Berliner Filmikone: Regisseur Rosa von Praunheim ist tot
17.12.2025 - 15:31:24Der Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim ist tot. Er starb in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 83 Jahren, wie der Deutschen Presse-Agentur aus seinem persönlichen Umfeld bestÀtigt wurde. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Von Praunheim war eine prÀgende Figur der Schwulenbewegung in Deutschland. Erst vor wenigen Tagen hatte er seinen langjÀhrigen Partner Oliver Sechting geheiratet.
Im Laufe seiner Karriere drehte der Regisseur rund 150 Filme, darunter «Die Bettwurst», «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt» und «Rex Gildo - Der letzte Tanz». Von Praunheim malte auch, schrieb TheaterstĂŒcke und BĂŒcher («Hasenpupsiloch»).
Seine ungewöhnlichen Auftritte
Von Praunheim, der gerne ungewöhnliche KostĂŒme trug, war auch fĂŒr streitlustige Auftritte zum Beispiel in Talkshows bekannt. In seiner wohl umstrittensten Aktion hatte er 1991 den Moderator Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling im Fernsehen geoutet.
Von Praunheim verteidigte die Aktion spĂ€ter. Gerade Leute, die in den Medien prĂ€sent seien, hĂ€tten eine Verantwortung zu zeigen, dass HomosexualitĂ€t eine gleichberechtigte Lebensform sei. «Wir mĂŒssen sichtbar sein», sagte er bei «Talk im Turm». Andere kritisierten die Aktion als ĂŒbergriffig.
Ikone des Independentkinos
Der KĂŒnstler setzte sich mit der Aidskrise («Ein Virus kennt keine Moral»), Sexarbeit und seiner eigenen Vergangenheit auseinander. Der Dokumentarfilm «Meine MĂŒtter - Spurensuche in Riga» entstand, nachdem ihm seine Mutter erst spĂ€t im Leben erzĂ€hlt hatte, dass er nicht ihr leiblicher Sohn war.
«Sein Leben und sein Werk waren und sind subversiv und radikal, voller Empathie und voller Aufruhr, abgedreht und lebensnah. Mein Herz ist voller Trauer und voller Dankbarkeit», teilte der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Sven Lehmann, mit. Noch vor wenigen Tagen habe er bei von Praunheims Hochzeit dabei sein dĂŒrfen, einem «Fest der Liebe».
«Der Film stiftete Unruhe»
Von Praunheims Film «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt» von 1971 habe nicht weniger als die deutsche Homosexuellen-BĂŒrgerrechtsbewegung in Gang gesetzt. «Der Film stiftete Unruhe in einer Zeit von Strafgesetzen und Sittenpolizei und gab den AnstoĂ fĂŒr öffentliche Aktionen und die ersten CSDs», schrieb Lehmann.
Entertainer Riccardo Simonetti postete bei Instagram ein Video von sich und von Praunheim und schrieb dazu: «Ich werde unsere gemeinsamen Begegnungen und Unterhaltungen fĂŒr immer wertschĂ€tzen». Die Nachrichten zu dem Tod des KĂŒnstlers hĂ€tten ihn sehr traurig gemacht.
In Interviews kokettierte von Praunheim damit, dass ihm eine Wahrsagerin sein Sterbedatum vorhergesagt hatte, angeblich aber fĂŒr das Jahr 2023. Der Tod sei in seiner Vorstellung etwas Herrliches, sagte er der Deutschen Presse-Agentur im Jahr 2022. «Sex nach dem Tode - glaube ich sehr stark dran.»


