Hochwasserlage hÀlt an - Niedersachsen besonders betroffen
30.12.2023 - 05:11:30Die Hochwasserlage bleibt in vielen Teilen Niedersachsens kritisch. In der NÀhe von Bremen können Hunderte Menschen weiterhin nicht in ihre HÀuser. Die Evakuierungen in der Gemeinde Lilienthal (Landkreis Osterholz) dauerten an, sagte eine Gemeindesprecherin.
An einigen Pegeln der Weser befinden sich die WasserstĂ€nde noch ĂŒber der höchsten Meldestufe, wie aus einem Lagebericht des Landesbetriebs fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz (NLWKN) am Morgen hervorgeht. FĂŒr die Leine, Aller sowie Ober- und Mittelweser gebe es eine Warnung vor groĂem Hochwasser, heiĂt es weiter in dem Lagebericht.
Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG ist mit zahlreichen freiwilligen Helfern im Einsatz. Derzeit wirkten mehrere WasserrettungszĂŒge an der BewĂ€ltigung der Lage mit, teilte die Wasserrettungsorganisation mit. Der Schwerpunkt des Hochwassereinsatzes liege derzeit im Serengeti-Park in Hodenhagen im Heidekreis. Dort konnte unter anderem ein Durchfluss geschlossen werden. Die Helfer begannen dann mit dem Abpumpen des Wassers auf dem GelĂ€nde des Freizeitparks. Auch anderswo sind die EinsatzkrĂ€fte mit der Verteidigung von Deichen beschĂ€ftigt.
Zwischen Hannoversch MĂŒnden (Landkreis Göttingen) bis Intschede (Landkreis Verden) seien die ScheitelwasserstĂ€nde hingegen bereits erreicht und die WasserstĂ€nde wĂŒrden sinken. An vielen Orten gibt es laut NLWKN eine gleichbleibende Tendenz beim Pegelstand, in Schladen (Landkreis WolfenbĂŒttel) stieg der Pegelstand der Oker den Angaben zufolge um mehrere Zentimeter.
Die PegelstÀnde in der Stadt Meppen sanken minimal. Es sei allerdings weiterhin Vorsicht geboten, zumal es in den kommenden Tagen wieder Regen geben solle, teilt die Stadt mit.
Lagezentrum: Hochwassersituation stagniert
Eine Sprecherin des Lagezentrums teilte am Morgen mit, dass die Hochwassersituation insgesamt stagniere, es aber keine besonderen Vorkommnisse in der Nacht gegeben habe. Die Lagezentren der Polizei in Niedersachsen meldeten ebenfalls eine relativ ruhige Nacht. Einige Sprecher, wie vom Lagezentrum Göttingen, sprachen von einer sich entspannenden Situation. Es sei trocken geblieben, daher gehe man davon aus, dass sich die Lage beruhige und PegelstÀnde sinken.
In den Hochwassergebieten in Niedersachsen wird heute kein neuer Regen erwartet. Das sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf Nachfrage am Morgen. Im Tagesverlauf soll es demnach abseits der KĂŒste in Niedersachsen nur vereinzelt und in geringen Mengen zu Schauern kommen. Zwischen Sonntag und Montag kommt es im Land voraussichtlich verbreitet wieder zu NiederschlĂ€gen, meist zwischen einem und fĂŒnf Litern Regen pro Quadratmeter. Diese Menge werde aber nicht zu einem Anstieg der Pegel fĂŒhren, sagte der Meteorologe. Erst von Dienstag an wĂŒrden wieder gröĂere Niederschlagsmengen erwartet.
Regen lÀsst PegelstÀnde in Sachsen-Anhalt wieder ansteigen
Durch die RegenfĂ€lle in der Nacht steigen derweil einige FlĂŒsse in Sachsen-Anhalt wieder an. Die schauerartigen NiederschlĂ€ge seien stĂ€rker ausgefallen, als zunĂ€chst prognostiziert, teilte der Landesbetrieb fĂŒr Hochwasserschutz (LHW) mit. Weil die Böden bereits gesĂ€ttigt seien, habe dies in einigen Bereichen zu ansteigenden WasserstĂ€nden gefĂŒhrt. So sei an der Dumme in der Altmark der Richtwert der Alarmstufe 2 ĂŒberschritten worden, nachdem sich die Lage dort in den vergangenen Tagen zunĂ€chst entspannt hatte. Auch an Jeetze und Aland gebe es eine leicht steigende Tendenz der PegelstĂ€nde.
Im SĂŒden Sachsen-Anhalts bleibt die Lage an der Helme weiter angespannt. Am Pegel Bennungen stieg das Wasser wieder, nachdem der Abfluss aus der Talsperre Kelbra erhöht wurde. Am Samstagmorgen stand das Wasser fast einen halben Meter ĂŒber dem Richtwert der höchsten Alarmstufe von zwei Metern.
Das Technische Hilfswerk (THW) stellte sich auf einen Einsatz in den Hochwasser-Gebieten bis in die erste Januar-Woche hinein ein. «Es ist ganz klar, dass das ĂŒber den Jahreswechsel andauern wird», sagte THW-PrĂ€sidentin Sabine Lackner der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Berlin. «Was uns hoch besorgt, ist der Zustand der Deiche.» Sie seien massiv aufgeweicht. TĂ€glich seien etwa 1000 EinsatzkrĂ€fte in den betroffenen Gebieten unterwegs.
Das Hochwasser der Elbe geht in Sachsen derweil weiter zurĂŒck. Am Pegel Dresden wurde am Samstagmorgen ein Wasserstand von 5,30 Meter gemessen, wie aus einer Ăbersicht des Landeshochwasserzentrums hervorging. Einen Tag zuvor waren es noch 5,92 Meter gewesen. Normal sind rund 2 Meter. In der Landeshauptstadt galt ebenso wie in Schöna an der tschechischen Grenze sowie flussabwĂ€rts in Riesa noch die Alarmstufe 2. Die Hydrologen rechnen mit weiter sinkenden WasserstĂ€nden. FĂŒr die ĂŒbrigen Flussgebiete in Sachsen gab es keine Hochwasserwarnungen mehr.
Katastrophentouristen bereiten Probleme
Die Stadt Celle appellierte an Menschen, Sperrungen ernst zu nehmen und nur in die Stadt zu reisen, wenn es unbedingt notwendig sei. «Durch wachsenden «Hochwassertourismus» und Verkehr werden RettungskrĂ€fte vielerorts am Durchkommen gehindert.» Auch die Feuerwehr Verden berichtete von störenden Katastrophentouristen. Der Landkreis Osterholz befĂŒrchtet darĂŒber hinaus, dass zu Silvester viele Schaulustige im Hochwassergebiet unterwegs sein werden.
Zahlreiche Landkreise appellierten erneut, Deiche nicht zu betreten, da diese aufgeweicht seien und beschĂ€digt werden könnten. In der Stadt Oldenburg gilt ein Betretungsverbot fĂŒr Deiche, das mit bis zu 5000 Euro geahndet wird.
Weiter EinschrÀnkungen bei der Bahn
Aufgrund der Witterung und des Hochwassers mĂŒssen sich Bahnreisende lĂ€nger als geplant auf VerspĂ€tungen und Streckensperrungen einstellen. Die Verbindung zwischen Oldenburg und OsnabrĂŒck sei wegen des Hochwassers nach wie vor eingeschrĂ€nkt, sagte eine Sprecherin der Nordwestbahn am Freitag.







