Vorabkritik zum ARD-Krimi Tatort Fackel am 22. MĂ€rz 2026: Fachlich falsches Brand-Narrativ mit realem Grenfell-Bezug - Branche widerspricht
20.03.2026 - 12:27:40 | presseportal.de
Serena Klein, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Industrieverbandes Hartschaum (IVH), dem Verband der deutschen Hersteller von WĂ€rmedĂ€mmung aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS), erklĂ€rt dazu:
"Die Tatort-Episode "Fackel" erzĂ€hlt ein baufachliches Zerrbild. Sie stellt einen Zusammenhang zwischen einzelnen Baustoffen und GebĂ€udebrĂ€nden her, der fachlich nicht belastbar ist und der RealitĂ€t nicht entspricht. TatsĂ€chlich entstehen BrĂ€nde nicht isoliert durch Baumaterialien, sondern durch Fehler im Gesamtsystem - etwa in Planung, AusfĂŒhrung oder Kontrolle.
Der Abschlussbericht zum Grenfell Tower[1] hat dies eindeutig belegt: Er stellt fest, dass der Brand durch einen defekten KĂŒhlschrank ausgelöst wurde. Die fatale Brandgeschwindigkeit wurde durch fĂ€lschlicherweise an der Fassade eingebaute, brennbare Aluminium-Verbundplatten mit Polyethylenkern begĂŒnstigt. Insgesamt fĂŒhrten aber KonstruktionsmĂ€ngel, unzureichender Brandschutz sowie systemisches Versagen bei Planung, Regulierung und Kontrolle dazu, dass sich das Feuer ungehindert ĂŒber die Fassade und zurĂŒck ins GebĂ€ude ausbreiten konnte.
Am Grenfell Tower kam kein Polystyrol-DĂ€mmstoff an der Fassade zum Einsatz. Der Tatort "Fackel" leistet daher einen Beitrag zur Mythenbildung.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Diskussion faktenbasiert zu fĂŒhren. In Deutschland unterliegen insbesondere HochhĂ€user strengen bauordnungsrechtlichen Anforderungen. Materialien und Fassadensysteme werden umfassend geprĂŒft und entsprechend den geltenden Brandschutzvorschriften. FĂŒr HochhĂ€user gilt die Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR)[2]: BrĂ€nde wie bei Grenfell können nach unserer Ansicht in Deutschland nicht vorkommen, da wir ein anderes Regelwerk haben: in Deutschland werden ausschlieĂlich vom Deutschen Institut fĂŒr Bautechnik (DIBt) bauaufsichtlich zugelassene Systeme fĂŒr den Hochhausbereich verwendet.
Fiktionale Darstellungen tragen zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Umso wichtiger ist es, dass sie nicht zu Fehlinterpretationen ĂŒber reale Bauweisen und deren Sicherheitsstandards fĂŒhren. DĂ€mmstoffe als Teil einer energieeffiziente GebĂ€udehĂŒlle sind ein zentraler Bestandteil moderner Bau- und Sanierungskonzepte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Energieverbrauchs und zum Klimaschutz."
Wenn - wie im Tatort - ein unzutreffender Zusammenhang mit EPS-DĂ€mmstoffen hergestellt wird, fördert das nicht nur eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung, sondern fĂŒhrt auch zu einer allgemeinen Verunsicherung beim Einsatz von WĂ€rmedĂ€mmstoffen."
[1] GRENFELL TOWER INQUIRY: PHASE 2 REPORT of the PUBLIC INQUIRY into the FIRE at GRENFELL TOWER on 14 JUNE 2017Der Abschlussbericht wird "Phase 2 Report" genannt, weil die Untersuchung zum Brand des Grenfell Tower bewusst in zwei Phasen aufgeteilt wurde:Phase 1 (2019): Untersuchte vor allem den Brandverlauf in der Nacht selbst, also wie sich das Feuer ausbreitete, wie die Feuerwehr reagierte und warum so viele Menschen ums Leben kamen.Der Phase 2 (2024)-Report ist der eigentliche Abschlussbericht. Er analysierte die tieferliegenden Ursachen der Katastrophe, darunter das Fassadensystem, Bauentscheidungen, beteiligte Unternehmen, Vorschriften und das Versagen von Kontrolle und Regulierung.
[2] Die Bauministerkonferenz ist die Arbeitsgemeinschaft der fĂŒr StĂ€dtebau, Bau- und Wohnungswesen zustĂ€ndigen Minister und Senatoren (ARGEBAU) der 16 LĂ€nder der Bundesrepublik. Sie erarbeitet Musterregelwerke wie die Muster-Hochhaus-Richtlinie, die von den einzelnen BundeslĂ€ndern als Grundlage fĂŒr ihre Bauordnungen genommen werden.
https://www.is-argebau.de/suchen.aspx?id=991&o=759O986O991&s=hochhaus
IVH | Industrieverband Hartschaum
Der Industrieverband Hartschaum e.V. (IVH) ist der Dachverband der fĂŒhrenden Hersteller von DĂ€mmstoffprodukten aus expandiertem Polystyrol (EPS). Seine Mitglieder sind die fĂŒhrenden Hersteller von EPS-Hartschaum als DĂ€mmstoff fĂŒr die WĂ€rmedĂ€mmung und den Schallschutz. Weiter zĂ€hlen der europĂ€ische Rohstoffherstellerverband sowie Maschinenhersteller als Gastmitglieder zum IVH. Der IVH versteht sich als Kompetenzzentrum fĂŒr EPS-DĂ€mmstoffe in seinen verschiedenen Anwendungsgebieten. Im Sinne seiner Mitgliedsunternehmen engagiert sich der Verband fĂŒr den sicheren, ökologischen und effizienten Einsatz von EPS als DĂ€mmstoff, um die europĂ€ischen und deutschen Energieeffizienz- und CO2-Einsparziele bei GebĂ€uden erreichbar zu machen.
IVH | Pressekontakt:
Serena Klein | GeschĂ€ftsfĂŒhrerin
Telefon: +49 (0)30 20 96 10-50
E-Mail: s.klein@ivh.de
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