Vorteile, Zeitumstellung

Ökonom sieht Vorteile von Zeitumstellung

26.03.2024 - 10:48:36

Am Ostersonntag werden die Uhren um eine Stunde nach vorn gestellt. Und wieder wird diskutiert, wie sinnvoll das ist. Ein Professor vom Leibniz-Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung appelliert an Arbeitgeber und Bildungseinrichtungen.

Der Wechsel von Winter- auf Sommerzeit kann aus wirtschaftlicher Sicht durchaus Sinn ergeben, auch wenn er viele Menschen nervt. «Trotz mancher Nachteile ist es sinnvoll, zweimal jÀhrlich die Uhrzeit umzustellen», sagte Professor Nicolas Ziebarth von der UniversitÀt Mannheim der Deutschen Presse-Agentur.

Das Umstellen habe positive und negative Effekte auf die Gesundheit. Mit einigen Anpassungen im Alltag könnten die negativen Auswirkungen verringert werden, sagte der Leiter des Forschungsbereichs «ArbeitsmĂ€rkte und Sozialversicherungen» am Leibniz-Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Aus Sicht des Ökonomen Ziebarth sind dabei Arbeitgeber und Bildungseinrichtungen gefragt. «Ein spĂ€terer Schul- und Arbeitsbeginn in der ersten Woche nach der Zeitumstellung hilft, negative Effekte zu verringern», sagte er mit Blick auf das Vorstellen der Uhren um eine Stunde am Sonntag (31. MĂ€rz). Vor allem Teenager brĂ€uchten ausreichend Schlaf fĂŒr ihre Entwicklung.

Abschaffung liegt auf Eis

Studien zeigen ihm zufolge auch, dass deren Leistungen generell besser werden, wenn Schule oder Ausbildung spĂ€ter am Tag beginnen - auch ganz unabhĂ€ngig von der Zeitumstellung. «Deshalb wĂ€ren dauerhaft andere Schulzeiten fĂŒr die Ausbildung sinnvoll, auch wenn Deutschland traditionell eher ein Land der FrĂŒhaufsteher ist», sagte Ziebarth.

So wie zweimal jĂ€hrlich am Zeiger gedreht wird, kommt immer wieder die Frage auf: Sollte die Zeitumstellung nicht lĂ€ngst abgeschafft sein? Denn 2018 befragte die EU-Kommission die BĂŒrger, 84 Prozent waren in der nicht-reprĂ€sentativen Untersuchung gegen die Umstellung - und voilĂ : Der damalige Kommissionschef Jean-Claude Juncker verkĂŒndete noch im selben Jahr im deutschen FrĂŒhstĂŒcksfernsehen deren Ende.

Das war aber leichter gesagt als getan, denn die EU-Staaten mĂŒssten sich vorher einig werden, ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit wollen. Weil es dazu keine Einigung gibt, liegt das Thema auf Eis. Auch die aktuelle belgische EU-RatsprĂ€sidentschaft will das Thema nicht aufgreifen, wie sie auf Anfrage bestĂ€tigte. Und so wird auch weiterhin an der Uhr gedreht werden mĂŒssen.

Von Grönland bis zur TĂŒrkei

Dabei gibt es ganz aktuelle Beispiele fĂŒr die Abschaffung. Grönland stellte im Oktober erstmals nicht auf Winterzeit zurĂŒck, nachdem sich die dortige Regierung im November 2022 darauf verstĂ€ndigt hatte, den Wechsel von Sommer- auf Winterzeit abzuschaffen. Die GrönlĂ€nder wollten damit eine Stunde nĂ€her an DĂ€nemark und den Rest Europas heranrĂŒcken. Mexiko schaffte erst vor wenigen Jahren nach einer langen Diskussion die Sommerzeit ab. FĂŒr das lateinamerikanische Land wurde im Herbst 2022 zum vorerst letzten Mal auf die Winterzeit umgestellt.

Die TĂŒrkei hat die Umstellung auf Winterzeit schon im Jahr 2016 abgeschafft. Energie wird dadurch nicht gespart, wie Wissenschaftler der EuropĂ€ischen Bank fĂŒr Wiederaufbau und Entwicklung in einer Studie im Jahr 2020 herausfanden. Der Verbrauch habe sich lediglich verlagert. Was nun am Abend gespart werde, werde am Morgen dafĂŒr mehr verbraucht, so die Studie.

Mit Blick auf die Diskussion um eine mögliche Abschaffung nennt Professor Ziebarth aus Mannheim zwei konkrete Auswirkungen: «Bei einer dauerhaften Winterzeit wĂŒrde die Sonne dieses Jahr in Frankfurt am Main zur Sonnenwende am 21. Juni schon um 4.15 Uhr aufgehen, wĂ€hrend sie bei einer dauerhaften Sommerzeit am 21. Dezember erst um 9.22 Uhr aufgehen wĂŒrde.»

Ziel der 1980 fĂŒr Deutschland wieder eingefĂŒhrten Zeitumstellung war die bessere Ausnutzung der Tageshelligkeit. Hierzulande ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zustĂ€ndig fĂŒr die Verbreitung der gesetzlichen Zeit. Ihre wissenschaftlichen Experten sorgen dafĂŒr, dass ĂŒber einen Langwellensender mit dem Namen «DCF77» in Mainflingen bei Frankfurt Funkuhren, Bahnhofsuhren und viele Uhren der Industrie mit der gesetzlichen Zeit versorgt werden.

@ dpa.de