Mehr als 150 Verletzte bei Beben in Istanbul - Sorge hÀlt an
23.04.2025 - 16:41:57Das schwere Beben der StĂ€rke 6,2 und die mehr als 50 teils starken Nachbeben in Istanbul halten die Menschen der Millionenmetropole in Angst. Mehr als 150 Menschen wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Laut Innenministerium sind keine Toten zu beklagen, WohnhĂ€user sind nicht eingestĂŒrzt. Experten warnen jedoch, dass ein groĂes Beben der StĂ€rke 7 und mehr noch bevorstehen könnte.
Menschen sprangen in Panik aus den Fenstern
Auf den StraĂen der Stadt mit ihren 16 Millionen Einwohnern spielten sich am Mittag nach dem rund 13 Sekunden andauernden stĂ€rksten ErdstoĂ dramatische Szenen ab. Viele Menschen stĂŒrzten in Angst aus den HĂ€usern, viele verletzten sich, als sie in Panik aus den Fenstern sprangen. Familien eilten zu KrankenhĂ€usern, um ihre kranken Angehörigen von dort abzuholen und in Sicherheit zu bringen, wie Bilder des Staatssenders TRT zeigten. Zum Teil waren Telefonnetze und Internet gestört.
Auf den Autobahnen bildeten sich lange Staus, Parks und StraĂen fĂŒllten sich mit Menschen, die lieber unter freiem Himmel ausharren wollten. Auf einem Video der Nachrichtenagentur DHA war eine TierĂ€rztin zu sehen, die eine Katze im Kofferraum eines Autos operierte, weil sie zuvor wĂ€hrend des Eingriffs vom Beben ĂŒberrascht worden war.
ZunĂ€chst keine Berichte ĂŒber SchĂ€den
Laut dem Istanbuler Gouverneursamt gab es keine eingestĂŒrzten WohnhĂ€user; lediglich ein leerstehendes Haus im Bezirk Fatih soll zusammengebrochen sein. Die BĂŒrger wurden gebeten, Ruhe zu bewahren und sich beschĂ€digten GebĂ€uden nicht zu nĂ€hern. Der Minister fĂŒr Verkehr und Infrastruktur, Abdulkadir Uralo?lu, schrieb auf der Plattform X, es seien bei einer ersten Bestandsaufnahme keine SchĂ€den an StraĂen, FlughĂ€fen, ZĂŒgen und U-Bahnen festgestellt worden.
Experten warnen vor möglichem weiteren Beben
Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein weiteres starkes Beben folge, sagte der Geologe Okan TĂŒysĂŒz dem Sender NTV. Das Hauptbeben werde noch kommen, schrieb Erdbebenforscher Naci GörĂŒr auf der Plattform X. Im Marmarameer verlĂ€uft eine tektonische Plattengrenze. Die aktuellen ErschĂŒtterungen erhöhten die Spannungen dort zusĂ€tzlich, so GörĂŒr.
Beim Potsdamer Helmholtz-Zentrum fĂŒr Geoforschung (GFZ) beobachtet man die VorgĂ€nge ebenfalls sehr genau. Es sei das schwerste Beben in der Region seit 25 Jahren, teilten die Wissenschaftler mit. «Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es zwei Szenarien: Entweder ist die unmittelbare Region nun vorerst entspannt und die SeismizitĂ€t klingt langsam ab, oder die durch das Beben erzeugten Spannungsumlagerungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit fĂŒr ein gröĂeres Erdbeben in der Region», hieĂ es in der GFZ-Mitteilung.
Experten gehen seit langem davon aus, dass ein Beben rund um die StĂ€rke 7 in Istanbul ĂŒberfĂ€llig ist. Laut tĂŒrkischem StĂ€dtebauminister Murat Kurum gelten 1,5 Millionen Wohnungen und Gewerbeeinheiten als bei einem Erdbeben gefĂ€hrdet.
Imamoglu: Kann an diesem schweren Tag nicht bei euch sein
Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan sicherte den BĂŒrgern zu, der Katastrophendienst Afad, das Gesundheitsministerium und alle weiteren staatlichen Institutionen seien in voller Alarmbereitschaft. «Wir beobachten die Situation genau», teilte er auf der Plattform X mit.Â
Auch der inhaftierte tĂŒrkische OppositionsfĂŒhrer und Ex-BĂŒrgermeister Istanbuls, Ekrem Imamoglu, meldete sich auf X zu Wort. An die Istanbuler gerichtet Ă€uĂerte er seine Trauer darĂŒber, «an diesem schweren Tag nicht bei euch sein zu können». Er appellierte an Einheit, Zusammenhalt und SolidaritĂ€t im Kampf gegen die Naturkatastrophe.
Letzte Katastrophe vor zwei Jahren
Die TĂŒrkei hat leidvolle Erfahrungen mit Erdbeben - Anfang 2023 kamen bei zwei verheerenden Beben der StĂ€rke 7,7 und 7,6 in der SĂŒdosttĂŒrkei und dem Norden Syriens Zehntausende Menschen ums Leben, allein in der TĂŒrkei gab es 53.000 Opfer. Millionen Menschen wurden obdachlos.Â
Erdbeben auch in NachbarlĂ€ndern zu spĂŒren
Das aktuelle Erdbeben war auch in Teilen Griechenlands und Bulgariens deutlich zu spĂŒren. Genau wie tĂŒrkische Seismologen befĂŒrchten auch griechische Wissenschaftler, dass ein groĂes Hauptbeben noch ausstehen könnte.





