Kinderpornografie-Plattform mit Millionen Fotos abgeschaltet
08.10.2024 - 14:14:06 | dpa.de
Mehrere hunderttausend Nutzer weltweit, Millionen Bilder mit Kinderpornografie allein auf einem Rechner: Fahnder haben eine riesige Plattform fĂŒr kinderpornografische Inhalte mit Bildern und Videos im Darknet abgeschaltet und sechs mutmaĂliche HintermĂ€nner aus Deutschland in Untersuchungshaft genommen.Â
«Es war ein Girl Lover Forum», berichtete der Leiter der Ermittlungskommission, Kai-Arne Gailer, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Duisburg. Missbraucht worden seien ausschlieĂlich MĂ€dchen, teils DreijĂ€hrige und sogar Babys. «Wenn man die Tonspuren auf den Videos hört, kann einem schlecht werden.»Â
Die Ermittlungen gegen aktuelle und kĂŒnftige VerdĂ€chtige gingen weiter: Mögliche Nutzer und Querverbindungen gebe es auf allen Kontinenten der Erde. Aus ErmittlungsgrĂŒnden hielt sich der Fahnder sehr zurĂŒck bei Aussagen, wie die Polizei den VerdĂ€chtigen auf die Spur gekommen ist. Nicht einmal den Namen der abgeschalteten Plattform wollte er nennen.
Razzien in sechs BundeslÀndern
In sechs BundeslĂ€ndern hatte es im September Durchsuchungen gegeben - zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen in Minden und JĂŒchen. Die Ermittler hĂ€tten umfangreiches Beweismaterial teils aus laufenden Rechnern sichergestellt. Insgesamt seien 1.517 Asservate wie Laptops und Handys gefunden worden. Allein die sichergestellten DVDs und Videokassetten fĂŒllten 94 Umzugskartons. Die exakte Datenmenge könne derzeit noch gar nicht abgeschĂ€tzt werden - genau wie die Zahl der Opfer, sagte Gailer.Â
Allein auf dem Rechner eines einzigen Beschuldigten sei eine Datenmenge von 13,5 Terabyte auszuwerten - das entspreche etwa 3,4 Millionen Fotos, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).
Bis zu 15 Jahre Haft
Die jetzt abgeschaltete Plattform im Darknet war nach Reuls Worten seit 2019 im Betrieb. Sie zĂ€hle damit zu den langlebigsten illegalen Plattformen fĂŒr den Austausch der abscheulichen Bilder, sagte der Minister. Den TatverdĂ€chtigen drohen Haftstrafen zwischen 2 und 15 Jahren, wie der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW (ZAC), Markus Hartmann, sagte. Der Ermittlungserfolg sei ein «Paukenschlag», betonte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (GrĂŒnen). Dies zeige den TĂ€tern: «Ihr könnt Euch nicht verstecken.»
NRW-MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst lobte den «herausragenden Ermittlungserfolg». «Unsere Behörden werden alles dafĂŒr tun, weitere TatverdĂ€chtige ausfindig zu machen & Missbrauch konsequent zu verhindern», versprach der CDU-Politiker auf X.
Ermittler Gailer schilderte die AblĂ€ufe: Geld sei in der Plattform nicht geflossen, aber die Teilnehmer mit oft langer Erfahrung in der Kinderpornografie-Szene hĂ€tten riesige Datenmengen getauscht, auch um sogenannte Reputationspunkte bei anderen Usern zu gewinnen und ihre Position und ihren Status in der Gruppe aufzubauen.Â
Weigerungen wurde nicht akzeptiert
VerstĂ€ndnis fĂŒr die Zerstörung der Kinderseelen durch den Missbrauch habe er bei den zahllosen Videos nie gespĂŒrt, sagte Gailer. Ăber die kleinen Kinder sei in verstörender Weise als «reine Sexobjekte» geredet worden.Â
Weigerungen wurde nicht akzeptiert. «Kinder wurden durch Geschenke und Ăberredung gefĂŒgig gemacht. Es wurden Diskussionen darĂŒber gefĂŒhrt, welche Alkoholika, welche BetĂ€ubungsmittel, welche Medikamente die Kinder willenlos machen», sagte Gailer.
Weitere HintermÀnner im Ausland
Die jetzt in U-Haft genommenen MĂ€nner gelten als fĂŒhrende Organisatoren des deutschen Zweiges der Darknet-Plattform. Die TatverdĂ€chtigen seien zwei 45 und 56 Jahre alte MĂ€nner aus Nordrhein-Westfalen, ein 43-JĂ€hriger aus Schleswig-Holstein, ein 61-JĂ€hriger aus Baden-WĂŒrttemberg, ein 62-JĂ€hriger aus Niedersachsen, ein 69-JĂ€hriger aus Rheinland-Pfalz und ein 45-JĂ€hriger aus Bayern, hieĂ es. Vermutlich etwa genau so viele FĂŒhrungskrĂ€fte der Plattform hĂ€tten im Ausland agiert.
Appell an die TĂ€ter: Hilfe holen, Reue zeigen
Der Zugriff habe fĂŒr erhebliche Unruhe in der Szene gesorgt und mache es den TĂ€terinnen und TĂ€tern schwer, sagte Minister Limbach. Er vermute, dass viele von ihnen auch die im Internet gestreamte Pressekonferenz verfolgten, sagte Chefermittler Gailer und wandte sich dann via Kamera direkt an die TĂ€ter: Noch bestehe die Chance, sich Hilfe zu holen und Reue zu zeigen, sagte er. «Wenn, dann jetzt.» Wenn die Polizei vor der TĂŒr stehe, sei es dafĂŒr zu spĂ€t.Â
Der Fahndungserfolg sei wegen des riesigen Dunkelfeldes nur bedingt ein Grund zum Feiern, betonte ZAC-Chef Hartmann. Seine Behörde habe seit der GrĂŒndung 2020 mehr als 25.000 Ermittlungsverfahren gefĂŒhrt. «Wir sind voll bis zum Anschlag ausgelastet.»
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