Prozent große Zustimmung, lediglich 19 Prozent sind dagegen.

Methodik der Umfrage

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgefĂŒhrt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 18. bis 20. MĂ€rz 2025 bei 1.305 zufĂ€llig ausgewĂ€hlten Wahlberechtigten telefonisch und online erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berĂŒcksichtigt. Die Befragung ist reprĂ€sentativ fĂŒr die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich betrĂ€gt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU 24 Prozent, AfD 17 Prozent, SPD 18 Prozent, GrĂŒne 17 Prozent, Linke 12 Prozent, BSW 4 Prozent, FDP 4 Prozent. Das nĂ€chste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 11. April 2025.

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