Prozess, Alec

Prozess gegen Alec Baldwin eingestellt - TrÀnen im Gericht

13.07.2024 - 15:35:41

TrĂ€nen der Erleichterung im Gericht von Santa Fe - Alec Baldwin ist ein freier Mann. Das Verfahren gegen den Schauspieler wegen fahrlĂ€ssiger Tötung wurde ĂŒberraschend eingestellt.

  • Hilaria Baldwin kĂŒsst ihren Ehemann. - Foto: Ramsay de Give/Pool AFP/AP/dpa

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  • Alec Baldwin weint TrĂ€nen der Erleichterung. - Foto: -/Pool Video via AP/dpa

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  • Alec Baldwin und seine Frau fallen sich in die Arme. - Foto: Eddie Moore/The Albuquerque Journal Pool via AP/dpa

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  • Baldwin verlĂ€sst das Gericht als freier Mann. - Foto: Eddie Moore/The Albuquerque Journal via AP/dpa

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Hilaria Baldwin kĂŒsst ihren Ehemann. - Foto: Ramsay de Give/Pool AFP/AP/dpaAlec Baldwin weint TrĂ€nen der Erleichterung. - Foto: -/Pool Video via AP/dpaAlec Baldwin und seine Frau fallen sich in die Arme. - Foto: Eddie Moore/The Albuquerque Journal Pool via AP/dpaBaldwin verlĂ€sst das Gericht als freier Mann. - Foto: Eddie Moore/The Albuquerque Journal via AP/dpa

Das Prozessdrama um den Todesschuss beim Dreh des Westerns «Rust» nimmt ein ĂŒberraschendes Ende - im Gericht von Santa Fe (New Mexico) kommt es dabei zu emotionalen Szenen. Der wegen fahrlĂ€ssiger Tötung angeklagte Schauspieler Alec Baldwin bricht in TrĂ€nen aus, als die Richterin in dem Prozess einen Schlussstrich zieht. Auf Antrag von Baldwins Verteidigern stellt Richterin Mary Marlowe Sommer am Freitag (Ortszeit) das Verfahren gegen den Hollywood-Star ein. 

Die Verteidiger hatten der Staatsanwaltschaft die Vorenthaltung von Beweismitteln und damit grobes Fehlverhalten vorgeworfen. Mit ernster Miene stimmte die Richterin nach einem juristischen Hin und Her im Gerichtssaal zu. Die spĂ€te Entdeckung dieser Beweismittel wĂŒrde die «grundsĂ€tzliche Fairness» des Verfahrens beeinflussen, sagte Sommer. Es gebe keine Möglichkeit fĂŒr das Gericht, dieses VersĂ€umnis richtigzustellen, fuhr sie fort. Die Einstellung des Verfahrens sei der einzige Rechtsbehelf. 

Baldwin bricht in TrÀnen aus

Baldwin hört den AusfĂŒhrungen der Richterin mit TrĂ€nen in den Augen zu. Er nimmt die Brille ab, hĂ€lt sich sichtlich ĂŒberwĂ€ltigt und erleichtert eine Hand vor die Augen. Der Schauspieler bricht in TrĂ€nen aus, umarmt gerĂŒhrt seine AnwĂ€lte, dann fĂ€llt er seiner Ehefrau, Hilaria Baldwin, in die Arme. Im Fall einer Verurteilung hĂ€tten dem achtfachen Familienvater bis zu 18 Monate Haft gedroht.

SpĂ€ter meldet sich Baldwin bei Instagram zu Wort: «Es gibt zu viele Menschen, die mich unterstĂŒtzt haben, denen ich jetzt danken muss. Allen sage ich, dass ihr niemals wissen werdet, wie sehr ich eure Freundlichkeit meiner Familie gegenĂŒber schĂ€tze.»

In dem Prozess ging es um die Frage, ob der 66-jĂ€hrige Schauspieler bei dem tödlichen Schuss auf eine Kamerafrau am Filmset des Westerns «Rust» 2021 fahrlĂ€ssig gehandelt habe und deshalb ins GefĂ€ngnis mĂŒsse. Hauptdarsteller Baldwin hatte bei Proben einen Revolver gezĂŒckt, wie vom Regisseur verlangt. Doch statt harmloser Platzpatronen löste sich scharfe Munition. Eine Kugel traf Kamerafrau Halyna Hutchins (42) und verletzte sie tödlich. 

VorwĂŒrfe gegen die Staatsanwaltschaft 

Baldwins Verteidiger machten nun geltend, dass ihnen die Staatsanwaltschaft wichtige Beweismittel vorenthalten habe. Es geht um eine Reihe von Patronenkugeln, die vor wenigen Monaten aufgetaucht waren und die am Freitag in einem Umschlag von der Richterin vor Gericht prĂ€sentiert wurden. Aus Sicht der Verteidiger hĂ€tte diese Munition frĂŒher in ballistischen Untersuchungen Teil des Verfahrens sein mĂŒssen – die Staatsanwaltschaft habe sie aber unterschlagen, argumentierten Baldwins AnwĂ€lte.

Viele offene Fragen

Die Frage, woher die scharfe Munition stammte, ist bis heute nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Im FrĂŒhjahr stand bereits die junge Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed in Santa Fe vor Gericht. Sie war bei dem Dreh fĂŒr Sicherheit beim Umgang mit Waffen verantwortlich. Neben Platzpatronen und sogenannten Dummy-Patronen fanden die Ermittler sechs echte Patronen. Eine davon wurde beim Laden in die Revolvertrommel eingelegt. Die Anklage hielt Gutierrez-Reed vor, Sicherheitsvorkehrungen missachtet und die Munition nicht geprĂŒft zu haben. Die Jury sprach die Frau im MĂ€rz wegen fahrlĂ€ssiger Tötung schuldig. Richterin Sommer verhĂ€ngte die Höchststrafe - 18 Monate Haft. 

Ein frĂŒherer Polizist hatte die nun vor Gericht gezeigte scharfe Munition im MĂ€rz bei den Ermittlern in Santa Fe abgegeben. Die Haupt-Strafverfolgerin, Kari T. Morrissey, entschied aber, dass diese nichts mit dem Fall zu tun hatte, weil sie sich aus ihrer Sicht zu sehr von den Kugeln am «Rust»-Set unterschied. Die Richterin stellte das nun in Frage. Zudem rĂŒgte sie Morrissey scharf, dass dieses mögliche Beweismittel nicht in den Unterlagen fĂŒr den «Rust»-Prozess aufgefĂŒhrt und den Verteidigern vorenthalten wurde. Die Beweismittel seien regelrecht vor ihnen verborgen worden, lamentierte Baldwins Anwalt Luke Nikas im Gericht. 

Langer Rechtsweg 

FĂŒr Baldwin endet eine lange juristische Achterbahnfahrt. Von Beginn an hatte der Schauspieler auf seine Unschuld gepocht. Nur wenige Wochen nach dem tödlichen Schuss beteuerte er in einem TV-Interview: «Ich habe nicht abgedrĂŒckt.» Er wĂŒrde niemals mit einer Waffe auf eine Person zielen und abdrĂŒcken. Er habe «keine Ahnung», wie die scharfe Munition ihren Weg in die Waffe fand. 

Die erste Anklage gegen Baldwin und Gutierrez-Reed wurde dann im Januar 2023 erhoben, die VorwĂŒrfe gegen den Schauspieler wurden aber drei Monate spĂ€ter zunĂ€chst wieder fallen gelassen. Es seien weitere Untersuchungen und forensische Analysen notwendig, hieß es. Die FBI-Ermittler prĂŒften etwa, ob eine mögliche Fehlfunktion des Colts zum Auslösen gefĂŒhrt haben könnte. Ein Gutachten von Schusswaffenexperten ergab jedoch, dass der Abzug betĂ€tigt worden sein musste. Mit neuen Beweisen in der Hand ging die Anklage im Januar 2024 wieder gegen Baldwin vor - der plĂ€dierte erneut auf «nicht schuldig».

Neue Verfahren in dem Fall möglich

Auch nach dem Ende des Prozesses gegen Baldwin gibt es weiterhin offene Fragen – gut möglich, dass weitere Aspekte des Falls erneut vor Gericht kommen. Brian Panish, ein Anwalt des Ehemanns des Opfers, erklĂ€rte: «Wir respektieren die Entscheidung des Gerichts. Wir streben an, einer Geschworenenjury alle Beweise vorzulegen und Herrn Baldwin fĂŒr sein Handeln im Zusammenhang mit dem sinnlosen Tod von Halyna Hutchins zur Verantwortung zu ziehen.» Der Ehemann der Toten hatte sich mit Baldwin und der Produktionsfirma außergerichtlich auf eine EntschĂ€digung geeinigt, allerdings hatte das Branchenmagazin «Variety» berichtet, dass es zu UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei den Zahlungen gekommen sei und deshalb der Witwer und sein Anwalt ĂŒber eine erneute Klage nachdenken wĂŒrden.

Am Samstag erklĂ€rte auch Gloria Allred, eine AnwĂ€ltin der Eltern der Verstorbenen, dass sie weiter beabsichtige, Zivilklagen zu dem Fall zur Verhandlung zu bringen. Dabei geht es um EntschĂ€digungen fĂŒr den entstandenen Schmerz durch den Tod ihres Kindes. Das Ende des Prozesses Ă€ndere nichts daran, dass Baldwin Hutchins getötet habe, sagte Allred. Außerdem hat Gutierrez-Reed schon vor Wochen Einspruch gegen das Schuldurteil gegen sie eingelegt, die Waffenmeisterin verlangt ein neues Verfahren.

Baldwins planen Reality-Show

Auch von den Baldwins dĂŒrfte die Öffentlichkeit bald mehr erfahren. Im Juni hatte das Ehepaar ein neues Familienprojekt angekĂŒndigt. Die Reality-Show «The Baldwins» soll im kommenden Jahr beim US-Sender TLC starten. 
 

@ dpa.de