Ai Weiwei zeigt 500 Stahlhelme als Pilze in Sydney
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 08:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAi Weiwei hat vor dem Museum of Contemporary Art Australia in Sydney seine 40 Meter lange Installation «Mushrooms» mit 500 schwarzen Kampfstahlhelmen enthüllt.
Helme als Pilze vor der Oper
Die aus Gusseisen gefertigten Helme stehen auf der öffentlichen Grünfläche Tallawoladah Law mit Blick auf Sydneys Hafen und die Oper. In zehn gleichmäßigen Reihen sind sie auf einer erhöhten Plattform angeordnet; Besucher können durch einen Mittelgang mitten durch das Werk gehen.
Die einzelnen Objekte bilden verschiedene Kampfschutzhelme des 20. Jahrhunderts nach, einschließlich ihrer inneren Polsterung. Sie sollen zugleich für den Schutz und die Verletzlichkeit menschlichen Lebens stehen.
Erinnerung an deutsche Ukraine-Politik
Ausgangspunkt für «Mushrooms» war nach Angaben des Museums die Entscheidung der Bundesregierung, der Ukraine Anfang 2022 rund 5000 Schutzhelme zu liefern. Die Lieferung löste heftige Kritik aus und wurde von Kritikern zum Symbol für eine aus ihrer Sicht zögerliche deutsche Unterstützung gemacht.
Der damalige Kiewer Bürgermeister und frühere Boxweltmeister Vitali Klitschko bezeichnete die Lieferung als «absoluten Witz» und fragte, was Deutschland als Nächstes schicken wolle.
Pilze, Atompilze und Verzögerungen
Der Titel spielt Ai Weiwei zufolge zunächst auf das Aussehen der Helme an. Pilze verwandelten verrottendes Material in neues Leben und stünden deshalb für Wachstum in der Dunkelheit; zugleich erinnere der Begriff an Atompilze.
Im Chinesischen stehe das Wort zudem für endlose Verzögerungen, sagte der Künstler. Er hoffe, dass seine Arbeit die Menschen zum Nachdenken über Krieg und Frieden anrege. Die Installation ist bis 2028 kostenlos zu sehen.
Ein Kunstwerk mit politischer Vorgeschichte
Die Installation verbindet zeitgenössische Kunst mit einer Entscheidung, die in Deutschland und der Ukraine lange über ihre symbolische Wirkung hinaus diskutiert wurde. Anfang 2022 lieferte die Bundesregierung rund 5000 Schutzhelme an die Ukraine. In der damaligen Debatte stand die Lieferung für die Frage, ob Deutschland angesichts des russischen Angriffs ausreichend und rechtzeitig Unterstützung leiste.
Ai Weiwei verschiebt diesen politischen Streit in den öffentlichen Raum. Die standardisierten Helme verweisen auf militärischen Schutz, machen zugleich aber sichtbar, dass Schutz vor Gewalt immer unvollständig bleibt. Dass Besucher durch die Reihen gehen können, verwandelt das Werk von einem bloßen Blickfang in eine körperlich erfahrbare Auseinandersetzung mit Krieg und Verletzlichkeit.
Symbolik über den konkreten Anlass hinaus
Der Titel erweitert die politische Anspielung um ökologische und atomare Bedeutungen: Pilze wachsen aus Zerfall, während der Atompilz für die zerstörerische Dimension moderner Kriege steht. Die Installation richtet sich damit nicht nur auf die deutsche Ukraine-Politik, sondern auf die wiederkehrende Verbindung von militärischer Abschreckung, zivilem Schutz und menschlichen Verlusten.
Für Besucher in Sydney bleibt der ursprüngliche Anlass dennoch verständlich, weil die Helme ein konkretes Kapitel europäischer Sicherheitspolitik aufgreifen. Die kostenlose Zugänglichkeit bis 2028 gibt dem Werk eine langfristige öffentliche Präsenz und macht es unabhängig vom tagespolitischen Nachrichtenzyklus.
