Kolumbien, Erdbeben

Retter in Kolumbien suchen nach Überlebenden des Erdbebens

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 03:06 Uhr | dpa.de

Autos schwanken, Fensterscheiben klirren, GebĂ€ude stĂŒrzen ein. Nach dem Erdbeben ruft der neue PrĂ€sident den Notstand aus. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht klar.

  • RettungskrĂ€fte und Anwohner durchsuchen die TrĂŒmmer nach dem Erdbeben. - Bild: Santiago Saldarriaga/AP/dpa
    RettungskrĂ€fte und Anwohner durchsuchen die TrĂŒmmer nach dem Erdbeben. - Bild: Santiago Saldarriaga/AP/dpa
  • Mindestens 1.500 GebĂ€ude und WohnhĂ€user wurden beschĂ€digt. - Bild: Dario Cardona/AP/dpa
    Mindestens 1.500 GebÀude und WohnhÀuser wurden beschÀdigt. - Bild: Dario Cardona/AP/dpa
  • Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist bisher nicht klar.  - Bild: Miguel Angel Lopez/AP/dpa
    Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist bisher nicht klar. - Bild: Miguel Angel Lopez/AP/dpa
  • PrĂ€sident De la Espriella trat erst am Freitag sein Amt an.  - Bild: Sebastian Barros/AP/dpa
    PrÀsident De la Espriella trat erst am Freitag sein Amt an. - Bild: Sebastian Barros/AP/dpa
  • Zahlreiche StĂ€dte wurden betroffen.  - Bild: Santiago Saldarriaga/AP/dpa
    Zahlreiche StÀdte wurden betroffen. - Bild: Santiago Saldarriaga/AP/dpa
RettungskrĂ€fte und Anwohner durchsuchen die TrĂŒmmer nach dem Erdbeben. - Bild: Santiago Saldarriaga/AP/dpa Mindestens 1.500 GebĂ€ude und WohnhĂ€user wurden beschĂ€digt. - Bild: Dario Cardona/AP/dpa Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist bisher nicht klar.  - Bild: Miguel Angel Lopez/AP/dpa PrĂ€sident De la Espriella trat erst am Freitag sein Amt an.  - Bild: Sebastian Barros/AP/dpa Zahlreiche StĂ€dte wurden betroffen.  - Bild: Santiago Saldarriaga/AP/dpa

Das ganze Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe in Kolumbien mit mindestens 111 Toten zeigt sich erst langsam. Die Regierung des sĂŒdamerikanischen Landes rief den Notstand aus. RettungskrĂ€fte suchen in eingestĂŒrzten GebĂ€uden nach Überlebenden. BefĂŒrchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigt. Das Epizentrum des Bebens der StĂ€rke 7,4 lag nahe San JosĂ© del Palmar im Westen des Landes. 

Alleine in der Millionenstadt Cali, die sĂŒdlich des Epizentrums liegt, wĂŒrden 188 Menschen vermisst, sagte der kĂŒrzlich vereidigte PrĂ€sident Abelardo de la Espriella auf einer Pressekonferenz vor Ort. «Darauf werden sich jetzt all unsere KrĂ€fte konzentrieren.» Regierung und lokale Behörden mobilisierten alle Ressourcen und arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, sagte er weiter. Zu den bereits 600 Soldaten vor Ort sollen demnach 400 weitere hinzukommen und bei den Such- und Bergungsarbeiten helfen. 

Die Zahl der Opfer in Cali bezifferte er mit 35 Toten und etwa 700 Verletzten. Drei KrankenhĂ€user und etwa 40 GebĂ€ude stĂŒrzten völlig ein. Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschrĂ€nkt betriebsbereit. Cali selbst ist fĂŒr die vielen Salsa-Schulen bekannt und ein beliebtes Reiseziel auch fĂŒr Touristen aus Europa.

Beben auch in NachbarlĂ€ndern zu spĂŒren 

Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie Kolumbiens Geologischer Dienst mitteilte. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Die ErschĂŒtterungen waren ebenfalls in Kolumbiens Hauptstadt BogotĂĄ sowie in den StĂ€dten MedellĂ­n, PopayĂĄn und Armenia zu spĂŒren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen. 

Tausende WohnhĂ€user wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren StĂ€dten im Umkreis des Epizentrums schwer beschĂ€digt, neben Cali unter anderem auch in Pereira und Manizales. Allein in Pereira starben nach jĂŒngsten Angaben der Stadtverwaltung 60 Menschen, wie es in einem Post auf der Plattform X hieß. Elf weitere wĂŒrden vermisst. 58 GebĂ€ude seien komplett eingestĂŒrzt.

Anwohner helfen bei der Suche nach Überlebenden

«Wir haben hier ein vierstöckiges GebĂ€ude, das vollstĂ€ndig eingestĂŒrzt ist. Wir haben bereits drei Personen lebend bergen können», sagte in Cali der diensthabende Feuerwehrchef im Viertel La Alameda gegenĂŒber dem Sender «Caracol». Zahlreiche Anwohner helfen demnach bei der Suche nach Erdbebenopfern in den TrĂŒmmern.

Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeintrĂ€chtigt. Sechs FlughĂ€fen sind dem PrĂ€sidenten zufolge wegen SchĂ€den an ihrer Infrastruktur derzeit fĂŒr den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschĂ€digt. 

«So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt»

In den Straßen schwankten Autos, Fensterscheiben klirrten und Menschen verließen panisch ihre HĂ€user. «Zuerst dachte ich, es wĂ€re etwas Leichtes. Aber als es dann immer stĂ€rker wurde und nicht aufhörte, dachte ich, wir wĂŒrden sterben», schilderte eine Frau aus Manizales dem Sender «La FM» den Moment des Bebens. 

«Ein Teil meines Hausdachs ist eingestĂŒrzt und die WĂ€nde sind rissig», erzĂ€hlt Juan Bernal aus der Stadt Armenia. Selbst im mehrere hundert Kilometer vom Epizentrum entfernten BogotĂĄ war die ErschĂŒtterung noch deutlich zu spĂŒren: «Die ganze Wohnung, das ganze GebĂ€ude hat geschwankt. So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt», berichtete Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

Experten: Kein Zusammenhang mit starken Beben in Venezuela

Das Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren ErdstĂ¶ĂŸe im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschĂŒtterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der StĂ€rke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben.

Einen Zusammenhang sieht der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) indes nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der PazifikkĂŒste liegende Nazca-Platte.

FrĂŒhere Erdbeben in Kolumbien

Das zuvor heftigste Erdbeben ereignete sich 1958 vor der KĂŒste zwischen Ecuador und Kolumbien mit einer StĂ€rke von 7,6. Dabei kamen laut Geologischem Dienst nur 15 Menschen ums Leben. Im Jahr 1999 wiederum waren in der Stadt Armenia und nahe gelegenen Gemeinden bei einem Erdbeben der StĂ€rke 6,1 mehr als Tausend Menschen ums Leben gekommen.

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