DLRG sieht traurige Entwicklung - Deutlich mehr Badetote
19.09.2024 - 05:45:36Sommer, Sonne, Ferien - und dann die Vorsicht vergessen: Bei BadeunfĂ€llen in deutschen GewĂ€ssern sind bis zum Ende des Sommers so viele Menschen gestorben wie seit Jahren nicht. Im laufenden Jahr ertranken bis zum Stichtag 10. September laut einer Statistik 353 Menschen - im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 278 tödliche BadeunfĂ€lle, 2019 waren es bis zu diesem Datum 365.Â
«Trotz aller Appelle und zahlreicher mahnender Beispiele waren Leute beim Baden und bei WassersportaktivitĂ€ten immer wieder nicht vorsichtig genug», sagte die PrĂ€sidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ute Vogt. Diese «traurige Entwicklung» habe sich mitten im Sommer schon abgezeichnet: «Im heiĂen August sind dann nochmals deutlich mehr Menschen ertrunken als im Jahr davor.» Den Angaben zufolge starben allein in dem Monat bundesweit 80 Menschen im Wasser, 33 mehr als im August 2023. Mehr Opfer in einem Monat habe es mit 117 zuletzt im August 2020 gegeben.
6000 Rettungsschwimmer an der KĂŒste im Einsatz
An den KĂŒsten sind in der Saison zwischen Anfang Mai und Ende September nach DLRG-Angaben rund 6.000 freiwillige Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer im Einsatz und bewachen die StrĂ€nde - sieben Tage in der Woche. AuĂerdem sorgen demnach vor allem an den Wochenenden rund 49.000 Ehrenamtliche an Seen und in SchwimmbĂ€dern fĂŒr Sicherheit. Die DLRG ist nach eigenen Angaben die gröĂte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt - und zĂ€hlt mehr als 600.000 Mitglieder.Â
Unter Ertrinken versteht man nach DLRG-Angaben das Eintauchen in oder unter Wasser, wobei es zum lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel kommt. Das kann bei Bewusstsein oder in Bewusstlosigkeit passieren, etwa nach einem Sturz oder einem Kopfsprung auf ein Hindernis unter der WasseroberflĂ€che.Â
Menschen ĂŒber 50 hĂ€ufiger betroffen
Vor allem unter Menschen im Alter ab 50 stieg die Zahl der TodesfĂ€lle: Laut DLRG waren 60 Prozent der Opfer mit bekanntem Alter Ă€lter als 50 Jahre - was in den fĂŒnf Jahren zuvor durchschnittlich fĂŒr die HĂ€lfte der VerunglĂŒckten zutraf. «Die immer neuen Temperatur-Rekorde sind fĂŒr den Körper sehr herausfordernd», sagte Vogt. «Plötzlich auftretende Herz-Kreislauf-Probleme sind im Wasser noch viel hĂ€ufiger lebensbedrohlich.» Sie riet erneut zu bewachten Badestellen, um Risiken zu vermeiden. Erneut stark gefĂ€hrdet: MĂ€nner, 77 Prozent der Badetoten waren mĂ€nnlich.
Bis zum Ende der Sommerferien in Deutschland ertranken 12 Kinder im Alter bis 10 Jahre - 2023 waren es 13 Kinder in dem Alter. Das sei zwar ein leichter RĂŒckgang, dennoch bereitet es den DLRG-Rettern Sorgen, weil die meisten Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit nicht sicher schwimmen könnten: «Wer das nicht mehr lernt, bleibt sein Leben lang am, auf und im Wasser gefĂ€hrdet», warnte Vogt. «Denn schwimmen zu können, gehört einfach zum Leben dazu wie das Lesen, Rechnen und Schreiben.»Â
FlĂŒsse und Seen besonders gefĂ€hrlich
Vogt forderte von der Politik mehr WasserflĂ€chen und qualifizierte LehrkrĂ€fte: «Nur die Schulen erreichen alle Kinder.» Viele Schulen setzten sich ein, um ihre SchĂŒler zu sicheren Schwimmern auszubilden - 26 davon erhielten einen DLRG-Förderpreis.Â
«Jede dieser Schulen leistet Besonderes und ist ein leuchtendes Beispiel, das hoffentlich möglichst viele andere zum Nachahmen motiviert», sagte die DLRG-PrĂ€sidentin. Die DLRG verwies etwa auf die Fasanenhofschule in Stuttgart. Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler dieser Grundschule erhielten einen vierjĂ€hrigen wöchentlichen Schwimmunterricht.
Unter den 11- bis 20-JĂ€hrigen sank die Zahl der tödlichen BadeunfĂ€lle im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 11. Und nicht nur beim Baden und Schwimmen kommt es immer wieder zu UnfĂ€llen, auch Wassersportler sind gefĂ€hrdet: Laut DLRG ertranken bis zum Stichtag 30 Menschen etwa beim Stand-up-Paddling oder Kanufahren - wĂ€hrend es im Vorjahr 20 waren.Â
FlĂŒsse besonders gefĂ€hrlich
Die meisten TodesfĂ€lle zĂ€hlten die Lebensretter in FlĂŒssen und BĂ€chen mit 134 Opfern nach 103 im Vorjahreszeitraum, jeweils Stichtag zum 10. September. Mehr, nĂ€mlich 153 Tote, waren es in den FlieĂgewĂ€ssern des Binnenlandes zuletzt 2018. In Seen und Teichen starben 133 Menschen, wĂ€hrend es 2023 noch 120 tödliche BadeunfĂ€lle waren.Â
Auch im Meer starben deutlich mehr Menschen - laut DLRG wurden 28 TodesfÀlle in Nordsee (3) und Ostsee (25) in den vergangenen zehn Jahren nicht gezÀhlt. 2023 waren es 14.
Schaut man auf die einzelnen BundeslĂ€nder, sticht Bayern mit seinen vielen Seen hervor - dort starben im laufenden Jahr 58 Menschen bei BadeunfĂ€llen. Im vergangenen Jahr waren es im Vergleichszeitraum 50. In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Opfer von 38 auf 52, in Baden-WĂŒrttemberg von 33 auf 41.Â
Starke Anstiege gab es bis zum Stichtag auch in Niedersachsen mit 37 Badetoten - im Vorjahr waren es 26 - sowie in Mecklenburg-Vorpommern mit 24 nach zuvor 14 Badetoten und in Bremen: Im kleinsten Bundesland ertranken 8 Menschen, wĂ€hrend es im gleichen Zeitraum des Vorjahres 2 waren.Â
Hunderte von Menschen gerettet
Immerhin gibt es auch positive Nachrichten: «Allein unsere Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer an Nord- und Ostsee befreiten bis Ende August in rund 230 FÀllen in Not Geratene aus der Lebensgefahr im Wasser», sagte DLRG-PrÀsidentin Vogt. In der gesamten Saison 2023 wurden dort 244 Menschen gerettet. Im laufenden Jahr komme eine vergleichbare Zahl an RettungseinsÀtzen im Binnenland dazu. Die genauen Zahlen dazu sollen den Angaben zufolge erst nach dem Jahreswechsel erhoben werden.





