Sylvester Stallone enthüllt in „The Steps“ schmerzhafte Details aus seinem Leben
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 09:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSylvester Stallone schildert in seiner Autobiografie „The Steps: Die Geschichte meines Lebens“ den steinigen Weg vom unbekannten, mittellosen Schauspieler zum Hollywood-Star und legt dabei auch traumatische Erfahrungen seiner Kindheit offen.
Abfuhr in Hollywood
Als Stallone 1974 von New York nach Hollywood kam, habe er als Schauspieler und Drehbuchautor kaum etwas vorzuweisen gehabt. Ein Casting-Direktor habe ihm wegen seiner undeutlichen Aussprache, seines Erscheinungsbilds und seines schiefen Mundes geraten, seine Zeit nicht zu vergeuden.
Stallone, der mit „Rocky“ und „Rambo“ berühmt wurde, beschreibt in dem nun auch in Deutschland veröffentlichten Buch Ängste, Selbstzweifel und die schwierige Beziehung zu seinen inzwischen verstorbenen Eltern. Sein Vater habe ihn mit Härte und Schlägen erzogen, seine Mutter habe die Familie verlassen, als er elf Jahre alt gewesen sei.
Die Stufen zum „Rocky“-Erfolg
Der Titel des Buches verweist auf die Treppen des Philadelphia Art Museums, die Stallone als Rocky Balboa im Training erklimmt. Die Erinnerungen sind in Stufen statt Kapiteln gegliedert und reichen bis zum Oscar-Erfolg des Box-Dramas.
„Rocky“ war 1977 als bester Film ausgezeichnet worden; zudem erhielten Regisseur und Cutter Oscars. Stallone war für das Drehbuch und als Hauptdarsteller nominiert, ging aber leer aus. Der weltweite Erfolg machte ihn dennoch schlagartig bekannt.
Beharrlichkeit als Prinzip
Die Geschichte des angeschlagenen Boxers habe Stallone nach eigenen Angaben „wie ein Irrer“ in wenigen Tagen geschrieben. Als die Produzenten von United Artists das Drehbuch kaufen wollten, habe er darauf bestanden, selbst Rocky zu spielen.
Die Produzenten hätten den Neuling zunächst nicht als Hauptdarsteller gewollt. Stallone blieb jedoch bei seiner Forderung und bekam schließlich die Rolle – ein Kampf um Würde und Stolz, den er mit dem Weg seiner Filmfigur vergleicht.
Schwierige Kindheit
Stallone führt seinen Kampfgeist auf seine Kindheit und Jugend zurück. Er wurde am 6. Juli 1946 in einer New Yorker Sozialklinik für arme Familien geboren. Eine Zangengeburt habe bei ihm den schiefen Mund und dauerhafte Sprechschäden verursacht.
Seine Eltern hätten ihn zeitweise in ein Internat für schwierige Jugendliche geschickt. Dort sei er zur Strafe in eine gefürchtete geschlossene Abteilung gesperrt und von anderen Insassen körperlich angegriffen worden. Diese Erlebnisse hätten seinen Willen nicht gebrochen, betont Stallone.
Jobs, Armut und erste Rollen
In seinen Anfangsjahren habe Stallone mit kleinen Jobs überlebt, unter anderem als Reiniger eines Löwengeheges und als Platzanweiser in einem Kino. Er habe von Hüttenkäse und Eiern gelebt, in winzigen Räumen gewohnt und sich bei Agenten mit billigen Automatenfotos vorgestellt.
Zu seinen frühen Auftritten gehörten eine Rolle in dem Erotikfilm „The Party at Kitty and Stud’s“, ein kleiner Part in Woody Allens „Bananas“ und seine erste Sprechrolle in „Brooklyn Blues – Das Gesetz der Gosse“. Schließlich wandte er sich verstärkt dem Drehbuchschreiben zu.
Gesundheitliche Folgen
In Interviews zur Veröffentlichung seiner Memoiren sprach Stallone auch über Panikattacken und gesundheitliche Schäden. Er habe neun Rücken- und zwei Schulteroperationen sowie mehrere Eingriffe an der Halswirbelsäule hinter sich. Mit Blick auf Teile seiner Karriere sagte er: „Ich habe meinen Körper missbraucht.“
In jüngeren Jahren habe er zudem an Bulimie gelitten. Während der Dreharbeiten zu „Rocky III“ sei sein Körperfettanteil auf 2,6 Prozent gesunken. Er beschreibt diese Phase als zwanghafte Körperanbetung und erklärt, eine solche Form ohne Hilfsmittel und Drogen nicht durchhalten zu können.
Widmung an die Familie
„The Steps“ widmet Stallone seiner Ehefrau Jennifer Flavin und den drei gemeinsamen Töchtern Sophia, Sistine und Scarlet. Der heute 80-Jährige steht weiterhin für die Mafia-Serie „Tulsa King“ vor der Kamera.
Im Nachwort schreibt Stallone, viele Menschen fĂĽhlten sich mit Rocky Balboa verbunden. Die zentrale Botschaft der Figur sei, auch dann nicht aufzugeben, wenn es schwierig werde.
Memoiren als Bilanz einer Filmkarriere
Stallones Autobiografie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem seine öffentliche Figur stark von der Verbindung zwischen Körper, Disziplin und Selbstüberwindung geprägt ist. Rocky Balboa und John Rambo machten ihn zum Sinnbild des körperlich scheinbar unbesiegbaren Actionhelden. In „The Steps“ richtet sich der Blick nun auf die persönlichen Kosten dieses Images.
Die geschilderten Erfahrungen verknüpfen private Verletzungen mit beruflichem Ehrgeiz. Stallone beschreibt, wie Ablehnung, familiäre Gewalt und der Wunsch nach Anerkennung seinen Antrieb geprägt hätten. Zugleich zeigen die Angaben zu Panikattacken, Essstörungen, Operationen und Medikamenten, dass die Inszenierung körperlicher Stärke nicht ohne gesundheitliche Folgen geblieben sei.
Aktuelle Bedeutung
Besonders relevant ist die Spannung zwischen der Erfolgsgeschichte und ihrer Rückseite: „Rocky“ steht bis heute für Beharrlichkeit, während Stallone seine damalige Körperfixierung als problematisch beschreibt. Damit berührt das Buch auch eine breitere Debatte über Leistungsdruck, männliche Rollenbilder und die Risiken extremer körperlicher Selbstoptimierung.
Für Leserinnen und Leser ist die Autobiografie deshalb mehr als eine Erinnerung an einen Hollywood-Aufstieg. Sie dokumentiert, wie eng öffentlicher Ruhm, private Anerkennung und körperliche Belastung in Stallones Leben miteinander verbunden waren. Seine Karriere erscheint dadurch weniger als geradliniger Triumph denn als wechselnder Kampf um Sichtbarkeit, Kontrolle und Selbstwert.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Bulimie und Steroide – Sylvester Stallone spricht über seine »zwanghafte Körperverehrung«“ (27.09.2026)
Der Bericht hebe Stallones Aussagen über Bulimie, Steroidkonsum und die langfristigen Folgen seiner Actionrollen hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf die körperliche Selbstoptimierung und ergänze die Darstellung um Stallones spätere Einsicht, seine Stunts nicht selbst ausgeführt haben zu wollen; die familiären Ursachen würden ebenfalls als wichtiger Hintergrund eingeordnet.
Medienübergreifend bestätige sich damit das Bild einer offenen Lebensbilanz, während der Schwerpunkt unterschiedlich gesetzt werde: Die dpa-Meldung stelle die gesamte Autobiografie und den Weg zu „Rocky“ in den Mittelpunkt, der Bericht fokussiere stärker die gesundheitlichen Kosten der Karriere.
