Ägypten streicht Halloween an internationalen Schulen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 07:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchulen begrenzen ausländische Feste
- Ägyptens Regierung untersagt an Schulen nicht-ägyptische Kulturfeste wie Halloween und Thanksgiving.
- Die American International School in Kairo mit mehr als 2.000 Schülern sagt ihre Halloween-Feier ab.
- Öffentliche Halloween-Aktivitäten und Kostüme auf der Straße sind in diesem Jahr teilweise verboten.
Ägypten streitet über Halloween an Schulen
In Ägypten ist eine Debatte über Halloween entbrannt, nachdem internationale Schulen das Fest auf Anweisung der Regierung gestrichen haben. Im Mittelpunkt stehen die kulturelle Identität des Landes, religiöse Vorbehalte und der Wunsch vieler Eltern nach einem internationalen Umfeld für ihre Kinder.
Regierung untersagt nicht-ägyptische Feste
Die ägyptische Regierung schreibt Schulen mehr Unterricht in arabischer Sprache und Geschichte sowie im Islam vor. Zugleich sind nicht-ägyptische Kulturfeste verboten, darunter Halloween und das amerikanische Erntedankfest Thanksgiving.
Bildungsminister Mohamed Abdel Latif sagte, nur anerkannte nationale und religiöse Feiertage seien künftig erlaubt. Traditionalisten begrüßen den Schritt als Reaktion auf eine als kulturelle Kolonisierung verstandene Übernahme ausländischer Bräuche.
Internationale Schulen verlieren große Veranstaltungen
Betroffen sind vor allem internationale Schulen, die Halloween bislang mit Partys und Aktivitäten für Kinder begingen. Die American International School in Kairo mit mehr als 2.000 Schülern sagte ihre Feier ab.
Schulleiter Bill Kralovec verwies auf die Bedeutung des Festes für die Schulgemeinschaft. Eltern betonen, dass sie internationale Schulen gerade deshalb wählen, weil ihre Kinder dort Vielfalt und andere Kulturen kennenlernen sollen.
Öffentliche Feiern werden eingeschränkt
Für die meisten ägyptischen Familien spielt Halloween kaum eine Rolle. Der Brauch, verkleidet von Haus zu Haus zu ziehen und Süßigkeiten zu sammeln, ist deshalb wenig verbreitet.
Eine große internationale Schule in Kairo teilte mit, Kostüme auf der Straße und öffentliche Treffen zu Halloween seien in diesem Jahr verboten. Wer zu einer privaten Feier gehe, solle sich erst dort umziehen; die Polizei werde die Regeln strikt durchsetzen.
Halloween gewinnt in der Region an Anhängern
In den vergangenen Jahren wurde das Fest auch in Ägypten und anderen Teilen der Golfregion sichtbarer. In gehobenen Vierteln Kairos gibt es Halloween-Partys, Kürbisdekorationen und Süßigkeiten für Kinder.
Ein vergleichbarer ägyptischer Brauch existiert nicht. Während des Ramadan ziehen Kinder teilweise von Haus zu Haus und bitten um kleine Spenden oder Süßigkeiten; bei muslimischen Eid-Feiertagen besuchen manche Familien die Gräber von Angehörigen. Mit Halloween-Kostümen und Grusel hat beides nichts zu tun.
Religiöse Bewertung bleibt umstritten
Das Dar al-Ifta in Kairo bezeichnete Halloween 2017 als nicht Teil des islamischen Erbes und als Trend, dem Muslime nicht folgen sollten. Zugleich zeigt der Umgang mit anderen importierten Festen, dass religiöse Bewertungen gesellschaftlicher Bräuche nicht unverändert bleiben müssen.
In Saudi-Arabien werden inzwischen Halloween-Paraden organisiert, obwohl das Fest dort zuvor strikt verboten war. Auch in Dubai wird Halloween gefeiert. In Ägypten bleibt dagegen offen, wie sich der Brauch zwischen privaten Feiern, internationalen Schulen und staatlichen Vorgaben weiterentwickeln wird.
Die ägyptische Halloween-Debatte steht für einen breiteren Konflikt über kulturelle Zugehörigkeit und den gesellschaftlichen Einfluss internationaler Einrichtungen. Während Halloween in Kairo bislang vor allem in wohlhabenden Vierteln und an internationalen Schulen sichtbar war, verbindet die Regierung die Einschränkung ausländischer Feste mit einer stärkeren Betonung arabischer Sprache, ägyptischer Geschichte und islamischer Inhalte.
Damit wird ein global verbreitetes Popkulturfest zu einem Symbol für die Frage, wie offen Schulen und Familien gegenüber internationalen Lebensstilen sein sollen. Für viele Eltern internationaler Schulen gehört die Feier zur pädagogischen Ausrichtung dieser Einrichtungen: Kinder sollen unterschiedliche Kulturen kennenlernen. Kritiker sehen darin dagegen eine Übernahme westlicher Bräuche, die keinen festen Platz in der ägyptischen Tradition haben.
Zwischen Tradition und Internationalismus
Der Vergleich mit Saudi-Arabien und Dubai zeigt, dass die Entwicklung in der Region nicht einheitlich verläuft. Während dort Veranstaltungen rund um Halloween inzwischen zugelassen oder organisiert werden, setzt Ägypten bei Schulen und öffentlichen Aktivitäten derzeit auf Abgrenzung. Zugleich bleibt die praktische Reichweite der Debatte begrenzt, weil Halloween für viele ägyptische Familien kein etablierter Bestandteil des Jahres ist.
Für internationale Schulen entsteht dennoch ein konkreter Konflikt: Sie müssen ihre Programme an staatliche Vorgaben anpassen und zugleich ihr internationales Profil bewahren. Private Feiern können den Brauch teilweise aus dem öffentlichen Raum in geschlossene Räume verlagern. Für Eltern und Kinder entscheidet sich damit weniger die Frage, ob Halloween als religiöses Fest gilt, sondern wie viel kulturelle Vielfalt Schulen und Behörden künftig zulassen.
