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Pre-Sale U2 The Greatest Show On Earth und die absurden Preise für Konzerttickets

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 11:01 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Hohe Eintrittspreise und lange Warteschlangen machen den Konzertbesuch zur finanziellen und organisatorischen Belastungsprobe. Der Berliner U2-Vorverkauf zeigt mal wieder , welche Fragen sich Veranstalter und Künstler stellen müssen oder müssten...
der Wahnsinn beim Ticketkauf, Illustration mit AI erstellt.

06.11.2026 10:00 Uhr startet der Vorwerkauf, um 10:40 Uhr wartet man immer noch beim Ticketanbieter in der Warteschlange mit der Platznummer 150.000. Wer beim Ticketkauf eine solche Position angezeigt bekommt, fragt sich unweigerlich, ob sich das Warten überhaupt lohnt. Dabei geht es um Karten, für die schon vor dem ersten gespielten Ton erhebliches Geld eingeplant werden muss. Vorfreude sieht anders aus.

U2 kommen am 30. Juni und 1. Juli 2027 ins Berliner Olympiastadion. Die zweite Show wurde wegen der großen Nachfrage angekündigt. Das Interesse ist also da. Umso dringender stellt sich die Frage, wie zugänglich solche Konzerte für die Menschen bleiben, die diese Band seit Jahren begleiten.

Schon der Einstiegspreis ist eine Hürde

Die veröffentlichten Preise haben es in sich: Musikexpress nennt unter Berufung auf U2tour.de Sitzplätze zwischen 93,75 und 266,25 Euro sowie Stehplätze für 191,50 Euro. Für das teuerste genannte VIP-Paket werden sogar 1.019,50 Euro aufgerufen. Die zusätzlich geschilderte Vorab-Preisspanne bis 526,25 Euro ohne VIP lässt sich bislang keiner unabhängig bestätigten Ticketkategorie zuordnen.

der Wahnsinn beim Ticketkauf
der Wahnsinn beim Ticketkauf
Quelle: ahn

Aber schon die veröffentlichten Standardpreise reichen für die Debatte. Zwei U2 Stehplatzkarten ergeben rechnerisch 383 Euro. Für Anreise, gegebenenfalls eine Übernachtung und einen Imbiss ist dann noch nichts bezahlt. Selbst zwei Tickets zum günstigsten genannten Sitzplatzpreis kosten zusammen 187,50 Euro. Wer wenig finanziellen Spielraum hat, muss einen solchen Abend lange planen oder darauf verzichten.

Und der Hinweis auf die günstigste Kategorie beantwortet die entscheidende Frage nicht: Wie viele Menschen haben tatsächlich eine realistische Chance, genau diese Karten zu bekommen? Ein Einstiegspreis hilft wenig, wenn das passende Kontingent beim eigenen Zugang zum Shop nicht mehr verfügbar ist.

Warum hohe Preise volle Stadien nicht verhindern

Warum lassen sich teure Konzerte trotzdem ausverkaufen? Dafür muss längst nicht jeder Fan den Preis bezahlen können. Es genügt, dass sich für die begrenzte Zahl an Plätzen genügend Käufer finden. Bei einer international bekannten Band treffen Interessenten aus vielen Orten auf ein begrenztes Angebot. Ein ausverkauftes Stadion kann deshalb mit sehr vielen enttäuschten Fans außerhalb des Stadions einhergehen.

Dabei wäre es unfair, den Käufern mangelnde Leidenschaft zu unterstellen. Auch wer viel bezahlt, kann ein begeisterter Fan sein. Andere sparen monatelang auf diesen einen Abend und streichen dafür andere Ausgaben. Der Kaufpreis verrät weder, wie sehr jemand die Musik liebt, noch wie mühelos er sich das Ticket leisten konnte.

Hinzu kommt die Angst, eine seltene Gelegenheit zu verpassen. Wer lange auf seine Lieblingsband gewartet hat, lässt sich unter Zeitdruck womöglich auf einen Betrag ein, den er vorher ausgeschlossen hätte. Daraus folgt: Ein voller Saal beweist ausreichende Zahlungsbereitschaft. Als Beleg für faire oder allgemein erschwingliche Preise taugt er nicht.

Der Vorverkauf verlangt mehr als Fanliebe

Bei U2 begann der Zugang schon vor dem allgemeinen Verkaufsstart am 6. November. Zuerst kamen zahlende Fanclubmitglieder zum Zug, danach folgten weitere Vorverkäufe, unter anderem für Visa-Karteninhaber und Albumvorbesteller. Auch einen Artist-Presale mit vorheriger Anmeldung gab es. Ticketmaster weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Presale-Code keine Eintrittskarte garantiert. 

Solche Zugänge können Fans Vorteile verschaffen. Sie verlangen aber auch, Fristen, Voraussetzungen und Verkaufsphasen im Blick zu behalten. Wer zur entscheidenden Zeit arbeitet oder die Anmeldung verpasst, kann bereits schlechtere Ausgangsbedingungen haben. Langjährige Begeisterung allein reserviert keinen Platz.

Eine Warteschlange ist technisch nachvollziehbar. Ticketmaster erklärt, damit Zugriffe zu steuern und Bots zu erkennen; ein Ticket ist auch dort nicht garantiert. Welche Karten zu welchen Preisen noch verfügbar sind, lässt sich aus der geschilderten Position 150.000 allein nicht ablesen. Für den Wartenden bleibt die Zumutung, Zeit zu investieren, ohne zu wissen, ob am Ende noch etwas Bezahlbares angeboten wird. 

Wer leer ausgeht, kann bei U2 derzeit auch nicht auf die offizielle Weiterverkaufsfunktion bei Ticketmaster ausweichen: Laut der aktuellen Hilfeseite hat der Veranstalter sowohl Resale als auch Ticket Transfer noch nicht aktiviert. Eine spätere Freischaltung ist möglich. Für die unmittelbar Enttäuschten ist das zunächst wenig tröstlich. 

Veranstalter und Künstler tragen Verantwortung

Große Konzerte kosten Geld. Personal, Technik und Sicherheit müssen bezahlt werden. Der Veranstalterverband BDKV berichtet für die Festivalbranche von deutlich gestiegenen Produktionskosten seit der Pandemie. Diese Entwicklung gehört zur Debatte. Sie erklärt allerdings noch nicht die Kalkulation einer konkreten U2-Karte. 

Ebenso wenig reicht es, den Ärger pauschal bei der Ticketplattform abzuladen. Nach eigener Darstellung von Ticketmaster legen die Veranstaltungspartner die Grundpreise und Ticketmengen fest; Gebühren werden mit ihnen abgestimmt. Wer welche Entscheidung trifft, sollte für die Käufer nachvollziehbar sein. 

Auch Künstler sollten sich dafür interessieren, wer ihre Konzerte noch besuchen kann. Wer die Verbundenheit mit seinem Publikum betont, muss sich an den Bedingungen messen lassen, unter denen dieses Publikum Zugang bekommt. Dazu gehört die Frage, welchen Stellenwert bezahlbare Karten bei der Planung einer Tour haben.

Was Fans verlangen dürfen

Fans dürfen klare Endpreise vor dem Warten erwarten, verständliche Unterschiede zwischen den Kategorien und Auskunft darüber, welche günstigen Kontingente tatsächlich angeboten werden. Während des Verkaufs sollten sie erkennen können, ob Karten in ihrem Budget noch verfügbar sind. 

Wer viel Geld ausgeben soll, darf einen transparenten und zumutbaren Kaufprozess verlangen. Dazu gehört auch Respekt vor der Zeit der Käufer. Ein System, das Menschen lange warten lässt, sollte ihnen wenigstens ausreichend Informationen geben, um über das Weiterwarten entscheiden zu können oder vielleicht sollte man doch einfach die Tickets für die nächste Show einer U2 Coverband buchen?

 

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