Pufferjacken - die SUVs unter den Textilien - polarisieren
28.02.2025 - 16:00:38 | dpa.dePufferjacken polarisieren: Die einen lieben sie in der kalten Jahreszeit und tragen sie gern, andere halten sie fĂŒr eine ModesĂŒnde und betrachten Mitmenschen darin als unförmig gepolsterte Lebewesen.Â
Kritisiert wird, nun ja, der Speckrollen-Look, und dass sich so viele Leute ĂŒbertrieben dick anziehen, auch wenn gerade mal Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen.Â
Es ist Àhnlich wie beim Autotyp SUV (Sport Utility Vehicle), den GelÀndelimousinen, die viele mögen, andere aber als StadtgelÀndewagen fehl am Platz finden.
«Die Menschen in der FuĂgĂ€ngerzone sind angezogen, als wollten sie den nĂ€chsten Tag zum Everest steigen», beschrieb es mal Bergsteiger-Legende Reinhold Messner im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur.Â
«Pufferjackenwahn: wandelnde SchlafsÀcke»
Manche lĂ€stern hĂ€rter. «Invasion der Michelin-MĂ€nnchen», schrieb im Januar die «Berliner Zeitung», sprach vom «Pufferjackenwahn: wandelnde SchlafsĂ€cke, herumgeisternde Steppdecken und Kissen, wohin das Auge blickt.»Â
Die «SĂŒddeutsche Zeitung» meinte vor Jahren: «Alle tragen riesige SteppmĂ€ntel und Arktisjacken, als hĂ€tten die Coen-BrĂŒder vor, "Fargo" neu zu verfilmen.» Dabei sehe doch nur Frances McDormand im Expeditionslook gut aus.
Und die NZZ in der Schweiz stellte einst fĂŒr das wohlhabende Umland von ZĂŒrich fest: «Wer sich gelegentlich an geldigen Seeufern aufhĂ€lt, kann die Versteppung ganzer Bevölkerungsgruppen beobachten.»
Apropos reich: Heidi Klum wurde vor ein paar Wochen im edlen Ski-Ort Aspen (Colorado) beim Spaziergang in einer Puffer Jacket gesehen, deren Stepp-Optik mit Flechtmuster besonders voluminös wirkte.Â
Der Trend zur dicken Jacke hÀlt sich ungewöhnlich lange
Ein solcher Auftritt ist nur die Spitze des Eisbergs, strapazieren wir jetzt mal frostige Redewendungen ĂŒber. Den Trend zur extra dicken Kleidung bei eher milden Wintern gibt es seit Jahren. Er fĂ€llt aber mehr und mehr ins Auge.
«Das ist fĂŒr Mode relativ ungewöhnlich, dass sich ein Trend derart lange hĂ€lt», sagt Anna Sophie MĂŒller, Dozentin fĂŒr Textil und Mode an der Europa-UniversitĂ€t Flensburg.Â
Immer neue Schnitte und EinzelstĂŒcke kĂ€men hinzu. Die besonders dick aussehende Kleidung sei eben Mode, habe eine soziale Funktion, sei «ein vestimentĂ€rer Code, mit dem im sozialen Raum kommuniziert wird».Â
«Was genau damit einhergeht, ist abhĂ€ngig von der Szene, der Jugend- oder Subkultur», sagt die Textilwissenschaftlerin MĂŒller. Ein charakteristisches Merkmal von Mode sei «die SelbstverstĂ€ndlichkeit von Paradoxien».Â
Kurz gesagt: «Es ist unmöglich, den einen Sinn dieses Trends zu nennen. Um das zu erkunden, mĂŒsste man die Menschen befragen, also eine Feldstudie machen und genau die jeweilige modische Funktion herausfinden.»
Auch ökologisch gesehen sind die dicken Jacken zu viel des Guten
Als Wissenschaftlerin schaue sie da aber auch ökologisch kritisch drauf, sagt MĂŒller. «Wir mĂŒssen runter vom hohen Verbrauch von Ressourcen.» Eine Welt ohne Mode - nur mit Kleidung, die rein funktional Schutz bietet, Scham bedeckt, den Körper schmĂŒckt - wĂ€re wohl hilfreich, sei aber utopisch.
Eine Erkundung im Feld fĂŒhrt bei dick Eingemummelten zu Antworten wie «Das ist so ein WohlfĂŒhlding». «Es geht darum, KĂ€lte abzuhalten, das hilft auch meiner Psyche, wenn ich mich geschĂŒtzt mit viel Stoff umgebe.»
Auch eine andere Mittvierzigerin in Berlin empfindet die meistens mit synthetischen Materialien aufgeplĂŒschten Textilien-SUVs als Gamechanger.
«Ich liebe meinen Puffermantel, habe darin noch nie gefroren - im Gegensatz zu frĂŒher», sagt die gebĂŒrtige Bremerin. «Kein anderer Mantel kann da mithalten. Seit ich ihn habe, gehe ich auch im Winter gern und lange raus.»
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