Oktoberfest MĂŒnchen: Bilderbuchstart mit Karussell-Schreck und Kreislaufproblemen fĂŒr OB Krause
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 16:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei sonnigem Herbstwetter ist das 191. MĂŒnchner Oktoberfest mit Hunderttausenden GĂ€sten, prominenten Auftritten und einem kurzen Schreckmoment in einem FahrgeschĂ€ft gestartet.
Bilderbuchstart mit dichtem GedrÀnge
Allein am ersten Tag kamen nach Angaben der Festleitung rund 450.000 Besucher auf die Theresienwiese, insgesamt feierten am ersten Wochenende Hunderttausende friedlich und fröhlich. Trotz des ĂŒblichen dichten GedrĂ€nges auf dem GelĂ€nde berichten Polizei und RettungskrĂ€fte von einem insgesamt ruhigen Verlauf. Mehrere Festzelte mussten wegen ĂberfĂŒllung vorĂŒbergehend geschlossen werden, die ersten GĂ€ste hatten bereits in der Nacht vor den EingĂ€ngen gewartet und waren nach Ăffnung im Laufschritt zu ihren Lieblingszelten geeilt.
Karussell-Stopp sorgt fĂŒr Schreckmoment
FĂŒr Aufsehen sorgte am ersten Tag das FahrgeschĂ€ft «Predator», in dem die Besucher fĂŒr einige Minuten kopfĂŒber festhingen. Betreiber Willy Kaiser erklĂ€rte, dass der Evakuierungsplan etwa fĂŒnf Minuten in Anspruch genommen habe und die FahrgĂ€ste rund 120 Sekunden ĂŒber Kopf standen, bevor sie nacheinander aus den Sitzen geholt und auf den Boden gebracht wurden. Auslöser war ein Sensor, der das Karussell gestoppt hatte; dieser wurde ausgetauscht, der TĂV prĂŒfte das FahrgeschĂ€ft erneut ohne Beanstandung, sodass der Betrieb noch am Abend wieder aufgenommen werden konnte.
Verletzungen und Kreislaufprobleme
Vor allem Jugendliche klagten nach der Fahrt im «Predator» laut Wiesn-SanitĂ€tern der Aicher Ambulanz ĂŒber leichten Schwindel und Kreislaufprobleme. Ein Berliner Wiesn-Gast erlitt beim ArmdrĂŒcken einen Armbruch. Insgesamt versorgte der SanitĂ€tsdienst am ersten Tag rund 600 Patientinnen und Patienten, ĂŒberwiegend wegen Alkoholvergiftungen, chirurgischer Verletzungen und Kreislaufproblemen.
OberbĂŒrgermeister sagt Auftritt ab
Auch der neue MĂŒnchner OberbĂŒrgermeister Dominik Krause von den GrĂŒnen musste mit Kreislaufschwierigkeiten umgehen. Nach seinem gelungenen Wiesn-Auftakt sagte er das traditionelle Anzapfen in der BrĂ€urosl beim Gay Sunday ab und ging nach Angaben seines Sprechers nach Hause, um am Montag wieder einsatzfĂ€hig zu sein. Seine Anstich-Premiere am Samstag hatte Krause zuvor souverĂ€n mit zwei SchlĂ€gen gemeistert, was ihm tosenden Applaus und Lob einbrachte â auch von CSU-Chef und MinisterprĂ€sident Markus Söder.
Politische Signale beim Bieranstich
Beim Auftakt im Schottenhamel sprach Wiesn-Chef Christian Scharpf von einem âBilderbuchstartâ des Millionen-Spektakels und rechnete fĂŒr das erste Wochenende mit knapp einer Million GĂ€sten. Gleichzeitig nutzten Krause und Söder ihren gemeinsamen Auftritt, um ihre Zusammenarbeit bei der Bewerbung MĂŒnchens als deutsche Olympia-Stadt zu betonen. Beide wollen zur Entscheidung am 26. September nach Baden-Baden reisen, und fĂŒr den Fall eines Zuschlags ist eine gemeinsame Fahrt in der Olympia Looping-Achterbahn im GesprĂ€ch.
Prominente GĂ€ste in den Zelten
In den Zelten feierten zahlreiche Prominente mit. Spieler, Trainer und Verantwortliche des FC Bayern stieĂen im KĂ€ferzelt auf den torreichen Sieg gegen Union Berlin an, darunter auch der frĂŒhere VereinsprĂ€sident Uli HoeneĂ. Im Schottenhamel saĂen unter anderem FC-Bayern-Star Joshua Kimmich mit seiner Frau Lina, Herzog Franz von Bayern und der Chefdirigent der MĂŒnchner Philharmoniker, Lahav Shani, am Tisch des OberbĂŒrgermeisters. Moderator Florian Silbereisen, DJ Ătzi, das Schlagerduo Marianne und Michael sowie Schauspieler Ralf Moeller mischten sich ebenfalls unter die Feiernden, Moeller zapfte in einem weiteren Zelt sein erstes Fass ebenfalls mit zwei SchlĂ€gen an.
Trachtlerzug und Traditionen
Der zweite Festtag stand im Zeichen der Tradition: Mehr als 9.000 Trachtler und SchĂŒtzen zogen quer durch die Stadt zur Wiesn. Zehntausende sĂ€umten die StraĂen und verfolgten den farbenprĂ€chtigen Zug mit SchĂŒtzen, Brauereigespannen, Musikkapellen und SpielmannszĂŒgen bis zum FestgelĂ€nde.
NachgeschÀrftes Sicherheitskonzept
Nach gefĂ€hrlichen Situationen auf der ĂŒberfĂŒllten Wiesn am zweiten Samstag des Vorjahres hat die Stadt MĂŒnchen ihr Sicherheitskonzept ausgebaut. Eine neue Koordinierungsstelle auf dem GelĂ€nde beobachtet und bewertet die Besucherströme und kann bei Bedarf steuernd eingreifen. Mehr als 50 KI-gestĂŒtzte Kameras sollen frĂŒhzeitig erkennen, wenn sich gefĂ€hrliche Menschenansammlungen bilden, und an stark frequentierten Tagen ist ein sogenannter Crowdspotter im Einsatz, der die Ströme ĂŒberwacht und bei Bedarf Durchsagen veranlasst.
Polizei und internationale Fahnder im Einsatz
Rund 600 Polizeibeamte und zahlreiche Ordner sind wĂ€hrend des Festes rund um die Wiesn im Einsatz. Die Polizei sieht sich eigenen Angaben zufolge auch mit Blick auf jĂŒngste Drohnen-VorfĂ€lle gut vorbereitet. Die verstĂ€rkte internationale Zusammenarbeit bewĂ€hrte sich bereits am ersten Abend: Spezialisierte Taschendiebfahnder aus Lissabon und Frankfurt am Main griffen bei einem Diebstahl und einer sexuellen BelĂ€stigung ein und nahmen TatverdĂ€chtige vorlĂ€ufig fest. Insgesamt registrierte die Polizei am ersten Tag etwa 55 Straftaten, etwas weniger als im Vorjahr.
Oktoberfest lÀuft bis Anfang Oktober
Das diesjĂ€hrige Oktoberfest dauert bis zum 4. Oktober. Wie in den vergangenen Jahren werden mehr als sechs Millionen Besucher erwartet, die das Volksfest auf der Theresienwiese zu einem besonderen Höhepunkt im MĂŒnchner Veranstaltungskalender machen.
Oktoberfest als Massenevent mit besonderer Sicherheitslage
Das Oktoberfest ist mit jĂ€hrlich mehr als sechs Millionen Besuchern eines der gröĂten Volksfeste der Welt und zwingt die Stadt MĂŒnchen zu einer laufenden Anpassung ihres Sicherheits- und Gesundheitskonzepts. Die dichten Menschenmengen, lange Aufenthaltszeiten und hoher Alkoholkonsum erhöhen die Wahrscheinlichkeit von UnfĂ€llen, Kreislaufproblemen und Straftaten. Der ruhige Verlauf des ersten Wochenendes bei gleichzeitig hohen Besucherzahlen zeigt, dass PrĂ€vention und EinsatzkrĂ€fte aktuell gut ineinandergreifen.
Technik, Gesundheit und neue Ăberwachungstechnik
Der Zwischenfall im FahrgeschĂ€ft «Predator», bei dem GĂ€ste kurzzeitig kopfĂŒber festhingen, macht deutlich, wie sehr der sichere Betrieb technischer Anlagen im Fokus steht. Die schnelle Evakuierung, der Austausch des Sensors und die erneute TĂV-PrĂŒfung unterstreichen den Anspruch, Störungen transparent zu beheben, ohne den Betrieb des Volksfestes dauerhaft zu beeintrĂ€chtigen. Parallel dazu steht die Gesundheitsversorgung unter hoher Last: Rund 600 Behandlungen allein am ersten Tag â ĂŒberwiegend wegen Alkohol, Verletzungen und Kreislaufproblemen â verdeutlichen die Belastung fĂŒr Rettungsdienste. Die Kreislaufschwierigkeiten des OberbĂŒrgermeisters fĂŒgen sich als prominentes Beispiel in dieses Bild ein, ohne den insgesamt positiven Auftakt zu schmĂ€lern.
Politische BĂŒhne und neue Steuerung der Besucherströme
Das Zusammentreffen von OberbĂŒrgermeister Dominik Krause und MinisterprĂ€sident Markus Söder beim Anstich zeigt, dass das Fest trotz des Anspruchs einer âpolitikfreien Zoneâ eine wichtige BĂŒhne fĂŒr Signale der Kooperation bleibt â etwa mit Blick auf die Olympia-Bewerbung MĂŒnchens. Zugleich reagiert die Stadt auf die Probleme des Vorjahres mit einem nachgeschĂ€rften Sicherheitskonzept, KI-gestĂŒtzten Kameras und einer Koordinierungsstelle zur Besucherlenkung. Diese Instrumente sollen gefĂ€hrliche ĂberfĂŒllungen vermeiden und werden auf ihre BewĂ€hrung im Verlauf des Festes genau beobachtet. FĂŒr die Besucher bedeutet dies einerseits mehr Kontrolle, andererseits ein zusĂ€tzliches Sicherheitsnetz, das einen unbeschwerten Aufenthalt auf der Wiesn ermöglichen soll.
