ZZF, Farbratte

ZZF ernennt die Farbratte zum Heimtier des Jahres 2025

23.09.2024 - 09:00:09

Wiesbaden - AnhĂ€nglich, anspruchsvoll und vor allem verspielt: Die Farbratte (Rattus norvegicus forma domestica) ist ein Ă€ußerst interessantes, aber auch unterschĂ€tztes Heimtier. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) hat das Nagetier deshalb zum Heimtier des Jahres 2025 gekĂŒrt: "Es ist gar nicht so bekannt, wie bezaubernd Farbratten als Begleiter des Menschen sind: Die Tiere sind nicht nur intelligent und neugierig, sondern sie bauen auch eine Bindung zu ihren Haltern auf. Zudem wird immer noch unterschĂ€tzt, wie viel BeschĂ€ftigung und Platz die Tiere brauchen", erklĂ€rt ZZF-PrĂ€sident Norbert Holthenrich.

Die Farbratte stammt von der Wanderratte (Rattus norvegicus) ab und gelangte vor etwa 200 Jahren aus Ostasien nach Europa. Bereits im 19. Jahrhundert wurden die Tiere nachgezĂŒchtet. In Deutschland war die "Punk-Ratte" vor allem in den 80er Jahren als Heimtier beliebt. Derzeit halten die Deutschen rund 240.000 Farbratten als Heimtiere. Damit belegt die Farbratte unter den 4,6 Millionen KleinsĂ€ugern den fĂŒnften Platz in der Beliebtheitsskala.

"Zu Unrecht", sagt Jessica Link, TierĂ€rztin und Mitglied in der ZZF-Jury "Heimtier des Jahres": "Leider haftet den Tieren immer noch ein Image an, das geprĂ€gt ist durch eine Zeit, in der Ratten vor allem als SchĂ€dlinge betrachtet wurden. WĂ€hrend viele andere KleinsĂ€ugerarten nur behutsam an Menschenkontakt gewöhnt werden können, gehören die dĂ€mmerungsaktiven, reinlichen Farbratten zu den verschmusten Heimtieren, die fĂŒr BerufstĂ€tige, aber auch fĂŒr Familien mit Schulkindern geeignet sind."

Voraussetzung fĂŒr eine positive Erfahrung mit den niedlichen Nagern sei jedoch eine tiergerechte Haltung: "Farbratten sind hochsoziale, gesellige Tiere und sollten auf keinen Fall allein gehalten werden", sagt Jessica Link. Die Nagetiere fĂŒhlen sich zu dritt oder noch besser in einem Rudel ab vier Tieren wohl.

Gut erforscht ist auch, dass Ratten nicht nur den Kontakt zu Artgenossen suchen: "Wenn man sich mit ihnen auf den Boden setzt, klettern Farbratten gerne auf HĂ€nde, Arme oder Schultern und machen mit bei Versteckspielen", erzĂ€hlt Selina Schlierenkamp, Tierwissenschaftlerin und Referentin fĂŒr Heimtiere beim ZZF. Die aktive Interaktion der Halter mit ihren Tieren ist somit ein Teil der sozialen Bereicherung der Ratten und ein wichtiger Aspekt ihres Wohlbefindens. Und das zeigen die Nager auch: Wenn Ratten sich wohlfĂŒhlen und glĂŒcklich sind, jauchzen sie im Ultraschall-Bereich (bis 50 kHz), der fĂŒr den Menschen nicht hörbar ist.

Ratten haben zwar keinen ausgeprĂ€gten Sehsinn, aber mit Hilfe ihrer seitlich angeordneten Augen können sie sich gut umsehen, um Beutegreifer wahrzunehmen. In der Haltung ist es deshalb wichtig, sich den Tieren nicht von oben zu nĂ€hern, sondern besser auf Augenhöhe. Auf keinen Fall sollten Ratten am Schwanz hochgehoben werden, da dies fĂŒr die kleinen SĂ€ugetiere schmerzhaft ist und im schlimmsten Fall ein Wirbel verletzt werden kann.

Geeignete Gehege fĂŒr ein Rattenrudel sind große Vogel- und Nagervolieren, Streifenhörnchen- oder ChinchillakĂ€fige, EtagenkĂ€fige oder ein Kaskadenturm. Von einem NagerkĂ€fig mit nur einem Boden rĂ€t Selina Schlierenkamp ab: "Das Gehege sollte dreidimensional sein und Bereiche zum Schlafen, Erforschen und Klettern umfassen." Idealerweise werden drei bis fĂŒnf Ebenen eingerichtet, in einem Abstand von ca. 35 cm zueinander, damit sich die Tiere vollstĂ€ndig aufrichten können.

Die Einrichtung muss die ganze Höhe der Voliere einbeziehen. Hierzu können Leitern, Kletterstangen, Seile, Nagematerial und vielfÀltige Versteckmöglichkeiten wie HÀuschen oder Röhren eingesetzt werden, die Tierhalter sowohl in der Vogelabteilung eines Zoofachmarktes als auch im KleinsÀugerbereich finden. "Bei der versetzten Anordnung der Ebenen ist zu beachten, dass die Tiere beim versehentlichen Abrutschen nicht zu tief fallen können, damit sie sich nicht verletzen", rÀt Schlierenkamp.

Damit die Tiere sich viel bewegen können, ist fĂŒr Ratten der tĂ€gliche Auslauf in einem sicheren und abgegrenzten Bereich wichtig. LaufrĂ€der fĂŒr KleinsĂ€uger sind fĂŒr Ratten in der Regel als Bewegungsanreiz ungeeignet, weil die Nager darin eine unphysiologische Körperhaltung einnehmen mĂŒssten und sich hĂ€ufig am Schwanz verletzen.

Farbratten ernĂ€hren sich ĂŒberwiegend vegetarisch und benötigen neben getreide- und gemĂŒsereichem Mischfutter auch einmal tĂ€glich Frischfutter wie Gurke, Karotte oder KrĂ€uter. ZusĂ€tzlich sollte ein- bis zweimal wöchentlich tierisches Eiweiß in Form von MehlwĂŒrmern oder Protein-Snacks gegeben werden.

Farbratten gelten als lernfĂ€hig und anpassungsfĂ€hig. Sie können sich daran gewöhnen, eine "Toilette", also zum Beispiel ein BehĂ€ltnis mit saugfĂ€higem Einstreumaterial, zu benutzen. Zudem gibt es Hinweise in Studien, dass Ratten ein gutes GedĂ€chtnis besitzen, GesichtsausdrĂŒcke interpretieren können und die Regeln einer Klangfolge verstehen. Wie intelligent Ratten tatsĂ€chlich sind, ist noch nicht zu Ende erforscht. "Engagierte Rattenhalter wissen aber schon lange, dass ihre Tiere schlaue Kerlchen sind, die komplexe Tricks lernen können. Sie betreiben mit den Nagern Clickertraining oder Agility oder beschĂ€ftigen sie mit Intelligenzspielzeug, das fĂŒr Katzen und Hunde vorgesehen ist", erzĂ€hlt Selina Schlierenkamp.

Wer sich fĂŒr ein Leben mit Ratten interessiert, sollte bedenken, dass die Tiere im Durchschnitt etwa zweieinhalb Jahre alt werden. Einige Rattenfreunde integrieren daher bereits neue Partner, wenn nur noch wenige Rudelmitglieder ĂŒbriggeblieben sind.

TierĂ€rztin Jessica Link warnt zudem vor der Anschaffung von Zuchtformen ohne Fell oder mit gekrĂ€uselten Haaren und vor Ratten ohne Schwanz. Das seien sogenannte "Qualzuchten", deren ZĂŒchtung und Verbreitung nicht gefördert werden sollte.

Tierfreunde sollten sich bewusst machen, dass neben den Anschaffungskosten fĂŒr die Tiere, das Gehege und die Einrichtung auch noch monatliche Kosten fĂŒr Futter und Einstreu kommen. FĂŒr mögliche Tierarztbesuche sollte am besten jeden Monat ein wenig Geld zurĂŒckgelegt werden. Weitere Informationen: zzf.de/positionen/heimtier-des-jahres-2025-farbratte

Warum ein "Heimtier des Jahres"?

Der ZZF setzt sich als Verband der deutschen Heimtierbranche fĂŒr eine verantwortungsvolle und tiergerechte Heimtierhaltung ein. Mit der Wahl zum Heimtier des Jahres möchte der ZZF auf unterschĂ€tzte Heimtiere aufmerksam machen, ein Bewusstsein fĂŒr Tierschutzaspekte schaffen oder aufzeigen, dass Nachzucht und Haltung einer bedrohten Tierart zum Artenschutz beitragen. Unter den nominierten Tieren stimmt eine Jury aus Biologen, TierĂ€rzten, ZoofachhĂ€ndlern, Tier- und Branchenexperten sowie ZĂŒchtern ĂŒber die VorschlĂ€ge ab. FĂŒr das Jahr 2023 ernannte der ZZF die Bartagame und fĂŒr das Jahr 2024 den Zebraharnischwels als Heimtiere des Jahres.

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