China, Gesellschaft

Wohnung statt Friedhof? China verbietet Heimbestattung

03.04.2026 - 04:00:11 | dpa.de

BegrĂ€bnisse in China sind teuer. Um die sterblichen Überreste ihrer Verwandten aufzubewahren, haben manche offenbar den AbwĂ€rtstrend einer anderen Branche genutzt. Doch damit soll nun Schluss sein.

Chinas Wohnungspreise fallen wÀhrend Bestattungen seit Jahren teurer wurden. (Symbolbild) - Foto: Johannes Neudecker/dpa

Angesichts hoher Kosten fĂŒr Bestattungen schreitet Chinas Regierung gegen eine nunmehr illegale Alternativlösung ein. Eine kĂŒrzlich in Kraft getretene Regelung verbietet in der Volksrepublik Wohnungen fĂŒr die Aufbewahrung von Asche Verstorbener zu nutzen, wie aus der Verordnung fĂŒr das Bestattungswesen hervorgeht. 

Hintergrund sind stark gestiegene Kosten fĂŒr BegrĂ€bnisse in China. Schon 2020 errechnete der britische Versicherer Sun Life, dass Bestattungskosten in China fast die HĂ€lfte eines durchschnittlichen Jahresgehaltes verschlingen können. Der chinesische Rechtsexperte Zhang Yong verwies Anfang des Jahres in der staatlichen «Volkszeitung» zudem auf undurchsichtige BestattungsgebĂŒhren. 

Warum Wohnungen zum Urnen-Ablageort werden

Auf dem von Überangebot betroffenen Immobilienmarkt sinken parallel seit Jahren als Folge einer Branchenkrise die Preise fĂŒr Wohnungen, wodurch diese als Aufbewahrungsort attraktiv wurden. In China pachten Menschen GrĂ€ber fĂŒr 20 Jahre. Wer in kleineren StĂ€dten eine Wohnung kauft, kann langfristig mitunter gĂŒnstiger davonkommen, auch weil die Wohnungspachtzeit in China 70 Jahre betrĂ€gt. 

Online kursierten schon lĂ€nger Videos von Nutzern, die hinter Wohnungen mit auffĂ€lligem TĂŒrschmuck oder dauerhaft geschlossenen VorhĂ€ngen solche «Knochen-Asche-Wohnungen» vermuten. In sozialen Medien wunderten sich Nutzer zudem ĂŒber die geplante Durchsetzung des Verbots. «Wie soll man das kontrollieren, die TĂŒr eintreten?», fragte ein Nutzer auf Weibo - Chinas Pendant zu X. Andere forderten, gegen die Preise auf Friedhöfen vorzugehen.

Regelung kurz vor Totengedenken 

Das Verbot wurde nur wenige Tage vor dem Qingming-Festival wirksam - dem chinesischen Totengedenkfest an diesem Wochenende, bei dem Familien traditionell die GrĂ€ber von Verwandten besuchen. Die seit dem 30. MĂ€rz geltenden Regelungen verbieten außerdem die Bestattung von Toten oder das Errichten von GrĂ€bern außerhalb von Friedhöfen. 

Chinas Gesellschaft altert und schrumpft, weil mehr Menschen sterben als auf die Welt kommen. 2025 erfassten Pekings Statistiker eine historisch niedrige Geburtenrate von 5,63 je 1.000 Menschen. Auch das Ende der jahrzehntelangen Ein-Kind-Politik vor zehn Jahren, mit der Peking das Bevölkerungswachstum kontrollierte, kehrte den Trend bislang nicht um.

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