Gefahr auf dem E-Scooter: Forscher fordert Altersgrenze
10.10.2025 - 14:26:42Ein E-Scooter-Fahrer ist mit Tempo 20 auf der StraĂe unterwegs, links neben ihm ein Auto. Dann biegt der Wagen nach rechts ab, ĂŒbersieht den Scooter - ein heftiger ZusammenstoĂ. Der Scooter-Fahrer prallt hart mit dem Kopf auf das Auto und dann auf die StraĂe - lebensgefĂ€hrliche Verletzungen wĂ€ren wohl die Folge.
Das Unfallszenario, das bei einem Crashtest der Björn-Steiger-Unfallforschung mit einem Dummy in MĂŒnster gezeigt wird, ist der hĂ€ufigste Ablauf fĂŒr UnfĂ€lle zwischen Pkw und E-Scootern, von denen nach den jĂŒngsten vorliegenden Zahlen 2023 knapp eine Million auf deutschen StraĂen unterwegs waren.
Fahrer hÀufig jung und betrunken
Viele der Scooter-Fahrer sind jung, Tausende missachten auch das bisherige Mindestalter von 14 Jahren, fahren zu zweit und sind oft betrunken, sagte der Leiter der Björn-Steiger-Unfallforschung, Siegfried Brockmann, beim Crashtest und der Vorstellung einer aktuellen Studie der Stiftung.Â
Fast die HĂ€lfte der UnfĂ€lle mit schwer verletzten oder getöteten Scooter-Fahrern gingen laut dieser Studie auf AlleinunfĂ€lle zurĂŒck, sagte er - also ohne Beteiligung oder Schuld eines anderen Verkehrsteilnehmers. Und bei 43 Prozent dieser AlleinunfĂ€lle sei Alkohol im Spiel gewesen. Weitere 14 Prozent dieser UnfĂ€lle hatten Ursachen wie einhĂ€ndiges Fahren, Ablenkung oder starkes Abbremsen.
Deutlicher Zuwachs der Scooter-UnfÀlle
Die Studie der Stiftung basiert auf der detaillierten Auswertung der VerlĂ€ufe von mehr als 10.000 UnfĂ€llen mit Scootern in zehn BundeslĂ€ndern in den Jahren zwischen 2021 und 2024. Sie verzeichnet in dieser Zeit einen starken Zuwachs der Unfallzahlen von knapp 4.900 auf knapp 10.900.Â
Dazu passen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Demnach hat sich die Zahl der E-Scooter-UnfÀlle allein 2024 bundesweit im Vorjahresvergleich um mehr als ein Viertel auf fast 12.000 erhöht. 27 Menschen kamen ums Leben.
GröĂere RĂ€der gegen HĂ€ngenbleiben am Bordstein
Brockmann fordert dagegen ein Mindestalter von 15 Jahren fĂŒr die Fahrer und technische Verbesserungen an den Rollern. Vor allem mĂŒssten die bisher ĂŒblichen Acht-Zoll-RĂ€der durch mindestens zehn Zoll groĂe RĂ€der ersetzt werden, um die StabilitĂ€t zu erhöhen und StĂŒrze etwa durch HĂ€ngenbleiben an Bordsteinen zu vermeiden, sagte der Unfallforscher.Â
Bisher ist Scooter fahren ohne jeden Nachweis von Kenntnissen der StraĂenverkehrsordnung erlaubt, wie Brockmann bemĂ€ngelte. Es mĂŒsse mindestens eine Mofa-PrĂŒfbescheinigung oder ein MopedfĂŒhrerschein AM verlangt werden. Brockmann fordert auĂerdem schĂ€rfere Polizeikontrollen auf Alkohol.Â
Viele VerunglĂŒckte hĂ€tten gar nicht fahren dĂŒrfen
Immerhin rund fĂŒnf Prozent der verunglĂŒckten Scooter-Fahrer seien nach den Daten der Björn-Steiger-Stiftung unter 14 Jahre alt gewesen, hĂ€tten also gar nicht mit den Rollern fahren dĂŒrfen. Hier könne man Scooter-Verleiher verpflichten, in die Mietapps einen Altersnachweis einzubauen, sagte Brockmann.
FĂŒr eine immer wieder geforderte Helmpflicht auf dem Scooter sah der Forscher aber keine ausreichende Datengrundlage - was ihn nicht davon abhalte, den Helm nachdrĂŒcklich zu empfehlen, sagte Brockmann.Â
Blinkerpflicht ab 2027 geplant
Die vom Bundeskabinett bereits gebilligte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung fĂŒr Scooter könnte um die VorschlĂ€ge ergĂ€nzt werden, schlug der Forscher vor. Die Verordnung sieht bereits höhere BuĂgelder fĂŒr das Fahren auf Gehwegen und eine Blinkerpflicht ab 2027 vor. AuĂerdem sollen Kommunen angehalten werden, feste StellplĂ€tze fĂŒr Miet-E-Scooter auszuweisen. Die Verordnung kommt im nĂ€chsten Schritt in den Bundesrat.
Laut den jĂŒngsten Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es 2023 rund 780.000 private E-Scooter - 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen rund 210.000 Leihfahrzeuge, deren Zahl ebenfalls zunahm. Zusammen waren das knapp eine Million Fahrzeuge.Â
Instabil auch beim Crash-Test
Vor allem beim Nutzen der Leihfahrzeuge könne es gefÀhrlich werden, weil die Fahrer mit den geliehenen Scootern wenig vertraut seien, sagte Brockmann. Wie instabil Scooter sein können, zeigte sich nicht zuletzt beim Crashtest: Die Unfallforscher brauchten zahlreiche Versuche bis zu einem realistischen Crash. Immer wieder sprang vorher der wackelige Scooter aus der Schiene, die die Forscher aufgebaut hatten.





