Algerien, Griechenland, Italien: Extremwetter am Mittelmeer
25.07.2023 - 19:03:47In Algerien gibt es viele Tote nach BrĂ€nden, in Italien mindestens ein Todesopfer nach schweren Unwettern - und in Griechenland wird es noch heiĂer: Viele LĂ€nder am Mittelmeer kĂ€mpfen noch immer gegen die Folgen des extremen Wetters.
Feuerwehren kĂ€mpfen gegen Wald- und FlĂ€chenbrĂ€nde. Ein Löschflugzeug stĂŒrzte dabei wĂ€hrend eines Einsatzes auf der griechischen Insel Euböa ab, zwei Piloten starben. Auf Rhodos sprachen EinsatzkrĂ€fte am Dienstag von einer schwierigen Lage. Von dort wurden weitere Touristen ausgeflogen.
Flieger steuern Rhodos trotz BrÀnden weiter an
«Wir erleben die schwierigsten Tage dieses Sommers», sagte ein Sprecher der Feuerwehr aus der Zentrale des Zivildienstes in Athen. In fast allen Regionen des EU-Landes bleibe die Brandgefahr groĂ. Hilfe bekommen die EinsatzkrĂ€fte aus elf EU-Staaten. Besonders betroffen ist Rhodos. Dort brach ein drittes Feuer im SĂŒdosten aus. Meterhohe Flammen breiteten sich in Richtung des bereits evakuierten Dorfes Gennada aus, wie Augenzeugen der dpa berichteten.
Nach ersten SchĂ€tzungen von Experten sind bei den jĂŒngsten BrĂ€nden auf Rhodos etwa 150 Quadratkilometer Wald und landwirtschaftlich genutztes Land zerstört worden. Im SĂŒdosten von Rhodos brennt es seit vergangener Woche - am Samstag mussten rund 19.000 Touristen und Einwohner aus Hotels und Dörfern vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Viele von ihnen sind inzwischen abgereist, manche noch in NotunterkĂŒnften wie Turnhallen und Schulen untergebracht. Der beliebte Strandort Gennadi drohte derweil dem Feuer zum Opfer zu fallen, Flammen ergriffen bereits mehrere HĂ€user und Lagerhallen.
SonderflĂŒge nach Deutschland
Der Reisekonzern Tui sprach von mehreren Tausend GĂ€sten aus verschiedenen LĂ€ndern, die nach Hause geflogen wurden. Am Dienstag gab es einen weiteren Sonderflug nach Deutschland, nach den bereits am Montag erfolgten vier FlĂŒgen, wie ein Tui-Sprecher sagte. Tui hat bis einschlieĂlich Freitag alle FlĂŒge auf die beliebte Ferieninsel storniert, fĂŒr Reisen in den SĂŒden von Rhodos gilt dies bis einschlieĂlich Sonntag. Der Branchenzweite DER Touristik sagte bis einschlieĂlich Samstag alle Reisen in den SĂŒden der Insel ab.
Dennoch gibt es weiter FlĂŒge nach Rhodos. In Hamburg stiegen am Dienstagmorgen zahlreiche Menschen in den Flieger auf die Ferieninsel. Kurz nach 6.00 Uhr war etwa die Fluglinie Eurowings gestartet. Die Airline prĂŒfe derzeit fortlaufend die Lage auf der Insel, sagte ein Unternehmenssprecher dazu. Urlaub ist auf Rhodos in vielen Regionen weiter möglich, nur im SĂŒdosten nicht.
Mit den Folgen von Trockenheit und Hitze haben auch andere Regionen Griechenlands zu kĂ€mpfen. Auf Korfu geriet ein seit Tagen tobender Brand auĂer Kontrolle. Auf der Insel Euböa im Nordosten Athens toben rund um die Hafenstadt Karystos BrĂ€nde, die Dörfer bedrohen. Dort stĂŒrzte ein Löschflugzeug ab, zwei Piloten starben.
Mindestens 30 Tote in Algerien
Im nordafrikanischen Algerien stieg nach Angaben von Montagabend die Zahl der Todesopfer bei den BrĂ€nden auf 34. Rund 1500 Menschen wurden in Dörfern in Sicherheit gebracht. Dem Innenministerium zufolge waren 8000 KrĂ€fte im Einsatz, um die BrĂ€nde zu löschen. Sie wĂŒteten am Montag unter anderem in der algerischen Region Beni Ksila östlich der Hauptstadt Algier. Die Flammen breiteten sich angesichts starker Winde schnell auch auf andere Regionen des Landes aus.
BrĂ€nde gab es zum Beispiel auch im benachbarten Tunesien, in der TĂŒrkei im Raum Antalya und auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien. Dort sind insbesondere der Norden und die Hauptstadt Palermo betroffen. Der Flughafen war deswegen zeitweilig gesperrt.
Im Norden Italiens gingen derweil schwere Unwetter nieder. Die Metropole Mailand sowie groĂe Teile der Lombardei waren in der Nacht zum Dienstag betroffen. Es kam zu starken Sturmböen, schweren Hagelschauern und RegenfĂ€llen. Eine 16-JĂ€hrige starb, nachdem sie in einem Pfadfinderlager in der Provinz Brescia von einem umfallenden Baum getroffen wurde, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.
In Mailand geriet ein Passagierflugzeug der US-Gesellschaft Delta Air Lines kurz nach seinem Start in ein Unwetter und musste seinen Flug abbrechen. Der Flug mit Ziel New York wurde laut Ansa nach Rom umgeleitet, wo die Maschine sicher landete. Italienischen Medienberichten zufolge wurde die «Nase» der Maschine beschÀdigt, ebenso ein Teil der TragflÀchen und mindestens eines der beiden Triebwerke. Auch das Cockpitfenster habe Risse davongetragen.
Ende der Extra-Hitze ist in Sicht
Am Mittelmeer mĂŒssen sich Einheimische und Urlauber noch einmal auf extreme Hitze einstellen, bevor es dann etwas abkĂŒhlt. In Griechenland werden laut Wetteramt am Dienstag und vor allem am Mittwoch in einigen Teilen des Landes Temperaturen deutlich ĂŒber 40 Grad herrschen, im Westen gar mehr als 46 Grad. Am Donnerstag wird dann eine AbkĂŒhlung auf etwa 35 Grad erwartet.
In Italien wird damit gerechnet, dass die Temperaturen ab Mittwoch landesweit zurĂŒckgehen. Den aktuellen Daten des privaten Wetterdienstes ilmeteo.it zufolge sollen in der Hauptstadt Rom etwa knapp ĂŒber 30 Grad, im SĂŒden des Mittelmeerlandes bis zu 34 Grad erreicht werden. Etwas angenehmer soll es auch in der TĂŒrkei werden.
Studie sieht Zusammenhang mit Klimawandel
Die Hitzewellen wie aktuell in SĂŒdeuropa und dem SĂŒdwesten der USA wĂ€ren laut einer Studie ohne den von Menschen gemachten Klimawandel so gut wie unmöglich. Das geht aus einem Bericht der Initiative World Weather Attribution hervor. Demnach sind extrem hohe Temperaturen ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum keine seltenen Ereignisse mehr, sondern dĂŒrften in SĂŒdeuropa im Schnitt alle 10 Jahre auftreten, in den USA und Mexiko alle 15 und in China alle 5 Jahre.













