Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Anwalt kritisiert nach Sparkassen-Coup SicherheitsmÀngel

28.01.2026 - 12:40:46

Rund einen Monat nach dem Gelsenkirchener Einbruch mit Millionen-Beute hat ein Anwalt einen SachverstÀndigen eingeschaltet und wirft der Bank SicherheitsmÀngel vor. Darauf zielen drei erste Klagen.

Rund vier Wochen nach dem Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse erhebt der GeschĂ€digten-Anwalt Daniel Kuhlmann scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen. Ein renommierter SachverstĂ€ndiger fĂŒr Sicherungssysteme in Banken komme zu dem Schluss, dass der Einbruch mit «an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» hĂ€tte verhindert werden können, wenn die Bank Schutzvorkehrungen auf dem Stand der Technik gehabt hĂ€tte, sagte Kuhlmann. 

Stand der Technik seien laut dem SachverstĂ€ndigen etwa Bewegungsmelder fĂŒr den Tresorraum und ein sogenannter Wandschutz. Letzteres sei eine netzartige Innenauskleidung des Tresorraums, die beim Durchbohren sofort Alarm schlage. Alternativ oder zusĂ€tzlich seien auch stĂŒndliche PatrouillengĂ€nge rund um den Tresorraum möglich, so Kuhlmann.

Drei Musterklagen erhoben

Die Sparkasse hatte bisher Kritik zurĂŒckgewiesen. Die
Filiale mit dem Schließfachraum sei «nach dem anerkannten Stand der
Technik gesichert», hatte sie betont. Zu den konkreten VorwĂŒrfen nahm die Bank zunĂ€chst keine Stellung. Die Bank Ă€ußere sich «grundsĂ€tzlich zu anwaltlichen Äußerungen nicht», antwortete die Sparkasse laut «Stern» auf eine Ă€hnliche Nachfrage.

Der Anwalt hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Essen drei Musterklagen erhoben. Er fordert darin im Namen der Mandanten von der Bank die volle Haftung fĂŒr die entstandenen SchĂ€den, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ein Landgerichtssprecher konnte den Eingang zunĂ€chst nicht bestĂ€tigen. ZunĂ€chst mĂŒssten die Klagen an die Beklagte zugestellt werden. 

Weiter keine heiße Spur von den TĂ€tern

Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die TĂ€ter mehrere Sicherheitssysteme ĂŒberwunden und sich direkt in den Tresorraum der Filiale gebohrt. Dort rĂ€umten sie rund 3.100 KundenschließfĂ€cher aus. Der Gesamtschaden wurde kurz nach dem Einbruch von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschĂ€tzt, er könnte aber auch noch wesentlich höher liegen. Die Ermittlungen laufen weiter auf Hochtouren. Die Polizei geht etwa 600 Hinweisen nach, es gibt aber aktuell keine heiße Spur, wie ein Polizeisprecher sagte. 

Versichert sind nur 10.300 Euro pro Schließfach

Über die Sparkasse ist der Inhalt jedes Schließfachs nur bis zu einem Wert von 10.300 Euro versichert, falls die Kunden nicht privat zusĂ€tzliche Versicherungen abgeschlossen haben. TatsĂ€chlich enthielten die SchließfĂ€cher in den drei KlagefĂ€llen nach Angaben des Anwalts höhere Werte: Im Fall eines KlĂ€gers gehe es um fast 400.000 Euro, die aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung stammten und die einzige Altersabsicherung der betroffenen Person seien.

Die beiden anderen KlĂ€ger hĂ€tten im zweiten Fall Bargeld, eine Rolex-Uhr und Schmuck im Wert von insgesamt rund 120.000 Euro, im dritten Fall Gold fĂŒr knapp 50.000 Euro angegeben. Alle drei FĂ€lle seien bestens belegt mit Quittungen und teils mit Augenzeugen fĂŒr die Einlagerung.

Warum ging kein Einbruchsalarm los?

Die Einbrecher hatten sich mindestens mehrere Stunden in der Bank aufgehalten, ohne Alarm auszulösen. Wie dies gelang, gilt als zentrale Frage bei den Ermittlungen. Der Anwalt steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit etwa 600 GeschĂ€digten des Einbruchs. Sein Ziel sei keine Klagewelle, sondern ein Vergleich oder möglicherweise auch ein gerichtliches Mediationsverfahren. Die Mandanten wollten möglichst zĂŒgig entschĂ€digt werden.

@ dpa.de

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